ICH

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„Ein Mensch schaut in der Zeit zurück. Und sieht: Sein Unglück war sein Glück.“
(Eugen Roth)

Genau zur selbigen Minute, da dieser Artikel im „Star Command Communiqué“ erscheint, geschah exakt 40 Jahre zuvor etwas, das mein Leben persönlich sehr stark beeinflusst hat. Am 4. August 1970, genau um 12.30 Uhr nämlich griff ein Arzt im städtischen Krankenhaus in Diez an der Lahn zur Schere und durchtrennte die Nabelschnur, die mich mit meiner Mutter verband. Dem Gesetz nach war ich damit als „geboren“ anzusehen. Und der geneigte Leser mag mir daher die kleine Eitelkeit nachsehen, wenn ich an diesem Tag ein paar Artikel schreibe, die sich nur um eines drehen: MICH. Falls Ihnen das nicht gefällt… tja, das ist wie mit dem Fernsehen. Keiner muss sich das hier antun.

Mit meiner Geburt zu dieser Stunde an diesem Tag war mein Sternzeichen ein Löwe der zweiten Dekade. Löwen sagt man nach, sie ordnen sich nicht gern unter, sind freiheitsliebend und eigenständig. Und Löwen der zweiten Dekade würden mit unangenehmen Situationen besser fertig. Einen Aszendenten gibt es auch noch, der ist Skorpion. Idealismus sagt man ihm nach, eisernen Willen und ein großes Verlangen, neue Aspekte des Daseins zu ergründen und zu neuen Grenzen vorzustoßen. Im chinesischen Horoskop, das ja keinen monatlichen, sondern einen jährlichen Wechsel der Sternzeichen kennt, bin ich unter dem Sternzeichen Hund geboren, was meine manchmal zutage tretende innere Zerrissenheit erklären würde, denn mit Hunden kann ich im echten Leben nicht viel anfangen. Das Sternzeichen Hund jedoch verbindet man mit allerlei positiven Eigenschaften, Treue, Gutherzigkeit, Streben nach Gerechtigkeit – und immer viele Vorhaben, die den Geist beschäftigen.

Aber wer bin ich wirklich? Viele Menschen in meinem Leben haben viel Zeit und Energie dafür aufgewendet, mir heftigst zu versichern, was ich alles nicht bin, beziehungsweise wo ich überall nicht hingehöre, dabei aber versäumten zu begründen, was ich denn dann bin und wo ich hingehöre. Nun, am heutigen Tag ist es mir ein kleines Vergnügen (um nicht zu sagen, ein „innerer Reichsparteitag“ oder ein „innerer Vorbeimarsch“), jenen Damen und Herren ins Gesicht zu sagen: Ihr habt Euch geirrt! Eure Versuche, mich in eine Schublade zu stecken, sind gescheitert. So einfach bin ich nämlich nicht. Ihr habt es Euch nur einfach gemacht. Ich werde mich mal auf meine eigenen Spuren begeben, aber leider, so fürchte ich, wird dieser Artikel genauso verworren werden, wie manchmal meine Gedankengänge, darum bitte ich um Nachsicht – es ist keine Chronologie, nur eine Reflektion.

„Fear that no one will be willing
To see me as I know I really am.
Once they are counted and compelled,
They can quickly be dispelled.
Like figments of my own imagination.“
(Jerry Juhl: „Fears of Zero“, written for „The Muppet Show“)

Auf meinem Lebensweg bekam ich einiges wichtiges Werkzeug mit, das mir oft geholfen hat. So wurde zum Beispiel mein Denken nicht eingeschränkt, weder im Wissen, noch in der Kreativität. Ich lernte, dass es erlaubt ist, Fragen zu stellen, wenn man etwas nicht weiß und dass es gut ist, eine weitreichende Allgemeinbildung zu haben. Und wenn man etwas nicht weiß, ist das nicht unbedingt eine Schande (außer manchmal vielleicht 🙂 ), aber dann sollte man wenigstens wissen, wo man nachschauen kann. Tatsächlich besitze ich noch heute eine große, mehrbändige Ausgabe des „Großen Brockhaus“, die neben vielen anderen Büchern eine Zierde meiner persönlichen Bibliothek ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich gern schnell mal aus der Wikipedia informiere.

