Technische Rezension: „Psycho“ von Alfred Hitchcock

bd_psychoOT:                        Psycho
Laufzeit:               109 Minuten
FSK-Freigabe:       ab 12 Jahren
Studio                   Universal Pictures
Herstellungsjahr: USA 1960
Disc:                      1 Blu-Ray
Tonformate:          Deutsch  DOLBY DIGITAL 2.0,  Englisch DTS-HD-MA 5.1 sowie weitere Sprachen
Extras:                 im Steelbook oder alternative im Keep-Case
Hauptdarsteller: Anthony Perkins, Vera Miles, Janet Leigh, John Gavin
Regie:                  Alfred Hitchcock

 

Zuerst zum eigentlichen Film:

Die Handlung um den psychopatischen Serienkiller Norman Bates sollte mittlerweile bekannt sein, ansonsten kann ich nur sagen: Schaut ihn euch an!

Das einzige was hier noch hinzuzufügen wäre ist, das es von „Psycho“ nicht nur drei Fortsetzungen mit Anthony Perkins in der Rolle des Norman Bates gibt sowie diverse Remakes. Mittlerweile existiert auch eine TV-Serie mit dem Namen „Bates Motel“, welche die Teenager-Jahre von Norman Bates zeigt, in der seine Mutter noch lebt und wie er zu der Person geworden ist, die man aus dem Film kennt. Der Hauptunterschied ist, dass die Serie in der Jetztzeit spielt, aber ansonsten wie selbstverständlich die Entwicklung dieser Figur aufzeigt.

 

Info:

Sobald man an die Filme von Alfred Hitchcock denkt, fällt einem zuerst „Psycho“ ein. Mit diesem Film wurde damals ein neues Genre erschaffen, das des Serienkillers, sowohl auf der großen Leinwand als auch später im Fernsehen. Norman Bates war der Prototyp für viele bekannte Serienkiller-Figuren der Film- und TV-Geschichte, Hannibal Lecter und Dexter Morgan hätte es wohl ohne Alfred Hitchcocks Meisterwerk so nie gegeben.

Aus heutiger Sicht und mit Blick auf die FSK-Freigabe von 12 Jahren ist der Film doch recht zahm. Vor allen wenn man an so manche Serien denkt, die heutzutage im TV ausgestrahlt werden, dort werden nicht selten Dinge gezeigt, die an der Ekelschwelle kratzen. Wie sehr sich die Sehgewohnheiten geändert haben und heutzutage von früheren Jahrzehnten abweichen, kann man daran beobachten, dass immer häufiger Filme, die noch vor 10, 15 und mehr Jahren indiziert oder sogar verboten waren, heute sogar ungeschnitten im TV-Programm gezeigt werden dürfen, wenn auch zu einer eher späteren Uhrzeit.

In den letzten Jahren wurden Filme wie „Terminator“, „Das Ding aus einer andern Welt“, „Total Recall“, „Universal Soldier“ oder neuerdings „ RoboCop 1“ (um nur ein paar zu nennen) vom Index genommen und sogar auf FSK-16 herabgestuft.

Ich möchte hier allerdings ausdrücklich betonen, dass ich es gut finde das die Indizierungen dieser und weiterer Filme endlich aufgehoben wird. Ein erwachsener Mensch sollte schließlich selbst darüber entscheiden können, ob er diesen oder jenen Film sehen möchte oder nicht. Eine Einstufung in verschiedene Altersbereiche finde ich durchaus gut und sinnvoll, allerdings mit mehr Abstufungen. Was ich nicht gut finde, ist dass eine Organisation bzw. Behörde entscheidet was man sehen darf und was nicht, das ist meines Erachtens willkürliche bzw. staatliche Zensur.

Es warten noch genügend weitere Klassiker darauf, von der Indizierung befreit zu werden!

 

Bild:

Beim Bild wurden hier absolute Höchstleistungen erreicht, obwohl nunmehr schon 53 Jahre alt, bietet sich dem Zuschauer eine bis dahin nie gesehene Detailvielfalt. Das zeigt sich schon in der Eröffnungssequenz bei Minute 2.20. Zum allerersten Mal ist man in der Lage, die Schrift, die in vertikalen Lettern geschrieben ist, zu erkennen. Das sich im Zentrum des Bildes befindende Gebäude ist als Hotel mit dem Namen „San Carlos“ zu verifizieren. Auch ein Werbeschild an der Hauswand ist jetzt zu erkennen. Dies und vieles mehr waren auf der bisher erhältlichen DVD nicht einmal ansatzweise zu erahnen. Hinzu kommt ein größeres Bild mit mehr Einzelheiten, sowohl an den beiden Seiten als auch an der Ober- und Unterkante. Der Schwarzwert als auch der Kontrast ist für einen so alten Film absolut herausragend. Als in Minute 27.35 zum allerersten Mal „das Haus“ vollständig zu sehen ist, sind im Gegensatz zur DVD auch feine Detail sichtbar, und das trotz Dunkelheit und Regen. An „Psycho“ kann man erkennen das das Alter eines Filmes nicht zwangsläufig eine Rolle beim HD-Remastering spielt, schon eher die Tatsache, in welchem Zustand das Original-Negativ ist. Ist es noch zu verwenden, oder muss man auf ein qualitativ etwas schlechteres Original-Positiv ausweichen, oder sogar auf ein schon recht abgenutztes Uralt-Positiv. Je besser die Grundsubstanz erhalten ist, desto besser ist auch das Endergebnis, und im Falle von „Psycho“ hat Universal wirklich Glück gehabt. Umso mehr, da der Film selbst nicht gerade auf dem hochwertigsten Celluloidmaterial gedreht wurde, welches es damals zu kaufen gab.

