Die Hochzeit des Jahrzehnts des Jahrhunderts des Jahrtausends: Clinton

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Wer mich kennt, weiß, dass ich Monarchie gegenüber sehr skeptisch eingestellt bin. Ich sehe nun mal nicht ein, warum ein Mensch automatisch ein Staats- oder Landesoberhaupt (oder einer ähnlichen Position) sein soll, nur weil er zufällig in diese oder jene Familie reingeboren wurde. Die Tatsache, dass die mittlerweile verstorbene Königinmutter von England am gleichen Tag Geburtstag hatte wie ich, war eigentlich das einzige, das mich mit der Monarchie verband. Ansonsten sehe ich das Gewese, dass um die Nachfahren der einstmals mächtigen Aristokraten ausgerechnet in Demokratien gemacht wird, sehr sehr skeptisch.

Amerika hat’s da besser. Die haben sich rechtzeitig vom König von England losgesagt und hatten nie eine Monarchie. Oh, Moment. Das heißt aber nicht, dass sie deswegen nichts „Monarchieähnliches“ hätten. Die Hochzeit von Chelsea Clinton beweist das. Deren Hochzeit scheint in den USA deswegen etwas Wichtiges zu sein, weil die Hauptleistung von Chelsea Clinton darin zu bestehen scheint, Tochter ihres Vaters William „Bill“ Clinton zu sein – dem ehemaligen Präsidenten der USA. Die Nachrichtensendungen in den USA drehten deswegen durch, ähnlich wie bei uns in Europa, wenn mal wieder irgendein (Möchtegern-)Aristokrat mit dem mittlerweile fünften Partner den „Bund fürs Leben“ eingeht. John Steward von der „Daily Show“ gibt einen sehr guten Überblick:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Wedding of the Decade of the Century of the Millennium
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

In dem Film „Die nackte Kanone“ sagt die Hauptfigur Frank Drebbin über den bevorstehenden Besuch der Königin von England: „Wie albern und verblödet uns der Gedanke, eine Königin zu haben, auch vorkommen mag, als Amerikaner müssen wir gute Gastgeber sein.“ Nein, eine Königin haben sie nicht. Aber sowas ähnliches. Sozusagen eine Surrogat-Monarchie.

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

3 Kommentare

  1. Danke für diesen schönen Beitrag. Ich stimme Dir da vollkommen zu. Mir geht es ähnlich mit dem Gewese um die Esoterik bzw. das Heidentum. Die laufen genau wie die Monarchisten etwas längst Vergangenem hinterher und halten sich für Auserwählte. Und warum? Vielleicht, weil es ihnen etwas bedeutet, weil sie daran glauben, weil sie dadurch eine Verbindung zu Gleichgesinnten haben. Ja, es mag für Aussenstehende albern, sinnlos und rückständig sein. Aber es gehört doch auch irgendwie zur menschlichen Natur. Tief in unserem Innern wollen wir an etwas glauben. Seien es alte Götter, medizinische Wunder, der Glanz der Monarchie oder zu glauben, dass wir an nichts glauben.

    So gesehen bekommt das Ganze doch auch wieder etwas Schönes. Nicht weil sich einige Leute feiern lassen. Nein, weil Leute Spaß daran haben, andere zu feiern. Im Vergleich zu früher gibt es keinen Zwang mehr es zu tun. Nagut, es sind da durchaus noch gewisse assoziale Randgruppen (Sumpf mit bräunlicher Färbung sage ich da nur), wo die Verehrung eines gewissen Obermackers schon fast sektenartige Pflicht ist aber die versinken zum Glück zunehmend in der Bedeutungslosigkeit.

