„Der Hobbit – Smaugs Einöde“ [Filmkritik]

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Ja, nun kommt auch eine Filmkritik von mir. Warum so spät? Weil ich erst jetzt Zeit und Gesundheit hatte, ins Kino zu gehen.

Nun ist es eine Binsenwahrheit, dass der mittlere Teil einer Trilogie es besonders schwer hat, denn traditionell hat er die Aufgabe, den totalen Niedergang zu erzeugen. Der oder die Held/en stehen am Ende des Teils in höchster Bedrängnis, aus der sie sich im abschließenden dritten Teil emporarbeiten müssen. „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ ist genau so ein mittlerer Teil. Aber der Reihe nach.

Der Film verwendet einen Einstieg, der uns etwas deutlicher macht, dass da noch andere Dinge zugange sind, als ein paar Zwerge, die einem Drachen einen Schatz abluchsen wollen: Gandalf trifft Thorin Eichenschild in Bree und informiert ihn darüber, dass auf Thorins Kopf ein Preis ausgesetzt wurde. Diese Szene spielt noch vor den Ereignissen des ersten Teils (kleine Bemerkung am Rande: Wer hat Peter Jacksons Cameo-Auftritt in Bree bemerkt?), leitet dann aber völlig ohne Erklärung in die aktuelle Handlung ein: die Zwerge und Gandalf sind, wie am Ende von Teil 1, auf der Flucht vor den Orks. Der Weg zum Einsamen Berg soll sie durch den Düsterwald führen. Hier trennt sich Gandalf von den anderen, um anderen Spuren nachzugehen. Bilbo und die Zwerge bekommen es mit Riesenspinnen und den Elben von Düsterwald zu tun, deren König mit Thorin einen Handel eingehen möchte. Thorin schlägt aus, doch dank des Rings, den Bilbo im ersten Teil gefunden hat und der ihn unsichtbar macht, kann der Hobbit die Zwerge befreien und auf eine Flussfahrt in Richtung Einsamer Berg schicken. Des Königs Sohn Legolas und die Wachoffizierin Tauriel verfolgen sie und geraten in einen Angriff von Orks, der ihnen vor Augen führt, dass da noch mehr vor sich geht.

Gandalf sucht indessen ein Grabmal auf, in dem neun Menschen bestattet wurden. Doch die Gräber wurden aufgebrochen und sind leer. Der Zauberer reist zusammen mit Radagast zur Ruine von Dol Guldur, wo sich die Orks sammeln. Und er tritt der Macht entgegen, die die Orks befehligt…

Wow! Was für eine Reise. Das ist der Film wirklich, denn Bilbo und die Zwerge sind pausenlos unterwegs, im Gegensatz zum ersten Teil, wo sie ja beispielsweise auch mal in Bruchtal länger Halt machten. Der Film enthüllt auch noch mehr von dem Übel, das über Mittelerde kommt, allerdings ohne die Hintergrundgeschichte zu erzählen. Würden wir den „Herrn der Ringe“ nicht kennen, wäre das noch ein Spannungspunkt zum nächsten Teil, weil die Frage natürlich wäre: Wer ist der Typ, dem Gandalf auf Dol Guldur begegnet? Und was für eine Rolle spielt er? Tatsächlich ist die Geschichte auch so geschrieben, als wäre „Herr der Ringe“ noch nicht erschienen, und das gefällt mir. Bei der STAR-WARS-Saga war das einer der Punkte, die ich zu kritisieren hatte: In der Prequel-Trilogie wurde Anakins Schicksal klar und deutlich gezeigt, so dass der berühmte Satz „Ich bin Dein Vater!“ aus „Das Imperium schlägt zurück“ für mich an Dramatik verloren hat. „Der Hobbit“ hingegen wird wie eine echte Vorgeschichte aufgebaut, nicht nach dem Motto „Na, Ihr wisst ja eh, wo’s endet.“ Das merkt man besonders an Legolas, der hier noch sehr arrogant gerade den Zwergen gegenüber auftritt. Und wenn man seinen Vater betrachtet, weiß man auch, wo er es herhat.

Tauriel wurde im Vorfeld schon von einigen Tolkien-Fans sehr misstrauisch begutachtet, aber sie passt sich sehr gut in den Film ein. Überhaupt, alles wirkt wie „aus einem Guss“. Ich habe das Buch nicht so gut im Kopf, dass ich immer zu hundert Prozent sagen könnte, „ah, das hier ist von Tolkien, das ist von Tolkien aus anderer Quelle und das hier haben die Drehbuchautoren erfunden“, und die Geschichte ist so zusammengesetzt, dass man diese Einzelteile als „Nicht-Kenner“ nicht bemerkt. Der Endpunkt der Handlung ist auch verdammt gut gesetzt, auch wenn es sich um einen absoluten Cliffhanger handelt. Kein ruhiger Moment am Schluss wie beim ersten Teil (oder sogar bei „Das Imperium schlägt zurück“), sondern die Handlung reißt ab, als sich eine Katastrophe anbahnt. Fortsetzung folgt… in zwölf Monaten oder so.

Mir hat der Film gefallen und ich denke, es ist eine gute, eher erwachsenengerechte Umsetzung des Stoffs. Man darf nicht vergessen, dass „Der Hobbit“ ursprünglich für Kinder geschrieben und erst später von Tolkien in den Kontext vom „Herrn der Ringe“ gesetzt wurde. Ich bin jetzt auf zwei Dinge gespannt: Natürlich auf die Fortsetzung, aber auch auf die „Extended Version“ auf Blu-Ray, die wir sicherlich zu erwarten haben.

Und hier ist die Meinung von Kili von den „Happy Hobbit“s: http://www.theonering.net/torwp/2013/12/07/84192-a-feast-of-starlight-a-review-of-the-hobbit-the-desolation-of-smaug/ (Text auf Englisch!)

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Über Thorsten Reimnitz 842 Artikel

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist „Das Phantastische Projekt“ mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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