Der Schwarz-Weiß-Film hat ein durchgehendes feines Filmkorn, das nur manchmal etwas gröber ausfällt, aber niemals wirklich stört, im Gegensatz z.B. zu „Ghostbusters“, wo es doch zuweilen recht penetrant wirkt.

 

Ton:

Der deutsche Dolby Digital Stereoton ist recht gut und bringt die Dialoge klar und sauber rüber. Für die Originalfassung wurde die alte Mono-Tonspur durch neuste Technologie aufgesplittert und in einzelne Soundlayer extrahiert. Dadurch entstand eine 5.1 Soundkulisse, wie man es bei einem derart alten Film nicht für möglich gehalten hätte, schlichtweg unglaublich ohne gleichzeitig das Original zu verfälschen. Man sollte sich das Feature  „Der Sound von Psycho“ ansehen, damit man erahnen kann, wie viel Arbeit und auch Herzblut drinsteckt! Obwohl sich der Surroundsound hauptsächlich auf diverse Geräuscheffekte und die musikalische Untermalung beschränkt, ist er doch absolut erstklassig geworden.

 

Bonusmaterial:

Das Bonusmaterial von „Psycho“ ist nicht nur sehr informativ, sondern auch vielseitig und äußerst umfangreich. Besonders fällt einem hier das über neunzig Minuten lange „Making Of“ in Auge. Hier die Auflistung aller Features, die sich auf der Blu-Ray befinden:

  • Das Making Of von „Psycho“ (94.13 Min);
  • Im Schatten des Meisters: Hitchcocks Erbe (25.58 Min);
  • Hitchcock/Truffaut (15.20 Min);
  • Nachrichtenausschnitte: “ Psycho“ erscheint (7.45 Min);
  • Die Duschszene: Mit und ohne Musik (1.18 / 1.18 Min);
  • Die Duschszene: Storyboards von Saul Bass (4.10 Min);
  • Der Sound von „Psycho“ (9.57 Min);
  • Die „Psycho“-Archive (7.48 Min);
  • Poster und Werbung für „Psycho“ (3.00 Min);
  • Aushangbilder (1.30 Min);
  • Fotos hinter den Kulissen (8.00 Min);
  • Publicity-Aufnahmen (8.30 Min);
  • „Psycho“ – Original-Kinotrailer (6.35 Min);
  • „Psycho“ – Neuveröffentlichungs-Trailer (1.50 Min);
  • Alfred Hitchcock presents: „Lamb to the Slaughter” (26.08 Min);
  • Filmkommentar mit Stephen Rebello, Author von “Alfred Hitchcock and the Making Of Psycho“.

 

Fazit:

Alfred Hitchcocks “Psycho” ist sowohl ein Klassiker als auch ein Kultfilm in Personalunion, den man einfach gesehen haben muss. Viele moderne Filme wie z. B. „Sieben“ wurden von ihm inspiriert oder versuchen, ihm nachzueifern. Auch wenn man kein Freund dieses Genres ist, so sollte man „Psycho“ wenigstens einmal gesehen haben.

Das Bild ist, trotz Schwarz-Weiß und trotz Filmkorn geradezu grandios, der deutsche Ton geht voll in Ordnung, allerdings sollte man sich diesen Film zumindest auch einmal in der neuen englischen HD-Tonspur anhören, es lohnt sich und auch das Bonusmaterial ist ebenfalls  überaus informativ.

Für Hitchcock-Fans, sowie für Fans von subtileren Horrorfilmen, Thrillern sowie ebenfalls von diversen Romanen bzw. Verfilmungen, die in erster Linie vom Suspense leben und nicht von der Zurschaustellung von übermäßig viel Blut oder gar Splatterorgien.

 

Kleiner Tipp noch:

Letztes Jahr kam der Film „Hitchcock“ in die Kinos und ist mittlerweile auch auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Der Film spielt dabei während der Dreharbeiten zu „Psycho“ und zeigt, was damals hinter den Kulissen so passiert ist. In wiefern das alles korrekt ist, darüber lässt sich im Nachhinein nur spekulieren, er soll  aber auf Tatsachen basieren. Das hier Alfred Hitchcock ausgerechnet von Anthony Hopkins dargestellt wird, dem Hannibal Lecter der Kinofilme, kann man nur noch als Koinzidenz bezeichnen.

Alfred Hitchcock’s „Psycho“ kann man unter anderem hier bestellen:

Über J-P 44 Artikel
Ich rezensiere Filme nicht von der Handlung, sondern von der technischen Umsetzung her. Viele Filme, die auf Blu-Ray herauskommen, kennen die meisten von der Handlung her schon und wollen nur noch wissen: Lohnt sich die Anschaffung vom technischen Aspekt her, oder handelt es sich bei dem Film um eine Augen- und/oder Ohrenfolter? Ich versuche, bei der Beantwortung dieser Frage zu helfen.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*