YPS – 40 Jahre und kein bisschen… äh… ja… was eigentlich? Egal: JUBILÄUM!

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Am heutigen 13. Oktober gibt es das große Jubiläum zu feiern: YPS wird 40 Jahre alt, am gleichen Tag 1975 – einem Montag – erschien die legendäre Ausgabe Nr. 1, während die Gruppe ABBA mit dem Hit „SOS“ sich an die Spitze der deutschen Charts setzte. Grund genug, dass wir uns hier dem Heft widmen, seiner Geschichte und etwas ausführlicher der Neuauflage, die seit 2012 recht erfolgreich auf dem Markt ist. Den Auftakt bildet diese Episode mit der Geschichte des Heftes bis zu seiner zweiten Einstellung, dann gibt es wöchentlich eine neue Rezension zu den neuen Heften seit 2012, bis wir mit der aktuellen Reihe wieder aufgeschlossen haben. Wem dieser Artikel hier, der zudem zur Hauptsache aus Fakten aus der Wikipedia besteht, zu lang ist, dem gefallen vielleicht die Videos „Die Rückkehr von YPS“ aus der Videoreihe vom „Phantastischen Projekt“, Teil 1 ist hier, Teil 2 hier und Teil 3 hier.

YPS Nr. 1 / (c) Gruner + Jahr
YPS Nr. 1 / (c) Gruner + Jahr

Was ist YPS?

Yps ist ein ComicMagazin, das von 1975 bis 2000 sowie von 2005 (Testausgabe) bis 2006 (3 Testausgaben) als Zeitschrift für Kinder erschien und seit 2012 als Comicheft für Erwachsene herausgegeben wird.[1] Im Oktober 2012 erschien zunächst eine Testausgabe, die sich nun an 30- bis 45-Jährige richtete, die mit der Zeitschrift groß geworden sind. Seit März 2013 erschiendie Zeitschrift vierteljährlich, seit Anfang 2015 im Zwei-Monats-Rhythmus.

Jedem Heft liegt ein Gimmick (oft ein Spielzeug oder ein Scherzartikel) bei; dies hob es in den ersten Jahrzehnten seines Erscheinens von anderen Comic-Magazinen für Jugendliche ab.

Das Konzept von Yps basierte auf dem französischen Heft Pif Gadget, das ursprünglich unter dem Namen Vaillant, le jeune patriote (Vaillant, der junge Patriot) eine Jugendzeitschrift der kommunistischen Partei Frankreichs gewesen war, die zuerst während des Zweiten Weltkriegs im Untergrund erschien. In den 1960er Jahren wurde die Zeitschrift wesentlich weniger politisch, blieb jedoch locker an die kommunistische Partei angebunden; der Name wurde geändert zu Vaillant, le journal le plus captivant (Vaillant, die spannendste Zeitschrift). Die spätere Titelfigur Pif le chien (Pif der Hund), die 1948 für kurze Schwarz-Weiß-Strips in der kommunistischen Tageszeitung L’Humanité erfunden worden war, erschien darin erstmals 1952 und wurde 1965 zur Hauptfigur. Ab 1967 erschien sie unter dem Titel Vaillant, le journal de Pif. Ab 1969 wurde das Gadget (Gimmick) dazugenommen und die Zeitschrift als Pif Gadget neu gestartet. Sie war daraufhin für einige Jahre außerordentlich erfolgreich und stellt bis heute im Comicbereich unübertroffene Rekorde von mehr als einer Million verkaufter Hefte einer einzigen Ausgabe auf, was einige internationale Nachahmer- und Lizenzausgaben hervorbrachte, darunter auch das deutsche Yps. Aus Pif Gadget wurden für Yps zahlreiche Gimmicks (z. B. die Urzeitkrebse) und Comics (z. B. Pif und Herkules) übernommen, jedoch von Anfang an durch eigene Comics deutscher Zeichner ergänzt. Im Gegensatz zu Pif Gadget war Yps stets eine unpolitische Zeitschrift.

