FLASH GORDON – Die komplette Serie auf DVD

(c) StudioCanal
(c) StudioCanal

„Fühlen Sie dieses prickelnde Stechen? Das ist Radioaktivität!“ – Doktor Alexis Zarkov

Neu und doch alt: Die Schwarz-Weiß-Fassung von „Flash Gordon“ kehrt zurück auf DVD – diesmal in der nicht verstümmelten Fassung.

Im Zuge des Trubels um den Kinofilm „Flash Gordon“ von Dino di Laurentiis präsentierte die ARD Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre unter dem seltsamen Spartentitel „Opas Weltraumkino“ eine deutsche Fassung von alten Schwarz-Weiß-Serials, die in den USA in den 1930ern entstanden waren: Zwei Serials mit dem Titelheld Flash Gordon und eines mit Buck Rogers. Es war meine erste Begegnung mit diesen Serien und ihren kleinen Eigenheiten, dem übertriebenen Pathos der Entstehungszeit und dem merkwürdigen Ende einer jeden Episode mit dem, was man heute „Cliffhanger“ nennt. Aber trotzdem nahmen mich die Abenteuer von Flash Gordon auf fremden Papmachéwelten gefangen und ich wollte Woche um Woche wissen, wie es weitergeht.

Flash Gordon war ursprünglich eine Comicfigur, erfunden von dem Zeicher Alex Raymond und veröffentlicht als Fortsetzungsgeschichte für den Verlag King Features, der verschiedene Zeitungen mit gezeichneten Bildgeschichten versorgte. Der Titelgebende Flash Gordon ist ein Polospieler, der im Flugzeug unterwegs ist, als sich eine Katastrophe abspielt: Ein Komet rast auf die Erde zu und droht, diese zu zerstören. Die atmosphärischen Störungen, die dadurch verursacht werden, bringen das Flugzeug zum Absturz. Flash Gordon und Dale Arden, die sich ebenfalls an Bord der Maschine befindet, landen mit dem Fallschirm auf dem Grundstück des genialen Wissenschaftlers Doktor Zarkov, der fieberhaft an einer Möglichkeit arbeitet, die Erde zu retten. Er will eine Rakete in den Kometen lenken und so dessen Bahn ändern. Das Problem ist allerdings, dass diese Rakete bemannt sein muss, damit sie ihr Ziel erreicht und Zarkovs Assistent ist geflohen. Als nun Flash und Dale bei ihm notlanden, sieht er seine Chance gekommen. Er zwingt sie mit vorgehaltener Pistole, in seine Rakete zu steigen und startet. Doch als er auf den Kometen zusteuert, will Zarkov sich nicht mehr zur Rettung der Erde selbst opfern und zurückfliegen. Gordon will das verhindern, die beiden Männer kämpfen und die Rakete wird vom Kurs abgelenkt und landet auf einem fremden Planeten mit Namen Mongo. Dort herrscht Ming der Gnadenlose und die drei Besucher von der Erde müssen sich allerlei Gefahren auf dieser fremden Welt stellen.

Der Comic wurde schnell sehr erfolgreich, so dass schon 1936 ein Kinoserial produziert wurde. Bei der Umsetzung des Comics wurden ein paar Dinge geändert, die der Geschichte nur gut taten. Alex Raymond ist ein fantasievoller Geschichtenerzähler, aber gerade bei Flash Gordon fällt auf, dass die Handlung keiner Struktur folgt. Handlungsfäden werden begonnen und plötzlich zugunsten von anderen Handlungsfäden fallengelassen und entweder gar nicht mehr oder erst sehr viel später wieder aufgenommen. Bestes Beispiel ist der Komet, der die Erde bedroht: Nachdem Gordon, Zarkov und Dale Arden auf Mongo gelandet sind, ist davon keine Rede mehr. Die drei müssen sich der Bedrohung durch Ming stellen, was aus der Erde wird, erfährt der Leser nicht. Erst sehr sehr viele Folgen später, als Ming endlich besiegt ist, wird gezeigt, dass die Erde nicht zerstört wurde. Was aus dem Kometen wurde, wird allerdings auch nicht gesagt.