Bevor ich jedoch auf die Bücher eingehe, muss ich über die Comics sprechen. Mit denen kam ich schon sehr früh in Kontakt. Noch bevor ich lesen konnte, waren die Bildergeschichten für mich teilweise sogar zu verstehen, erst recht, nachdem man sie mir einmal „vorgelesen“ hatte. So lernte ich meine ersten Kindheitshelden kennen:

Asterix der Gallier - bei AMAZON.de
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Der erste Held in der Reihe ist ASTERIX. Natürlich hatte ich anfangs kein Auge für die vielen Anspielungen oder die bekannten Personen, die alle als Comicfiguren in den Geschichten auftauchten, aber die Geschichte um die gallischen Kelten, die um das Jahr 50 vor Christus gegen die Römer aufbegehren, hatten es mir angetan. Und offenbar hatte man damals noch mehr Humor als heute, denn niemand verstieg sich zu der schlagzeilenträchtigen Aussage, Goscinny und Uderzo, die „Väter“ von Asterix, würden mit ihrem Comic Geschichtsverfälschung betreiben (zumindest hätte ich das nicht mitbekommen). Heute wäre das vermutlich eher möglich, wenn ein selbsternannter Experte den Wunsch hegte, seine Nase in eine Fernsehkamera zu halten oder in den Zeitungen groß rauszukommen. Andererseits war Asterix da auch das genaue Gegenteil, denn um alle Anspielungen zu verstehen, musste man die „echte“ Geschichte einigermaßen kennen, etwa wenn Gaius Julius Cäsar seinen Ziehsohn Brutus ermahnt, er solle nicht ständig mit dem Messer herumspielen oder er ihn mit den Worten „Et tu, quoque fili Brute.“ dazu auffordert, in den Applaus der Massen einzustimmen (beides Anspielungen auf die Verschwörung, Cäsar zu ermorden).

Lucky Luke - bei AMAZON.de
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Ein weiterer Held war und ist LUCKY LUKE, auch wenn ich sonst kein sonderlicher Western-Fan bin. Seit ich lesen kann, frage ich mich, wie wohl die Melodie von „I’m a poor lonesome Cowboy“, das Lied, das Luke immer am Ende jeder Geschichte singt, geht. Ich habe es bis heute nicht herausgefunden. Und ich war entsetzt, als ich herausfand, dass die Franzosen seinen Namen „Lüki Lück“ aussprechen. Das klingt irgendwie wie der kleine Bruder von Ingolf Lück. Nicht dass das was schlechtes wäre, aber der Name ist Englisch. Sollte man ihn dann nicht auch so aussprechen? Offenbar brechen sich aber nur die Deutschen lieber die Zunge ab, um Eigennamen in den Sprachregeln des jeweiligen Herkunftslandes auszusprechen, als den Namen falsch auszusprechen.

Tim und Struppi: Flug 714 nach Sydney - bei AMAZON.de
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Natürlich nicht zu vergessen: TIM UND STRUPPI, denen ich in diesem Blog schon eine ganze Artikelreihe gewidmet habe. Der furchtlose Reporter weckte in mir den Wunsch, auch etwas in der Art zu machen. Ein bisschen „reingeschnuppert“ habe ich dann in den Bereich „Journalismus“ – aber nur, indem ich an der Schülerzeitung mitgearbeitet habe. Die Frage nach meinem Lieblingsband von Tims Abenteuern ist nicht ganz einfach zu beantworten, eigentlich sind es mehrere. Müsste ich mich aber definitiv für eins entscheiden, so wäre das „Flug 714 nach Sydney“ (auch wenn ich sonst eher die doppelbändigen Abenteuer vorziehe). Der Grund ist sehr persönlich: das Album bekam ich, als ich krank war und im Bett lag. Gleichzeitig verlor ich noch dazu einen Milchzahn. Ich habe die Geschichte immer und immer wieder gelesen, dadurch ist sie mir besonders gegenwärtig geblieben.

Durch diese Comichelden habe ich einen Teil des Ansporns erfahren, eigene Geschichten zu entwickeln. Ich möchte ihn als den positiven Teil der Inspiration bezeichnen, denn es gab auch einen negativen Teil. Der positive Teil motivierte mich, mir zu sagen: „Solche Geschichten möchte ich auch schreiben.“ Der negative Teil brachte mich zu den Gedanken: „So gefällt mir das nicht – ich möchte andere Geschichten!“ Darüber habe ich schon mal vor vier Jahren einen kleinen Artikel geschrieben, es geht um das Disneyversum, dessen Eindrücke bei mir nicht immer positiv waren. Diese Eindrücke können Sie hier nachlesen.