    Aber das Einzige, was ich dagegen richtig peinlich finde, sind einstige Stars, die nicht wahrhaben wollen, dass ihre Zeit vorbei ist. Wie Vampire nach Blut, so hungern diese armseligen Gestalten nach Bewunderung. Verzweifelt jagen sie Bewunderer ihrer einstigen Kunst und schwärmen (oder prahlen) wie Veteranen, von längst vergangenen Schlachten. Es werden Comebacks/Revivals veranstaltet, Skandale inszeniert, drittklassige Shows besucht und neue Fassaden vor die Ruinen gezimmert. Doch alte Hunde lernen keine neuen Tricks. So wird alter Wein in neue Schläuche gefüllt und ein neues Etikett darauf geklebt. Ein bisschen frischer Wein kommt dazu aber ja nicht zuviel, denn die Leistungen des großen Meisters sind ja unfehlbar und dürfen nicht durch die neuen Ideen verwässert werden. Aber selbst das – wenn man es genau betrachtet – ist mehr traurig als peinlich. Irgendwie können einem diese Leute auch leid tun. Keine Erfolge mehr im Leben, nur noch Verbitterung und eine tiefe innere Einsamkeit, weil sie wissen, dass ihre „Freunde“ sie nur mögen, weil sie Mitleid haben, nicht die Person sondern ihre Werke schätzen oder weil sie hoffen, von dem einstigen Ruhm etwas abzubekommen. Nein, so ein Leben möchte ich nicht führen. Da bin ich wirklich froh, dass ich gesund und glücklich verheiratet bin, klotzig Kohle verdiene, Spaß am Leben habe und daneben noch genug Muse bleibt, um Kommentare wie diesen hier zu verfassen.

    Darum einen Toast auf das Leben, egal was, wie, wen oder mit wem wir feiern,
    Frank

  2. Mit einem Tag Verspätung: Herzlichen Glückwunsch!

    Viele Mitglieder in einer Gesellschaft, mag sie in einem republikanischen oder einem monarchischen Staatswesen eingebettet sein, sehnen sich nach Glamour. In einer Monarchie ist die Königsfamilie ein Ankerpunkt – anderswo sind es Stars und Sternchen.

    Aber der monarchische Gedanke ist nicht nur Show, sondern ein hochpolitischer, denn jede/r Monarch/in ist an einer Position, die Politiker daran erinnert: Diesen Posten kann ich nicht kaufen. Kein Gemauschel à la Merkel/Westerwelle/Seehofer bringt ein allgemein anerkanntes Staatsoberhaupt hervor. Sie bleiben immer Parteikreaturen. God save the Queen!

  3. „Meine Loyalität gilt der Republik! Der Demokratie!“
    Obi-Wan Kenobi zu Anakin Skywalker in „Star Wars Episode 3: Die Rache der Sith“

    Danke für die Geburtstagswünsche. Ich habe unter anderem deswegen ein Problem mit so genannten „Adligen“ (den Adelsstand gibt es in Deutschland ja offiziell nicht mehr), weil sich einige von denen so affektiert aufführen, als wären sie was besseres. Es gibt in Deutschland – einer Republik! – immer noch Mitglieder des Adels, die darauf bestehen, mit „königliche Hoheit“ oder ähnlichem Popanz angeredet zu werden. Tut mir leid, „königliche Hoheit“ is nich.

    Es gibt durchaus Adlige, vor denen ich auch Respekt habe. Ich durfte mal eine junge Dame aus einem Adelshaus kennenlernen, der ihr „von“ (und der Doppelname) eher peinlich war. Sie war hochintelligent und völlig auf dem Boden geblieben, obwohl ihre Familie wirklich wohlhabend ist. Sie lief auch nicht in Designerklamotten rum oder sowas. Und wenn sie von ihrem Leben erzählte, dann konnte das, ohne dem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, man werde für „minderwertig“ gehalten. Ich habe Respekt vor jemandem, der sich dem Leben stellt.

    Wenn jedoch jemand auftritt, der gleich klarmacht, „ich bin der Graf von und zu“ und andere sind ja „nur“ Bürgerliche, da kommt mir die Galle hoch.

    Das andere, was ich an diesem Video bemerkenswert finde, ist wie sich Journalisten zum Affen machen. Im Grunde genommen konnten die ganzen Reporter ja über NICHTS berichten, weil sie von der Hochzeit direkt ausgeschlossen waren. „Oh, da kommt ein Lastwagen, vielleicht liefert der was! Oh, da kommt noch ein Auto, vielleicht sitzt da jemand drin.“ Da soll sich nochmal jemand beschweren, auf Twitter oder Facebook gäbe es nur belanglosen Müll.

    In diesem Sinne:
    Alle Macht dem Volk! Lang lebe die Republik! In Varietate Concordia!

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