Das Serial war auf 13 Folgen angelegt und damit war ein Rahmen und ein Ziel vorgegeben. Die Handlung wurde geändert und erweitert: Die Erde wird nicht durch einen Kometen bedroht, sondern durch den Planeten Mongo selbst, der auf diese zurast. Zarkov will entsprechend auch nicht den Planeten durch einen Zusammenstoß mit seiner Rakete aus der Bahn werfen, sondern dort landen, weil er sich sicher ist, dass der Planet bewohnt ist. Auf dem Planeten gibt es Energie, diese will Zarkov nutzen, um die Bahn des Planeten zu ändern. Und er zwingt Gordon und Dale Arden auch nicht, mitzufliegen, Gordon bietet sich selbst an, als er hört, dass Zarkovs Assistent abgehauen ist. Der Kampf gegen Ming bekommt eine andere Motivation: Als die Raumfahrer auf Mongo landen, erfahren sie, dass Ming den Planeten absichtlich auf die Erde lenkt, um diese zu zerstören. Ming zu stürzen rettet also auch die Erde. Dazu verbünden sich die drei mit verschiedenen Bewohnern von Mongo und erleben phantastische Abenteuer.

Jede Folge ist ungefähr 15 bis 20 Minuten lang und endet immer mit einer gefährlichen Situation für einen der Haupthelden – meistens Gordon selbst. Und häufig sehen wir auch das besondere Stilmittel der Serials, die so genannte „falsche Fährte“. Das bedeutet, das eine Situation am Ende einer Folge stark dramatisiert wurde, am Anfang der nächsten Folge wurde das dann entschärft. Beispielsweise konnte es sein, dass man sieht, wie der Held von einem Schuss durch einen Bösewicht getroffen zu Boden sinkt, die Folge ist zuende, die Fortsetzung setzt dann ein paar Momente vor dem gewissen Schuss ein und wir sehen, wie der Held nicht getroffen wird, sondern gerade noch auf die Seite springen kann.

Die Handlung ist spannend geschrieben, wenn auch viele der Ideen bei genauerer Betrachtung den neuen Erkenntnissen der Wissenschaft widersprechen. Das Zitat oben stammt beispielsweise aus dem zweiten Serial und mit diesen Worten drückt Zarkov Gordon ein Reagenzglas mit einer radioaktiven Flüssigkeit in die Hand. Wäre die Radioaktivität wirklich so stark, dass Gordon diese als „prickelndes Stechen“ wahrnehmen könnte, wäre seine Hand verbrannt und er und Zarkov innerhalb kürzester Zeit tot. Überhaupt, Doktor Zarkov: Der Mann kann alles und zaubert ständig irgendeine neue Entdeckung oder Erfindung aus dem Hut, die den Helden in der momentanen Situation nützlich sein kann. Besonders haben es ihm Strahlen angetan, Strahlen, die unsichtbar machen, Strahlen, die sofortige Lähmung bewirken, Strahlen, die eine ganze Stadt schweben lassen… der Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Wenn man sich von sowas nicht den Spaß verderben lässt, ist man gut unterhalten.

Was die Ausstattung betrifft, mussten sich die Studios einiges einfallen lassen. Spezialeffekte, etwa von fliegenden Raumschiffen, mussten produziert werden. In einigen Szenen wurden echte Echsen gefilmt und per Trick auf die Größe eines Dinosauriers gebracht. Und es wurde wiederverwendet: Viele Hintergrundbilder stammten aus anderen Filmproduktionen, Teile von Zarkovs Labor aus einer Frankenstein-Verfilmung und sogar ganze Ausschnitte wurden von anderen Filmen verwendet (die Lawine auf der Eiswelt Frigia beispielsweise stammt aus dem Film „Die weiße Hölle von Piz Palü„).