YPS Nr. 201 / (c) by Gruner & Jahr
YPS Nr. 201 / (c) by Gruner & Jahr

Ich habe nachgerechnet und es war Sommer 1979, als ich in den Ferien Bekanntschaft mit einer Zeitschrift machen durfte, die mich danach einige Jahre begleitete: YPS. Es war die Ausgabe Nr. 201, ich hatte damit das Jubiläum um eine Woche verpasst, aber das machte nichts. Das Konzept dieser Zeitschrift traf genau meinen Nerv, neben Comics auch von meinen Kindheitshelden gab es das wöchentliche „Gimmick“, eine Beilage, mit der man sich in den meisten Fällen genau auseinandersetzen musste. Oft wurde dem Leser damit irgendetwas Nahe gebracht, das mit Naturwissenschaften zu tun hatte oder sein Augenmerk auf etwas gerichtet, zum Beispiel wenn ein Zaubertrick erklärt wurde. Ich – und Millionen andere – fand das sehr spannend. Irgendwann habe ich zwar aufgehört, die Zeitschrift zu lesen, würde es aber immer noch spannend finden. Leider scheint sich das Konzept mittlerweile überlebt zu haben, YPS wurde vor ein paar Jahren eingestellt. Ein Neustart unter der Regie von Ehapa (die eigentlich die Disney-Produkte und Asterix herausbringen) brachte auch nicht den gewünschten Erfolg. Auch über YPS und seinen Einfluss auf mich habe ich vor vier Jahren schon einmal einen Artikel geschrieben, der etwas ausführlicher ist als dieser Absatz. Sie finden ihn an dieser Stelle. Die Eindrücke von YPS wirken noch nach, in den Blogs des Projekts sind sie unter anderem an den Tagen zu merken, an denen bestimmte Artikel erscheinen – sie sind an den Wochentagen orientiert, an denen das neue Heft erschien (auch wenn diese hin und wieder mal wechselten).

Damit zurück zu meiner Bibliothek. Als ich klein war, konnte ich es kaum erwarten, endlich lesen und schreiben lernen zu können. Lesen wollte ich unbedingt selber können, um mich mit den vielen Büchern, die es so gab, beschäftigen zu können. Und schreiben, damit ich meiner Kreativität freien Lauf lassen konnte. Zwar zeichnete ich schon sehr viel vor der Schule (Bildergeschichten ohne Text), aber ich wollte mir Geschichten ausdenken und sie aufschreiben, damit andere sie lesen können. Das Zeichnen habe ich noch lange Zeit weiter verfolgt, aber so wirklich ein Talent von mir war es nicht. Aber Geschichten schreiben, das ging dann schon besser. Man sagt, wer schreibt, der muss auch viel lesen, und das beherzigte ich, ohne diesen Spruch zu kennen. Schon immer war es sehr durchmischt, was ich las, von Jugendbüchern (wie etwa „Die drei ???“) bis zu Wissensbüchern. Und natürlich dem ersten Jugendlexikon, das ich geschenkt bekam. Schließlich bekam ich sogar eine eigene Schreibmaschine, nachdem ich die meiner Großeltern ständig belagerte. Und so entstanden die ersten Geschichten – in leserlicher Form. Das kam mir noch zu gute, denn schließlich arbeitete ich an der Schülerzeitung meiner Schule mit.

Inspiration für eigene Geschichten fand ich in meiner unmittelbaren Umgebung. Geboren bin ich zwar in Diez, aber im Alter von zwei Jahren kam ich an den Bodensee, genauer gesagt, nach Überlingen. Und das hat sich bei mir festgesetzt, das ist meine Heimat. Eine Stadt, nicht zu groß, mit viel grün und dem Bodensee. An unzähligen Nachmittagen bei vielen Streifzügen in die Umgebung entstanden die Grundlagen und ersten Versionen von Geschichten, die sehr viel später in ganz anderer Form zu Papier gebracht werden sollten, sei es als Science Fiction oder als Science Fantasy.

