„112…“ zum Vierten: Sie rettet nun keiner

Werbung

"112..." - die Luft ist rausDass ich – gelinde gesagt – nicht besonders begeistert von der RTL-Serie „112 – Sie retten Dein Leben“ war, habe ich bereits zum Ausdruck, und zwar in diesen drei Artikeln: „Tatü – Tata: ‚112…‘ – wer rettet wen und warum?„, „‚112 – Sie retten Dein Leben‘ – Eine genauere Kritik“ und „‚112 – Sie retten Dein Leben‘ – und zum Dritten„. Die Kollegen von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, die sich in den Kommentaren zu Wort gemeldet haben, waren auch nicht sehr angetan. Fiktion, schön und gut, aber „112…“ war wirklich allerunterste Schublade. Aber das habe ich schon in den anderen Artikeln geschrieben.

Aufmerksame Leser werden im obigen Absatz etwas gemerkt haben – ich schreibe in der Vergangenheitsform. Ja, „112…“ war unterste Schublade – denn wie im Blog vom Wortvogel vermeldet wird, wird die Serie eingestellt. Eine besondere Ironie will es so, dass es ausgerechnet zur Folge 110 (die voraussichtlich am 2. Februar 2009 laufen wird) sein wird.

Aus diesem besonderen Anlass habe ich die Kommentare in den anderen Artikeln geschlossen. Weitere Kommentare über „112…“, die Absetzung und anderes können nun hier abgegeben werden.

Meine persönliche Meinung auf den Punkt gebracht: Es wurde Zeit, dass sich was ändert. Das wird nun wohl auch geschehen.

UPDATE: Auch im Blog vom Fernsehlexikon macht sich Michael Reufsteck seine Gedanken über die Absetzung von „112..“ und Fernsehnachmittage im Allgemeinen. Und er macht einen netten Alternativvorschlag, wie man die entstandene Lücke füllen könnte… 🙂

Werbung
Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

25 Kommentare

  1. FW Arzt hat recht… wenn ich vom Polizeidienst komme, habe ich kein interesse, im TV mich über so eine Serie zu ärgern. Ich kümmere mich lieber um meine Familie. Und wenn der Berufsfremde dieses halt sehen mag, dann lasst Ihn doch… Strafbar oder einem Dritten fügt dieser keinen Schaden zu, wenn er vom TV Sender unterhalten wird!!!

  2. is woll am besten wenn 112 abgesetzt wird den es verbreitet doch ganz schönen mist aber trodzdem schade

  3. Hallo an alle,
    ich bin nicht vom Fach,um das sofort klarzustellen.Ich habe auch überhaupt keine Ahnung von einem richtigen Einsatz,weil ich hoffe,dass ich niemals in eine solche Lage wie die in der Serie Betroffenen komme.Außschließen kann man das ja sowieso nie.
    ich finde es grundsätzlich gut,wenn jemand der Ahnung in diesem Gebiet hat, versucht,den Zuschauern nahezulegen,was falsch läuft in so einer Soap.
    Aber ich denke auch das ein Großteil der Zuschauer überhaupt nicht den Sinn begreifen will,sondern Unterhaltung.Ich finde es (ehrlich zugegeben),auch nicht gerade langweilig.Aber deswegen so auszuticken wie 112-Fan ist wohl nicht die richtige Reaktion.
    Jeder Mensch hat seine Meinung.Ich lese gerne die Artikel hier,weil man erfährt,was wirklich abläuft,andererseits wäre eine Soap wie „112…“ in diesem realistischen Stil wohl nicht so angesagt beim TV-Publikum.
    Ich finde es schade das die Serie abgesetzt wird,da man bei soetwas ja oft von einer „leichten sucht“ reden kann-zumindest bei manchen.Es war sehr unterhaltsam,ohne die Serie wäre ich auch nie auf diese seite gestoßen,man sollte immer das positive sehen.
    **Stern*

    Übrigens:Als unwissender Zuschauer ahnt man gar nicht was da alles Falsches vor sich geht!Deswegen ist solche offene Kritik wie die von Thorsten sehr interessant und lehrreich!

