Bei Dir stimmt’s doch daheim nicht! – Die Jesus-Impfung

Vor langer Zeit, als ich gerade meine Laufbahn im Rettungsdienst angefangen hatte, da gab es da noch Zivildienstleistende. Das war nicht schlecht, denn so wurde auf der Rettungswache immer für „frisches Blut“ (Pointe nicht beabsichtigt) gesorgt und es gab Abwechslung und Weiterentwicklung. Eine Generation dieser Zivis bei uns prägte den Satz „Bei Dir stimmt’s doch daheim nicht!“. An diesen Satz musste ich spontan denken, als ich folgende Geschichte las, die ich den Leserinnen und Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten möchte:

Ein Arzt aus Oklahoma, dem wegen Steuerhinterziehung und Abrechnungsbetrug in Ohio zeitweise die Aprobation entzogen war, durfte, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, unter Aufsicht wieder Patienten behandeln. Ein Nachrichtensender bekam allerdings Zweifel, ob diese Aufsicht sonderlich effektiv ist, nachdem ihm zugetragen worden war, der Arzt, der als „Doctor Mike“ bekannt war, würde „Jesus-Impfungen“ verabreichen, für die er 300 Dollar verlangt. Die „Jesus-Impfung“ soll den Patienten ein Leben lang vor Schmerzen bewahren.

Diese Wirkung wäre – wenn es sie gäbe – extrem kontraproduktiv. Es ist ja nicht so, dass Menschen Schmerzen „halt so“ haben, Schmerzen sind dazu da, damit der Mensch merkt, dass an seinem Körper etwas nicht in Ordnung ist. Mal angenommen, die „Jesus-Impfung“ würde wirken und ein Mensch, der diese bekommen hat, lehnt sich mit der Hand aus Versehen auf eine heiße Herdplatte: Sollte er das nicht besser gleich merken – nämlich durch den Schmerz -, anstatt erst dann, wenn es verbrannt riecht? Achso, es geht ja gar nicht um diesen Schmerz, sondern um den Schmerz von Krankheiten? Tja, dummerweise geht das so selektiv nicht, wie will diese „Jesus-Impfung“ denn unterscheiden zwischen „gutem“ Schmerz und „schlechtem“ Schmerz? Deswegen haben manche Patienten, die aus Krankheitsgründen hochdosierte Schmerzmittel bekommen, auch Probleme mit dem normalen Schmerzempfinden.

Hier spielt ein Arzt mit der (Leicht-)Gläubigkeit seiner Patienten, um einen schnellen Reibach zu machen. Die ganze Geschichte (mit Video) steht hier —> News9.com.

Über Thorsten Reimnitz 835 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*