Wenn ich doch nur gewusst hätte, was sich aus so manchen Dingen einmal entwickeln würde… In den Sommern beispielsweise war ich Dauergast im „Strandbad West“ oder „Westbad“ in Überlingen. Fasziniert vom Element Wasser brachte ich mir selbst mit Hilfe einer anderen Jugendzeitschrift das Schnorcheln bei und stellte mir vor, wie das wohl ist, mit „richtigem“ Gerät zu tauchen. Die Faszination verließ mich nie, aber wie ich sagte, ich konnte damals weder ahnen, dass ich irgendwann die Chance bekommen würde, das Gerätetauchen wirklich auszuprobieren, noch absehen, was sich daraus entwickeln würde.

„To dream the impossible Dream…
To reach the unreachable Star…
This my Quest!
I follow that Star!
No matter how hopeless.
No matter how far.“
(Joe Darion: „The Impossible Dream“ from the Musical „The Man of LaMancha“)

So sehr ich in meinem Leben etwas machen wollte, bei dem ich meine Kreativität ausspielen konnte, so wusste ich doch, dass ich (zumindest vorerst) auch etwas tun musste, von dem ich leben kann. Verschiedene Interessen entwickelte ich neben dem Schreiben. Da wir in meiner Kindheit nahe am Krankenhaus wohnten und immer mitbekamen, wenn dort der Rettungshubschrauber landete, flammte in mir für eine gewisse Zeit der Wunsch auf, zum Rettungsdienst zu gehen. Aber wie das so ist in der Kindheit, Berufswünsche kommen und gehen, und so geriet der bald in den Hintergrund. Aber Computer programmieren, das konnte ich richtig gut. Das war etwas, wo ich meine Kreativität ausspielen konnte. Und obwohl ich nie das besondere Genie in Mathematik war, stellte sich so langsam heraus, dass mir auch das Kaufmännische lag, so wie die Physik und Sprachen. Letzteres kam mir besonders zugute, als ich anfing, Freundschaften rund um den Globus zu schließen über eine Jugendorganisation aus Finnland. Ein paar der Freundschaften von damals bestehen heute immer noch, und diese Menschen sind quasi zusammen mit mir durch die verschiedensten Phasen des Lebens gegangen, und ich mit ihnen.

Das nächste war, wie schon gesagt, die Berufswahl. Ich versucht, im Computersektor Fuß zu fassen, was mir nicht ganz gelang. Computer, das bedeutete schon wieder Mathematik. Beim Programmieren hatte ich bis dahin meine latente Matheschwäche durch meine Kreativität ausgleichen können, doch im Berufsleben reichte das nicht mehr. Meine Kreativität verlangte ab und zu eine Pause zu machen. Das konnte ich im Büro nicht, genauso wenig wie ich auf Knopfdruck kreativ sein konnte. Datenverarbeitungskaufmann hatte ich werden wollen, den Ausbildungsplatz hatte ich erst auf den zweiten Anlauf bekommen. Dann musste ich erkennen, dass es ein Irrweg war, zumindest auf diese Weise. Aber was sollte ich stattdessen tun. Ich hatte eine Idee, die eine Art „kreative Pause“ im Berufsleben bedeuten würde: Ich musste den Zivildienst noch machen. Da ich über eine Freundin Kontakt zum Roten Kreuz bekommen hatte, wollte ich mir das mal ansehen. Naturwissenschaften, darunter auch die Medizin, hatte ich ja auch schon immer spannend gefunden, vielleicht würde ich hier fündig werden.

Allein mein damaliger Chef war nicht begeistert. Er hielt mir eine Standpauke, ich hätte eine „Identitätskrise“ und solle mir das nochmal überlegen. Mit seiner Rede hatte er das genau Gegenteil von dem erreicht, was er erreichen wollte. Wenn überhaupt, dann hätte ich jemanden gebraucht, der mich und meine Bedenken ernst nimmt. Mein Chef hingegen hatte mich wie einen dummen Schuljungen behandelt, der keine Ahnung hat. Und ich hasse es, wenn ich nicht ernst genommen werde. Ich war zwar erst 20, aber ich hatte mir sehr wohl sehr genaue Gedanken gemacht. Die Ignoranz, mit der dies weg gewischt wurde, machte mir meine Kündigung umso einfacher. Es war sowieso paradox, erst wollte man mich nicht einstellen – und dann wollte man mich nicht gehen lassen? Obwohl ich oben von „Irrweg“ sprach, so stellte sich im Nachhinein heraus, dass es kein Fehler gewesen war, diesen Weg einzuschlagen. Zwar mag dieser Beruf nichts für mich gewesen sein, aber dadurch lernte ich Programmieren und den Umgang mit Computern und ihrer Software. Heute kommt mir das zugute, gerade bei der Gestaltung der Webseiten von meinen Projekten.