  4. Hallo,
    also ich finde die Serie auch sehr unrealistisch, ähnlich wie „Alarm für Cobra11“, dennoch habe und werde ich jede Folge vonn „112…“ sehen, da ich sie sehr, sagen wir mal, amüsant finde, wie das Einsatzgeschehen dargestellt ist. Desweiteren denke ich, dass die Absetzung von „112…“ der richtige Weg für eine hoffentlich besserwerdende einsatzbereitschaft der Zivilbevölkerung führt, da es einfach mal gar nicht „toll“ ist, wenn man sieht welche Fehler diese Leute machen. Ich wäre sowieso dafür, dass jeder Bundesbürger jedes Jahr einen Erste-Hilfe-Kurs belegen muss!!! Joa, das wars eig von mir zu diesem Thema, wenn ich der Produktionsfirma nen Tipp geben dürfte wäre es dieser: Bitte lasst jede Folge von einem erfahrenem Notarzt o.ä. anschauen und verbessert eure kleinen aber gravierenden Fehler!!

    mfg

    Jan

  5. hallo

    ich hab mir die serie jetzt auch mal angesehen.
    mit der kritik hab ihr ja schon recht
    wenns die fahrzeuge ausrücken die garnicht geordert wurden losfahren ist das ja schon merkwürdig

    oder die leitstelle die mit „rita…“ angefunkt wird
    ich bin selber bei der feuerwehr weshalb ich die serie trozdem nicht schlecht finde
    ok der job eines feuerwehrmanns bzw. wache wird nicht deutlich
    man darf eben nicht alles durch die feuerwehrbrille sehen , dann ist die serie vom unterhaltungsfaktor meiner meinung nach ganz ok : )

  6. hallo zusammen!
    ich bin heute durch zufall ma auf diese und die vorangegangenen kritiken gestoßen! Erstma will ich mich als neuankömmling vorstellen… bin 22-jähriger feuerwehrmann (auf freiwilliger basis) aus NRW bzw HES.
    desweiteren will ich thorsten fuer seine genialen kritiken loben. besser haette man es nicht ausdrücken koennen.
    zur serie… ja, was will ich noch großartig dazu sagen… fachlich gesehen bleibt einem nichts anderes übrig als mit dem kopf zu schütteln. wenn ich nur einen a-trupp sehe der ohne PA in einem gebäude verschwindet, stellen sich mir die nackenhaare zu berge… ma ganz abgesehen von den ausrückenden fahrzeugen etc.
    soo.. das zum einsatzgeschehen… die andere seite der serie sind ja anscheinend die beziehungskisten etc (ich kenne mich da leider nicht so genau aus ;))… schoen und gut… darf die serie ja auch haben… aba fuer alle fans die auf sowas stehen koennte man als alternative „gzsz“ anbieten… da gibts auch beziehungskisten und man kommt ohne jegliche falschdarstellungen von den BOS aus…

    achja @thorsten:
    lass doch bitte den 112-fan weiter reden… der typ hat so ein hohen unterhaltungswert… 😀
    vllt sollte rtl ma ne sendung mit ihm machen… ich wuerde sie schauen xD

    also das wars erstma von mir… wuensche allen kameradinnen un kameraden einen ruhigen dienst 😉

    gruß aus nrw DerHesse 😉

  7. heut morgen hab ich mal wieder 112 geschaut und ich traute meinen ohren nicht. Die situation:
    Vorstellung des neuen Notarztes Dr. Tom Wagner.

    Dann kam es zu einem Dialog und der Zivi Kevin Vogel sagte in etwa: „Ok, dann zieh ich mir wieder ein wenig lachgas rein.“

    HALLO, DAS SIND DROGEN!!!!
    Und das in ner Soap über ne Rettungsdienststelle.
    Das zeigt wieder das das total unrealistisch ist!!

    mfg

    Jan

  8. Also ich habe ja nichts gegen Unterhaltungssendungen
    (112 unterhält Laien mit Action und Leute mit Fachkenntnissen mit Fehlern),
    aber trotzdem sehe ich einen wesentlichen Gefährdungspunkt:

    Was machen die Zivilpersonen die einen Unfall melden, bzw vor den Einsatzkräften eintreffen? Sie stehen blöd rum!
    Ich weiß dass dies wirklich ein Problem ist, aber sollte eine solche Sendung nicht als Vorbild dienen?

    Oder noch viel gravierender als die fachlichen Fehler sind die Erste-Hilfe Fehler. Wenn die Öffentlichkeit glaubt, dass man bei einem Kammerflimmern eine Salzlösung gibt ist das nicht schlimm.