„Flash Gordon“ wurde ein Erfolg und schon damals galt: Wenn es erfolgreich ist, wird eine Fortsetzung produziert. In diesem Fall war das ein zweites Serial mit 15 Folgen und dem Titel „Flash Gordon’s Trip to Mars“. Die Handlung, die auch um Azura, die Königin der Magie geht, stammt zwar aus den Comics, wurde aber stark verändert. Ming, der seinen Tod im ersten Serial doch überlebt hat, ist von Mongo zum Mars geflohen, wo Azura herrscht. Vom Mars aus richten sie eine gewaltige Strahlenkanone, die „Nitron-Lampe“, auf die Erde. Als Folge davon kommt es auf der Erde zu Umweltkatastrophen. Irgendwann wird die Erde in eine Wüste verwandelt werden. Also brechen Gordon, Zarkov und Dale Arden, diesmal begleitet von dem neugierigen Reporter Happy Hapgood, zum Mars auf, um ihm das Handwerk zu legen. Dieses zweite Serial kam 1938 in die Kinos und war genauso erfolgreich wie das erste.

Da zu dem Zeitpunkt in Deutschland gerade das Tausendjährige Reich herrschte, kam Gordon mit einer Verzögerung von fast 50 Jahren nach Deutschland. Für die dritten Programme der ARD wurden die Serials „Flash Gordon“ und „Flash Gordon’s Trip to Mars“ synchronisiert. Reinhard Glemnitz sprach Flash Gordon, Niels Clausnitzer Doktor Zarkov und Ming wurde von Fred Maire synchronisiert. Außerdem wirkten noch Hartmut Neugebauer (Prinz Barin) und Christina Hoeltel (Prinzessin Aura) mit. Für die besondere Dramatik sorgte Klaus Kindler: Er war der Sprecher, der den Episodentitel vorlas, die Einführung sprach (in der erzählt wurde, was bisher geschah) und außerdem stellte er am Schluss jeder Folge die bedeutungsschwangere Frage, ob der Held denn der Gefahr, in der wir ihn soeben gesehen haben, entkommen wird, gefolgt von einem dramatischen „Fortsetzung folgt!“.

Und so lernte ich die Serials kennen. Was ich nicht wusste: Es war noch ein drittes produziert worden mit dem Titel „Flash Gordon conquers the Universe“. Es war 1940 in die Kinos gekommen, doch bei der ARD sah man von einer Synchronisation ab. Ich vermute mal, das lag an den ziemlich eindeutigen Anspielungen, denn 1940 stimmte man die Amerikaner auf den Krieg gegen Deutschland ein und das Serial ist ein Abbild davon. Während Ming etwa in den bisherigen Serien sehr asiatisch aussah (was allein schon der Name „Ming“ sagt), so trugen er und seine Vasallen dieses Mal Paradeuniformen, die stark an preußische Uniformen erinnerten. Außerdem unterhielt Ming Konzentrationslager (sic!), machte Menschenversuche und tötete Menschen in so genannten „dust chambers“ (wörtlich „Staubkammern“, Ming hat einen tödlichen Staub entwickelt, der zu einem Menschen in eine geschlossene Kammer eingelassen wird). Und auch bei der Ausstattung konnte man eine gewisse Symbolik erkennen: Prinz Barin und seine Leute erinnerten sehr stark an Robin Hood und seine Gesellen, sie symbolisieren England, die Bewohner der Eisregion Frigia sahen mit ihren Pelzmützen sehr russisch aus. Wenn man dann noch Flash Gordon als Amerikaner dazunimmt, hat man die Aliierten zusammen, die gegen einen bösen Diktator kämpften. Das alles war der ARD wohl zu heiß und so blieb es erstmal.