„Maskenball! Kunterbunter Mummenschanz!
Maskenball! Niemand ist der, für den ihn alle halten!“
(Andrew Lloyd Webber: „Maskenball (Masquerade)“ aus dem Musical „Das Phantom der Oper“)

Ich ging also in den Zivildienst, den ich beim Rettungsdienst ableistete. Ein Beruf, der nicht einfach ist, vor allem nicht in diesen Zeiten, aber es war etwas, das mich schon immer fasziniert hat. Ein glückliches Geschick verhalf mir dann dazu, die Ausbildung in dem erst relativ kurz zuvor neu geschaffenen Berufsbild „Rettungsassistent“ machen zu können. Meine Karriere verlief recht wechselhaft, auch wenn ich auf diese Weise einige wertvolle Erfahrungen sammeln konnte, hätte manches nicht sein müssen. Manches Mal war es einfach nur ein Kampf.

Aber auf der anderen Seite habe ich durch diesem Beruf die Bekanntschaft von Menschen machen dürfen, die mir mittlerweile sehr teuer geworden sind.  Und auch einige von ihnen begleiten mich mittlerweile eine lange Zeit.

Meine andere Leidenschaft, das Schreiben, habe ich dabei immer weiter betrieben. Im August 1985 formulierte ich den ersten Satz von etwas, das mich seither nicht mehr so wirklich loslassen würde, auch wenn ich es mehrfach änderte und neu schrieb. Ich hatte dabei eine große Idee im Kopf, von der ich lange Zeit nicht wusste, wie ich sie umsetzen sollte. Doch meine Leidenschaft für „Star Trek“, die wieder entflammt war, nachdem ich ausgerechnet den so gescholtenen Film „Star Trek 5 – Am Rande des Universums“ gesehen hatte, sollte mir hier helfen. Natürlich kaufte ich mir den einen oder anderen Fanartikel. Dabei war ein Kochbuch, das mich neugierig gemacht hatte, „Rezepte durch Raum und Zeit“. Herausgegeben worden war das Buch von einem Fanclub, der einer internationalen Fan-Organisation angehörte. Diese Organisation hatte Niederlassungen in vielen Ländern über die ganze Erde verteilt. Das Konzept gefiel mir, denn die Clubs aus den verschiedenen Orten hatten sich sozialen Projekten verschrieben, kamen zu überregionalen Treffs und brachten teilweise auch Fan-Fiction heraus. In dem Kochbuch fand sich ein Formular, dass man sich bei der Organsation anmelden konnte. Ich tat das – und siehe da, der deutsche Club war bei mir in relativer Nähe, in Tübingen. Sie nannten – und nennen – sich USS EUROPE. Ich fand neue Freunde, sehr viel Kreativität – und lernte meine erste Freundin kennen.

Dann ging ich auf eine Star-Trek-Convention und kam dort in Kontakt mit einer Live-Rollenspiel-Gruppe aus München. Wieder etwas, das ich spannend fand, den Rollenspiele kannte ich schon vorher – allerdings in Bücherform, und dass man sie an einem Tisch spielte. Live-Rollenspiel bedeutete, sich eine Rolle wirklich zu eigen zu machen und die Figur, die man darstellte, entsprechend auszurüsten. Es war eine sehr spannende Zeit. Beim Rollenspiel, also wenn man spontan „jemand anders“ darstellen muss, erfährt man sehr viel über sich selbst. Und nach der Science Fiction war ich auch bei ein paar Fantasy-Spielen. Und nein, das sind keine Verrückten, nur sehr kreative Menschen, die ab und zu mal eine „Auszeit vom ‚Ich'“ nehmen, was sehr entspannend sein kann.

Die Impulse, die ich in der Zeit erfuhr, gaben meinen eigenen Ideen und dem eigenen Projekt, das ich weiter aufzubauen versuchte, neuen Auftrieb. Das Projekt hatte ich schon 1987 begonnen mit ein paar Freunden zusammen, wir wollten einen Film machen und fingen auch mit Dreharbeiten an – damals noch auf Super 8. Doch die Zeit war leider denkbar schlecht, denn Ende der 1980er Jahre war für uns die Zeit des Schulendes, Schulwechsels, des Beginns von Ausbildung und Studium. Mein damaliger Freundeskreis brach auseinander und der Film wurde nicht fertig gestellt. Das Filmen als Hobby blieb mir aber erhalten. Mit der EUROPE gab es schließlich einen neuen Film, bei der Rollenspielgruppe wirkte ich sogar in insgesamt sechs mit. Doch nach zehn Jahren trennten sich meine Wege von der Gruppe, was einen persönlichen Hintergrund hatte. Nichtsdestotrotz, es war eine tolle Zeit und ich habe auch hier wieder viele neue, interessante Menschen kennenlernen dürfen.