Neben den Comics lag ein Schwerpunkt von Yps auf kreativer Beschäftigung, neben den oftmals zusammenzubauenden Gimmicks zum Beispiel mit Bastelbögen, die in manchen Heften das Niveau professioneller Kartonmodelle erreichten (etwa bei den über mehrere Hefte verteilten Modellen von New Scotland Yard oder der Saturn-V-Rakete), und auf Hintergrundinformationen z. B. zu naturwissenschaftlichen Themen, die manchmal an das aktuelle Gimmick angelehnt waren. Das Niveau dieser Beiträge wurde in den ersten Jahren beibehalten, später lag der Schwerpunkt mehr auf Unterhaltung. Yps wurde bereits kurz nach Erscheinen sehr populär und war eines der erfolgreichsten und auflagenstärksten Comicmagazine der 1970er und frühen 1980er Jahre.

YPS Nr. 201: Mein erstes YPS-Heft / (c) Gruner + Jahr
YPS Nr. 201: Mein erstes YPS-Heft / (c) Gruner + Jahr

Die Originalausgabe von YPS: Nr. 1 bis 1253

Vor dem Start der Reihe brachte der Hamburger Verlag Gruner + Jahr im Sommer 1975 nur in Hessen fünf Testausgaben heraus. In diesen Heften kam das namensgebende Känguru Yps noch nicht vor, ebenso fehlte die Reihe Yinni und Yan, die ab der regulären Ausgabe 1 bis kurz vor der Einstellung der Reihe fast immer vertreten war. Stattdessen wurde das Gimmick von der Figur Gulliver vorgestellt, welche offenbar beim Leser nicht ankam. Ein Großteil der Comics wurde in den ersten regulären Ausgaben wiederverwendet. Vom 13. Oktober 1975 an erschien das Magazin regelmäßig wöchentlich. Yps erschien im Phasenvertrieb, d. h. es erschienen nicht alle Ausgaben überall gleichzeitig. In Bayern lag die wöchentliche Ausgabe beispielsweise immer neun Wochen hinter denen im restlichen Bundesgebiet. Auch in Österreich und der Schweiz waren die veröffentlichten Ausgaben nicht synchron mit denen in Deutschland. Daher verwenden die Yps-Hefte auch keine Ausgabedaten, sondern wurden lediglich der Reihenfolge nach durchnummeriert, was eine zeitliche Einordnung der verschiedenen Ausgaben heute schwierig macht.

1999 kaufte der Konkurrenzverlag Egmont Ehapa (Micky Maus) von Gruner + Jahr die Rechte an Yps. Die Erscheinungsweise wurde auf zweiwöchentlich geändert, die Seitenzahl von 48 auf 32 Seiten gesenkt und alle langjährigen Comicserien außer dem Yps-Känguru aus dem Heft entfernt. Aufgrund der schlechten Verkaufszahlen wurde das Heft mit Nr. 1253 vorerst eingestellt. Die letzte reguläre Ausgabe erschien am 10. Oktober 2000 – drei Tage vor dem 25. Jubiläum.

Der zweite Versuch: YPS Nr. 1254 – 1257

Am 18. August 2005 brachte der Egmont Ehapa Verlag nach fünf Jahren Pause die Nummer 1254 mit einer Auflage von 150.000 Heften heraus. Als Zielgruppe gab der Verlag die 23- bis 32-Jährigen an; das Heft enthielt außer Lucky Luke und dem Yps-Känguru keine Comicserien aus der alten Zeit. Vom 13. März bis 8. Mai 2006 erschienen drei weitere Testausgaben. Nach Unternehmensangaben reichten die Verkaufszahlen nicht für ein monatlich erscheinendes Yps-Magazin aus. Der Verlag ließ die Möglichkeit offen, bei veränderten Rahmenbedingungen oder mit einer tragfähigen neuen Idee die Serie fortzusetzen.

  • Nr. 1254 (August 2005): Die Geldmaschine
  • Nr. 1255 (März 2006): Urzeitkrebse
  • Nr. 1256 (April 2006): Alarmanlage
  • Nr. 1257 (Mai 2006): Finger-Fussball
Der Neuanfang: YPS Nr. 1258 / (c) Egmont Ehapa Verlag
Der Neuanfang: YPS Nr. 1258 / (c) Egmont Ehapa Verlag

