YPS mit Gimmick Nr. 1258: Die Urzeitkrebse

(c) Egmont Ehapa
(c) Egmont Ehapa

YPS war ursprünglich eine Kinder- und Jugendzeitschrift, die im Oktober 1975 das erst Mal erschienen ist und als erste auf dem deutschen Markt eine Beilage hatte, das so genannte Gimmick. Über 1200 Ausgaben sind erschienen, bevor das Heft von seinem ursprünglichen Verlag Gruner + Jahr an Egmont Ehapa verkauft wurde. Sinkende Auflagenzahlen sorgten dafür, dass YPS schließlich eingestellt wurde. Dann gab es einen neuen Anlauf, das neue YPS sollte sowohl neue junge Leser begeistern, als auch die „alten Hasen“ von damals bei der Stange halten. Dieser Spagat funktionierte allerdings nicht so, wie sich die Macher das vorgestellt hatten und YPS wurde ein zweites Mal eingestellt. Aber ein altes deutsches Sprichwort sagt, aller guten Dinge sind drei. Allerdings muss man hier dazufügen, dass das Sprichwort durch die Lautverschiebung der deutschen Sprache uminterpretiert wurde und von daher in seiner Originalfassung nicht so ganz in diesen Zusammenhang passt; ursprünglich hieß es nämlich „Aller guten Thinge sind drei“ und bezog sich auf die „Thing“ genannten altgermanischen Ratsversammlungen, bei denen eine Dorfgemeinschaft Regeln für das Zusammenleben aufstellte (ähnlich einem Gemeinderat) und bei denen auch Recht gesprochen wurde. War nun jemand aus der Gemeinschaft eines Vergehens beschuldigt wurde, so war er verpflichtet, sich vor dem Thing einer Verhandlung zu stellen. Da man aber – wie heute auch – zum Termin des nächsten Things vielleicht schon was vorhatte, wurde dem Beschuldigten eine gewisse Zeit eingeräumt. Spätestens beim vierten Thing nach der Anschuldigung musste er vor dem Rat erscheinen, tat er das nicht, wurde er in Abwesenheit verurteilt, ohne sich verteidigen zu können. Der Beschuldigte hatte also „drei Thinge gut“, daher „aller guten Thinge sind drei“, und durch die Lautverschiebung von „th“ zu „d“ im Deutschen wurde aus „Thing“ „Ding“.

Irgendwie bin ich jetzt gerade abgeschweift… aber da sind wir auch schon im Thema: YPS wollte nicht nur Unterhaltung bieten, sondern die Leser sollten auch etwas lernen, entweder über spezielle Serien und Lexikas, die im Heft abgedruckt wurden, oder durch die Comics selbst, in denen immer mal wieder verschiedenste Sachen eingebracht und erklärt wurden.

Nachdem YPS das zweite mal eingestellt worden war, war der Redaktion aber wohl aufgefallen, dass der Großteil der Leser des zweiten Anlaufs die YPS-Fans von damals waren, die mittlerweile erwachsen sind. Und so kam jemand auf die Idee, einen weitere Neuauflage zu starten und sich dabei gezielt an die heutigen Erwachsenen zu wenden. Das bedeutete, YPS wurde zum Magazin, in dem nun auch Artikel abgedruckt werden sollten. Ende des Jahres 2012 war es dann soweit: die Neu-Neuauflage ging mit der Nummer 1258 an den Start. Und die Resonanz war überwältigend.

Dies ist die erste Ausgabe der „neuen Ära“ von Yps.

Der gewandelte Inhalt

Die Gewichtung im „klassischen Yps“ lag mehr auf den Comics, Artikel waren in der Minderzahl. Für das neue Yps beschloss man, das anders anzugehen: Mehr Artikel und mehr Themen, die man abdecken konnte. Da das Heft aber auch ein Magazin sein sollte, brauchte man ein Thema. Es wurden gleich mehrere gefunden. An erster Stelle natürlich die Nostalgie: Was war das damals (1970er / 80er / 90er Jahre) für eine Zeit, was war damals modern, welche Autos wurden gefahren, welche Spielekonsolen gab es damals schon? Dann aber auch ein Vergleich: Wie haben sich die Dinge von damals weiterentwickelt? Der Schwerpunkt hier wurde recht techniklastig gewählt, aber es geht auch in den wissenschaftlichen Sektor hinein. Ein drittes Themengebiet wurde die „erwachsene“ Betrachtung von Dingen, die die Leser von Yps als Kinder interessiert haben: Wie ist es zum Beispiel wirklich, ein Spion zu sein?

Numm 1258 wurde der Testballon – und war innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft, so dass eine zweite Auflage (mit gelbem Cover) nachgedruckt wurde. Kurz darauf wurde von Seiten des Verlags Egmont Ehapa verkündet, dass Yps fortan vierteljährlich erscheinen würde.

Folgende Artikel und Reportagen finden sich in diesem Heft:

  • Chronik
  • Fans & Fakten
  • Extrablatt
  • Prominente Fans
  • Gimmick
  • Neue Gimmicks
  • Inteview Comiczeichner
  • Die Akte Y
  • Gestern und Heute
  • Dinosaurier finden
  • Rüdiger Nehberg
  • Krieg der Systeme
  • Fahrzeuge
  • Michael Groß
  • Ein Dutzend Kunststücke

Und diese Comics:

  • Neue Comics (Ruthe, Pondus, Nicht Lustig, Zombilennium)
  • Mode-Comic
  • Yinni + Yan
  • Yps + Co
  • Hombre

Die Chronik beschäftigt sich natürlich mit der Geschichte von YPS, angefangen im Herbst 1975 bis zum 11. Oktober 2012, als Nr. 1258 erschien. Es werden verschiedene Fakten zu Yps und die „Nebenserien“ vorgestellt.