Durch meine Arbeit für die Gruppe konnte ich meinen Schreibstil weiter ausbauen. Carsten, der an diesem Blog ebenfalls mitschreibt, und den ich dort kennenlernen durfte, empfahl mir das eine oder ander Buch dazu, was mir sehr geholfen hat. Nachdem er ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt hatte, wurde ich zeitenweise zum „Rust-Ausflugs-Beauftragten“ ernannt. Das hatte damit etwas zu tun, dass ich seit Anfang der 1990er Jahre ein regelmäßiger Besucher des Europa-Parks in Rust bin. Der Park fasziniert mich immer wieder und meine Begeisterung sorgte sogar dafür, dass 2005 der Grundstein für die „ErlebnisPostille“ gelegt wurde. Es ist einer der Orte, von dem ich mich immer wieder gern inspirieren lasse, und wenn Sie meine Geschichten aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich dort die eine oder andere Anspielung versteckt habe. Oder zum Beispiel, dass in den Blogs vom „Phantastischen Projekt“ die „getimten“ Artikel immer um 9.00 Uhr früh erscheinen, hängt auch mit dem Europa-Park zusammen: um 9.00 Uhr öffnet er in der Hauptsaison seine Pforten. Ja, es ist schon besonderes Verhältnis zum Europa-Park.  Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Ort erzählt werden.

“Was für merkwürdige Dinge erlebt man doch auf Reisen, und wie viel gescheiter wäre es, man bliebe daheim!”
Voltaire

August 1979
August 1979

In der „ErlebnisPostille“ geht es aber nicht ausschließlich nur um den Europa-Park, sondern um das Erleben und Reisen an sich. Gereist bin ich auch schon immer gern, egal, ob es sich um Tagesausflüge oder einen Urlaub handelt. Ich fand es interessant, neue Orte und Kulturen kennenzulernen, auch wenn ich den „absoluten“ Lieblingsort (vom Europa-Park mal abgesehen) bisher noch nicht gefunden habe. Allein in der Bodensee-Region gibt es sehr viel zu sehen. Wegen meiner Begeisterung bekam ich zum 9. Geburtstag den ersten Fotoapparat, eine so genannte „Pocket Kamera“ geschenkt. Ein für heutige Verhältnisse einfaches Gerät, aber es genügte mir. Von da an war die Kamera mein ständiger Reisebegleiter, auch wenn sie irgendwann den Geist aufgab (was Kameras der einfachen Machart von Zeit zu Zeit zu tun pflegen, vor allem, wenn sie ständig in irgendwelchen Taschen mitgenommen wurden) und dann ein Nachfolger hermusste. Meine (jeweils aktuelle) Kamera begleitete mich quer durch die Republik, vom Bodensee bis an die Nordsee, nach Österreich, in die Schweiz, Frankreich… und so weiter. Reisen kann ebenfalls sehr inspirierend sein, auch der Vorgang des „Reisens an sich“, also des Fortbewegen von einem Ort zum andern. Ich bin eigentlich immer ganz gern mit dem Zug gefahren, aber heute komme ich kaum noch dazu. Wenn man mal davon absieht, dass ich zurzeit in einer Stadt wohne, die man mit Gewalt vom Eisenbahn-Netz abgetrennt hat und mit „Zugfahren“ hier nicht mehr sehr viel los ist.

Einen weiteren spannenden Ort durfte ich Mitte der 1990er Jahre entdecken, diesmal allerdings in den Niederlanden. Ich hatte von der Ferienparkkette „Center Parcs“ erfahren, deren Name daher kommt, dass es sich um Bungalowparks handelt, die rund um ein Zentrum angeordnet sind. In dem Zentrum hat jeder Park sein eigenes Schwimmbad, zu dem man während des gesamten Aufenthalts kostenlosen Zutritt hat. Für jemanden wie mich ideal – und für meine damalige Freundin ebenso, also statteten wir dem Park „Het Heijderbos“ nahe der Niederländisch-Deutschen Grenze einen Besuch ab. Auch das war ein Besuch, der einiges nach sich zog und schließlich zu einer weiteren Webseite des „Phantastischen Projekts“ führte. Aber auch das ist eine ganz andere Geschichte und soll an einem anderen Ort erzählt werden.