2012 – Die Auferstehung: YPS Nr. 1258 – …

Am 25. April 2012 kündigte Egmont Ehapa an, Yps neu aufzulegen. Das neue Yps werde sich mit Themen wie Mode, Automobil und Technik befassen. Laut Egmont Ehapa sollen die „Themen von damals inhaltlich und optisch in die jetzige Lebenswelt der Leser“ übersetzt werden. Das Magazin wurde vom Verlag als Erwachsenenmagazin bezeichnet, da es sich an 30- bis 45-Jährige, die mit dem alten Yps aufgewachsen sind, richtet und es Kindheitserinnerungen wecken möchte. Auch die Beigabe von Gimmicks sei geplant. Die redaktionelle Leitung werde Christian Kallenberg, ehemals Chefredakteur des FHM-Magazins, übernehmen. Dieser kündigte an, es werde versucht, „den Geist von Yps, dieses positive Alles-mal-auszuprobieren, in das neue Yps zu übertragen“.

Die erste Ausgabe mit einer Startauflage von 120.000 Exemplaren erschien am 11. Oktober 2012 (dem 37. Jubiläum von Yps) zum Preis von 5,90 Euro. Es handelt sich hierbei um eine Einzelausgabe. Bei Erfolg wäre dann ab 2013 ein regelmäßiger Erscheinungsrhythmus geplant. Am 13. Oktober 2012 war in den meisten Verkaufsstellen das Magazin schon vergriffen, auch der Online-Shop des Verlags Egmont-Ehapa hatte keine Exemplare mehr und die Urzeitkrebse könnten nicht schnell genug für neugedruckte Ausgaben nachgeliefert werden. Am 19. Oktober 2012 ist eine digitale Ausgabe für das iPad erschienen. Durch diesen Erfolg erschien Yps seit März 2013 regelmäßig alle drei Monate und seit März 2015 zweimonatlich.

Ein typisches YPS-Gimmick: Die Brieftasche für Geheimagenten.
Ein typisches YPS-Gimmick: Die Brieftasche für Geheimagenten.

Was sind Gimmicks?

Das Gimmick war eine Beilage zum Heft, z. B. ein Spielzeug, und sollte einen zusätzlichen Kaufanreiz bieten. Gimmicks, wie beispielsweise die Urzeitkrebse, Agenten- und Überlebensausrüstungen, Solarzeppelin, Zaubertricks und U-Boot-Bausätze sind legendär und wurden zu Kultobjekten. Das Gimmick in Heft 1 war ein kleines SchleuderKatapult aus Kunststoff. Mit einem gewissen Abstand vor Heft „Nr.1“ war jedoch zuvor ein Pilotheft erschienen, dessen Gimmick in zwei länglichen Kapseln bestand, die durch eine kleine Stahlkugel im Inneren auf schrägen Flächen hinabpurzelten (das Gimmick erschien später noch einmal in einem anderen Heft). Manche Gimmicks wurden kontrovers diskutiert, z. B. gab es mit Gimmick Nr. 263 (erschienen am 18. Oktober 1980) drei echte tote Tropen-Schmetterlinge in Kästen und bei den „mexikanischen Springbohnen“ waren der Auslöser für das Springen lebende Larven der Motte Laspeyresia saltitans. Es gab auch höherwertige Gimmicks, die allerdings meist in Spezialausgaben (Yps Extra, Yps Spezial und Yps Grün) herausgebracht wurden, wie z. B. ein MWRadio zum Selberbauen oder kleinere technische Modellbausätze wie die Marsraupe (eine Art Mars-Rover).

Das häufigste Gimmick waren die Urzeitkrebse (Artemia nyos), die insgesamt 20 mal als Beilage zum Heft erschienen, gefolgt vom Yps Abenteuerzelt, welches 15 mal Gimmick war. Generell wurden die verschiedenen Serien jährlich in leicht abgewandelter Form wiederholt, so z. B. die Abenteuer-Serie (in der Regel mit dem Abenteuer-Zelt), die Detektiv– und die Agentenreihe. Oft bezogen sich auch die Comics von Yps & Co. oder Yinni und Yan auf das Gimmick. Zu der Detektivreihe gab es auch oft Rätselkrimis, z. B. von Wolfgang Ecke zum Mitdenken und -kombinieren. Populär wurden auch die Mitgliedsausweise für Agenten- oder Detektivclubs oder einfach nur als Yps-Mitglied, wodurch auch ein Augenmerk auf ein Miteinander, bzw. gemeinsames Erleben der Gimmicks durch die gleichaltrigen Leser gelegt wurde.