Doch ein paar Jahre später nahm sich RTL der Sache an, und damit wurde es leider hässlich. Die beiden bestehenden Serials wurden so geschnitten, dass jede Folge etwa 25 Minuten lang war. Damit wurden die markanten Cliffhanger entfernt. Da damit aber die Einführung der Episode mit „Was bisher geschah…“ nicht mehr stimmte, musste der Text ergänzt werden. Dazu nahm man einen anderen Sprecher. Und dadurch, dass die Handlung sich verschob, stimmten die Episodentitel nicht mehr. Die Krönung kam im zweiten Serial, als gegen Ende offenbar aus Zeitgründen einfach eine halbe Folge gekürzt wurde und der zweite Sprecher erzählte, was der Zuschauer nicht zu sehen bekam. Außerdem wurde so getan, als gäbe es nicht drei Serials, sondern nur eine lange Serie: Die Titelmusik von Serial 1 wurde bis zur letzten Folge durchgezogen. Das führte sogar zu Fehlern, denn sowohl bei Dale Arden als auch bei Prinzessin Aura wechselte die Darstellerin in Serial 3, der Vorspann war aber immer noch der gleiche. Selbiges gilt auch für Prinz Barin.

Dafür wurde aber diesmal auch das dritte Serial synchronisiert, doch auch hier leistete man sich grobe Schitzer. Von der Originalsynchro war nur Reinhard Glemnitz noch dabei, alle anderen Figuren bekamen neue Sprecher. Und mit dem Wegschneiden des „Was bisher geschah…“ wurde das Serial um ein Charaktermerkmal beraubt, das jeder Science-Fiction-Fan heutzutage kennen sollte: Das Vorwort als nach hinten wegfliegende Schrift. George Lucas hat sich nämlich für „Star Wars“ von dem Vorwort von „Flash Gordon “ inspirieren lassen.

Leider war die RTL-Version diejenige, die seither im Fernsehen gezeigt wurde und die vor ein paar Jahren auch auf DVD herausgekommen ist. Wer „Flash Gordon“ in seiner richtigen Fassung sehen wollte, musste sich ein englisches DVD-Set besorgen.

Ich hatte eigentlich wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändern würde. Ich hätte nicht gedacht, dass es genug Interessenten geben könnte, um den Aufwand zu betreiben, den Originalzustand wieder herzustellen. Doch StudioCanal hat es tatsächlich gemacht und ein Flash-Gordon-Komplettset herausgebracht. Endlich kann man die Serien wieder auf Deutsch in ihrer ganzen Pracht anschauen. Es gibt ein paar kleine Wermutstropfen, die man aber hinnehmen muss und die das Gesamtbild nicht allzu sehr trüben. So mussten zum Beispiel für die Episodentitel der ersten Serie teilweise selbst erzeugte Standbilder her, was man sehr deutlich sieht. Außerdem wurden in der RTL-Synchro von Serie 3 auch Kürzungen vorgenommen, beziehungsweise es wurden Szenen weg gelassen, die nicht synchronisiert wurden. Diese Szenen wurden wieder eingefügt, sind allerdings nur im Orignalton mit Untertiteln vorhanden.

Und a propros „Originalton“: Wegen der seltsamen Schnittfassung konnte beim vorherigen DVD-Set der englische Originalton nicht mitgeliefert werden. In diesem Set ist er dabei. Da die Filme aber schon über 70 Jahre alt sind, ist der Ton natürlich nur Mono. Bei der Bildqualität muss man auch entsprechend ein paar Abstriche machen, aber das ist einfach der Zeit geschuldet. Das DVD-Set ist ein schönes Stück Kinogeschichte und für mich pure Nostalgie.

Das Set besteht aus vier DVDs in einer Hülle, die in einem Pappschuber steht. Das Design ist, wie man am Bild oben sehen kann, der alten Serie angepasst. Und der Preis ist für 722 Minuten Film angemessen.

„Opas Weltraumkino“, so hat man das damals genannt. Und wem da genauso wie mir ganz nostalgisch wird, der wird an dem Set seine Freude haben. Jetzt warte ich eigentlich nur noch auf ein Komplettset der „Buck Rogers“-Serie von 1939.

 

####WERBUNG#####

„Ihr habt den Erdenmann gehört, jetzt habe ich das Wort!“ – Imperator Ming

Flash Gordon – Die komplette Serie [4 DVDs] kann hier bestellt werden.
 

Über Thorsten Reimnitz 840 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*