Dann hatte das neue Jahrtausend begonnen. Die Computer sind wider alle Panikmache nicht am 01.01.2000 abgestürzt, um die Welt in ein Chaos zu stürzen, nein, es ging munter weiter. 2000 wurde ich 30, und offenbar hatte das Schicksal / das Leben / wer auch immer beschlossen, mir das vor Augen zu führen. Als ich am morgen meines 30. Geburtstag aufwachte, war alles noch normal. Dann richtete ich mich auf – mein Rücken knackste. Au! Ich ließ die Beine aus dem Bett hängen – meine Hüfte knackste. Au! Dann stand ich auf – mein Knie knackste. Au! Drei „Knackser“, bis ich aufgestanden war, einer für jedes Jahrzehnt. Ich fing kurz nach der Jahrtausendwende mit dem Schreiben des ersten Blogs an (Sie lesen gerade darin) und brachte meine ersten beiden Bücher heraus, mit denen ich versuchte, das Konzept, das ich schon seit Jahren im Kopf entworfen hatte, teilweise zu verwirklichen. Sie waren nach den Filmen der Rollenspielgruppe geschrieben und ich versucht, eine übergreifende Rahmenhandlung einzubauen. Leider hatte sich das alles erledigt, als ich mich von der Gruppe trennte. Aber das eigene Konzept, das nahm schließlich Formen an, und so erschien der erste Science-Fantasy-Roman, der die Grundlagen für dieses neue Universum bilden sollte. In der zweiten Auflage schließlich hatte er die Form, die mir gefiel und in der er bleiben konnte. Diese Roman-Reihe sollte hin zu den Science-Fiction-Geschichten führen, die ich zuvor schon geschrieben hatte.

„Sapere aude!“ – Horaz

Last but not least wollte ich das alles irgendwie zusammenbringen, denn wie man sieht, hängt auch alles irgendwie zusammen. So eine Art „Dach“ über das ganze, damit sich die Leser einen Überblick verschaffen können. Doch zwischen 2006 und 2008 verlief mein Leben ein wenig turbulent, ganz besonders 2007. Dafür begannen 2008 einige Entwicklungen, die sich später positiv Auswirken sollten. Ich fand endlich das „Dach“, nach dem ich gesucht hatte, die Webseite vom „Phantastischen Projekt„. Angefangen hatte es mit einer einfachen Seite bei AOL (der „Basis Atlantis“), dann enstanden nacheinander „Star Command“ und „Astrocohors„, dann die ganzen anderen Seiten. Und 2008 die Übersicht.

Außerdem führte eine Reise Ende des Jahres nach Ägypten, El Gouna, um genau zu sein. Auf eine ziemlich spontane Idee meiner Reisebegleiterin hin machten wir einen „kleinen Tauchschein“ an der Tauchbasis unseres Hotels. Und auch das zog ganz schön was nach sich, das wir damals noch gar nicht so überblicken konnten. Mit dem Tauchschein hatte ich mir einen Wunsch erfüllt, den ich im Grunde schon lange hatte. Aber auch das ist eine andere Geschichte, und soll an einem anderen Ort erzählt werden.

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Das neue Hobby brachte ganz neue Freundschaften mit sich, die ich heute auch nicht mehr missen möchte. Es brachte unheimlich Bewegung in mein Leben. Wiederum neue Inspiration.

Und heute werde ich 40.

Jetzt, da ich zurückblicke, kann ich tatsächlich sagen, dass ich alles das gebrauchen kann, was ich mal gelernt habe, das Programmieren, das Fotografieren, das Filmen, Schreiben, Kreativ sein, die Notfallmedizin… Neue Herausforderungen warten auf mich, und ich bin schon ganz gespannt. Zurückblickend würde ich sagen, dass es nicht immer einfach war, aber irgendwie möchte ich es auch nicht anders haben. Ich weiß nicht, ob eine persönliche „alternative Zeitlinie“ so viel besser wäre als das, was ich jetzt habe.

Außerdem sagt Facebook, dass ich mindestens 4 Menschen gefalle. Das ist doch auch schon mal was. 🙂

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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