Auch einige der damals neuartigen Play-BIG– und Playmobil-Figuren wurden als Gimmick verwendet, z. T. zum Selberanmalen (die Stifte gab es dann in der nächsten Ausgabe).

Typischer YPS-Comic: "Yinni + Yan" / (c) Gruner + Jahr
Typischer YPS-Comic: „Yinni + Yan“ / (c) Gruner + Jahr

Comics

Im Laufe der Zeit wurde in YPS eine große Anzahl Comics verwendet, darunter auch bereits bekannte Figuren wie diverse Asterix– oder Lucky-Luke-Serien, die gekürzt auf verschiedene Ausgaben verteilt wurden, oder in den Spätjahren Garfield. In den frühen Ausgaben bis circa 1980 gab es auch noch Fotoserien (Black Beauty nach der gleichnamigen Serie) und eine Vielzahl an realistisch gezeichneten Comics (Davy Crocket, Peter Horn, Hombre, Thomas der Trommler, Wangaroo, Captain York, Gerfried, u. a.), die später kaum noch verwendet wurden.

Die Nummern in der folgenden Auflistung der vertretenen Comics beziehen sich nur auf den Zeitraum, die Reihen waren nicht zwangsläufig in jeder dieser Ausgaben vertreten:

Eigenproduktionen

  • Yps & Co. (ab Ausgabe 1 als einseitiger Comic (Yps, Kaspar, Patsch und Willy) zum Gimmick, ab Ausgabe 88 zusätzlich mit eigenständigen Geschichten)
  • Yinni und Yan (Ausgabe 1–1235, Zeichner: Heinz Körner)
  • Schwyps und Gryps (Ausgabe 41–87, Zeichner: Michael Forster)
  • Wangaroo das Dschungelkind (ab Ausgabe 83 bis ca. 180, Zeichner: Juan Arranz, Texter: Roger Lécureux)
  • Captain York (Ausgabe 95–306, Zeichner: Carlo Raffaele Marcello[14], Texter: Roger Lécureux)
  • Bens Bande (Ausgabe 112–331, Zeichner: Marti (Künstlername von Marti Riera Ferrer), Texter: Peter Wiechmann)
  • Mister Melone (Ausgabe 122–359, Zeichner: Adolfo, (Rojas)/Comicon und Helmut Murek; Texter: Peter Wiechmann, teilweise Rojas/Comicon)
  • Thomas, der Trommler (Ausgabe 132–196, Zeichner: Josep Gual, Texter: Jean Ollivier)
  • Hombre (Ausgabe 145–252, Zeichner: Rafael Mendez, Texter: Peter Wiechmann)
  • Gespenster GmbH (Ausgabe 165–1239), Zeichner: Josip (165-380), Rojas (450-616) (Comicon); Kipkacomics (617-1239); Texter: Peter Wiechmann, Fred Kipka, (Kipkakomiks)
  • Gries, Gram & Grimm (Ausgabe 400–417)
  • Jimmy das Gummipferd (Ausgabe 422–462, basierend auf Geschichten, die 1953 bis 1957 von Roland Kohlsaat für die Beilage Sternchen des Stern gezeichnet worden sind)
  • Punk-Piraten (Ausgabe 864–1233, gezeichnet von Fred Kipkas Unternehmen (Kipkakomiks))
  • Cybertoon (Ausgabe 1248–1253; Texter und Zeichner: Michael H. Musal)

Lizenzcomics – Abgeschlossene Episoden:

Lizenzcomics – Fortsetzungsgeschichten:

Im nächsten YPS

Die letzte Seite eines jeden Heftes war – mit Ausnahme der Zeiten, als nicht sicher war, wie es mit YPS weitergehen sollte -, der Ankündigung des nächsten Heftes vorbehalten, so dass man sich eine Woche lang drauf freuen konnte. An diese Tradition möchte ich anknüpfen: Im nächsten Artikel dieser Reihe geht es um YPS Nr. 1258: Die Urzeitkrebse! Der Artikel erschein in einer Woche an dieser Stelle!

Und ach ja: Alles Gute zum Jubiläum – und auf die nächsten 40 Jahre!

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Grundlage für diesen Artikel ist der Wikipedia-Eintrag „YPS„, Autoren siehe hier. Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern eingebundener Mediendateien stehen im Text darunter. Die Bilder sind selbst fotografiert.

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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