Unter Fans & Fakten geht die Nostalgie schon los: Fans von damals zeigen Bilder von damals und von heute. Außerdem werden Ergebnisse einer Facebook-Umfrage präsentiert.

Das Extrablatt war lange Zeit das, was eBay, Facebook und ähnliche Webseiten heute sind. In diesem Heft werden daraus „Kleinanzeigen von erwachsenen Kindern für Gleichgesinnte“.

Die Prominenten Fans outen sich „im Zeichen des Ypsilon“ und erzählen, was sie mit Yps erlebt haben.

Das Gimmick, die Urzeitkrebse, hat natürlich seine eigene Seite, wo alles über Aufzucht und Pflege der kleinen Wasserbewohner erzählt wird.

Neue Gimmicks werden auf einer Doppelseite vorgestellt, aber dabei geht es nicht um Ideen, die eventuell in einem der nächsten Hefte landen, nein, es geht um Gimmicks, die zu groß und / oder zu teuer sind, um sie als Heftbeilage zu präsentieren.

Das Interview mit dem Comiczeichner wurde in dieser Ausgabe geführt mit Heinz Körner, dem Zeichner der Abenteuer des YPS-Fernsehteams „Yinni + Yan“.

Die Akte Y erzählt vom wahren Leben als Geheimagent – soweit diese Information nicht geheim ist, natürlich.

Gestern und Heute beschäftigt sich mit der Entwicklung verschiedener Dinge, zum Beispiel Fahrrädern, Uhren oder dem Walkman.

In der Reportage Dinosaurier finden schaut der Redakteur einem Paläontologen über die Schulter auf der Suche nach Fossilien.

Rüdiger Nehberg wird in diesem Heft noch selbst befragt, in zukünftigen darf er selbst etwas über das Überleben in der Wildnis schreiben.

Krieg der Systeme geht zurück in die Anfangszeit der Computerspielsysteme. Es wird ein Blick darauf geworfen, welche Systeme es damals gab und wie diese um einen neu entstehenden Markt kämpften.

Fahrzeuge wurde eine weitere Dauerrubrik: Ein Rückblick auf die Autos (und sonstigen Fortbewegungsmittel) aus der Kindheit und Jugend der Yps-Leser.

Michael Groß ist ein bekannter Schwimmer, der in den 1980er Jahren dreimal olympisches Gold gewann. Er steht in diesem Heft Christian Kallenberg Rede und Antwort.

Ein Dutzend Kunststücke sind Zaubertricks, mit denen man mit wenig Hilfsmitteln jede Party etwas aufpeppen kann.

Die Comics waren in dieser Ausgabe noch strikt getrennt nach neu und alt. In kommenden Ausgaben sollten diese zusammen am Ende des Heftes folgen. In 1258 allerdings gab es die neuen Comics zwischen Seite 26 und 35 und die alten von Seite 81 bis 97. Bei den „Klassikern“ ist Yinni + Yan mit dabei und natürlich einer der YPS-Comic zum Gimmick „Urzeitkrebse“. Mit „Hombre“ findet tatsächlich auch ein Schwarz-Weiß-Comic seinen Weg in dieses Heft.

Außerdem gab es noch einen Fragebogen, aber keine Ankündigung für die nächste Ausgabe. Man schien sich da wirklich unsicher zu sein, was nach zwei Fehlversuchen auch irgendwie verständlich ist. Vermutlich knallten die Sektkorken in der Redaktion, als der Verlag meldete, man müsse das Heft nachdrucken.

Bei der Verpackung fällt auf, dass die Plastikhülle stabiler ist als die „weiche Hülle“ früher, was aber vermutlich dem Umstand geschuldet ist, dass das Heft in dieser Hülle auch verschickt wird. Außerdem scheint nicht bei allen Zeitungshändlern angekommen zu sein, dass YPS seit dieser Ausgabe für Erwachsene gedacht war. In vielen Läden fand sich das Heft zwischen Kinder- und Jugendzeitschriften mit Beilage.

YPS Nr. 1258 war ein Versuchsballon, aber das darf man nicht im Sinne von „reinem Experiment“ sehen. Die Struktur und der Inhalt waren schon sehr durchdacht und große Änderungen am Konzept waren eigentlich keine mehr nötig. Lediglich hier und dort wurde ein wenig geändert.

Etwas merkwürdig in diesem Heft war lediglich die „Modenschau“ mit Yps + Co, wo verschiedene Kleidungsstücke und Accessoirs präsentiert wurden, an denen sich dann Yps und seine Freunde versuchen durften. Da der Comic 8 Seiten einnahm, aber jedes Bild mindestens eine halbe Seite groß war, hatte das ein wenig den Anschein von Seitenfüller, noch dazu, da die ersten und letzten zwei Seiten lediglich jeweils ein Bild zeigten. Aber der Ausrutscher ist angesichts der Qualität des Rests verzeihbar.

Herbst 2012 sah den Neustart von YPS. Frühjahr 2013 sollte es weitergehen.

Über Thorsten Reimnitz 840 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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