    Wenn sie aber glaubt, dass man im Notfall am besten gar nichts machen sollte und wenn schon, dann doch bitte entweder beatmen oder ein wenig auf dem Brustkorb rumdrücken (15 MAL!!!) dann ist das schon wesentlich gefährlicher.

    Meiner Meinung nach muss man da durch andere Dokus oder sonstige Filme gegensteuern!!!

  9. Erstmal muss ich erwähnen, dass ich erst 14 bin und auch nicht in irgendeiner Form bei der freiwilligen Feuerwehr oder dem DRK oder anderen Rettungsdiensten mitwirke, aber nichts von dem Mist in der Serie glaube.
    Ich finde die nicht existierende Realität der Serie einfach nur grausam und gerade Szenen wie in Folge 1 sind verblüffend komisch:

    1) Das Auto macht einen sechsfachen Überschlag, der Junge ist nicht angeschnallt hat aber trotzdem nur ein paar Schrammen.
    2) Die Mutter ist schon 10 min nach ihrer Rettung wieder bei Bewusstsein und fragt sofort nach ihrem Sohn.

    Das waren die 2 Sachen die mir an der ersten Folge extrem sauer aufgestossen sind. Die einzige Ärztesendung im Fernsehen, die meiner Meinung nach Sinn ergibt und auch wirklich realistisch ist, ist Dr. House. Die Fälle dort sind zwar sehr speziel werden aber von Dr. House perfekt und realitätsnah gelöst. Folge 13 (Böllerfiasko) war die einzige Folge an deren Inhalt ich etwas Realität, in Bezug auf den „Notfall“, feststellen konnte, denn zündelnde Jugendliche gibt es immer wieder. Aber die schlechte Kontrolle der Räume von Seiten Kadirs war einfach nur unrealistisch.
    LG 112(serien)-Hasserin

  10. Mir ist gerade noch ein dritter, komischer Punkt aufgefallen:

    3) Der Junge landet im Kindersitz draußen, aber anstatt vom Polizisten im Kindersitz hochgetragen zu werden, weil das Kind eventuel eine Wirbelverletzung haben könnte und dann (wenn ich richtig informiert bin) nicht bewegt werden sollte, wird es wie ein kleines Äffchen vom Polizisten hochgetragen.

    Das ist mir jedenfalls auch noch aufgefallen, falls ich mich geirrt habe (was das mit dem Nichtbewegen bei einer Wirbelverletzung angeht) tut es mir sehr leid.

  11. Bin gerade über Wikipedia auf diese Seite hier gestossen und muss sagen: Die Branche der Rettungskräfte scheint sich wirklich sehr stark mit ihrem Berufsstand zu identifizieren. Dies finde ich gut. Nur: sich so stark an dem Umstand festzubeißen, dass eine Fiction-Serie nicht der Realität entspricht wirkt auf mich irgendwie fanatisch.

    Nun, stelle ich mir die Frage: Woher rührt dieser Fanatismus? Eine der Ursachen ist sicherlich die geringe Beachtung, die Otto Normalverbraucher all den tapferen Leuten schenkt, die jeden Tag für die Rettung von Menschenleben Kopf und Kragen riskieren. Ein weiterer Punkt ist mit Sicherheit die ungerechtfertigt schlechte Bezahlung von Rettungskräften. Kurzum: Rettungskräfte erhalten im Alltag nicht die Anerkennung, die ihnen eigentlich zusteht.

    Als ehemaliges Mitglied des Entwicklungsteams von „112 – Sie retten dein Leben“ kann ich jedoch eins sagen: Während unserer Arbeit an den Geschichten und unserer Recherchen haben wir immer mehr Respekt vor den Rettungskräften gewonnen. Und wir hatten auch Fachberater: Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Ärzte… Wir haben diese Leute sehr schätzen gelernt.

    Wir sind im Laufe unserer Arbeit echte Fans der Rettungskräfte geworden. Auch, wenn wir selbst im Rettungkreisen nicht wirklich Fans gewinnen konnten.

    Unsere Fans waren eher Leute, die sich sonst über das Thema „Rettung“ nicht so viele Gedanken gemacht haben. Jetzt gibt es einige, die wir zumindest für den Beruf begeistern konnten. Wir haben viel Fanpost von jungen Leuten bekommen. Und in anderen, postiver gestimmten Foren kann man sehen, dass diese wirklich traurig über die Absetzung der Serie sind. Weil ihre Idole Rettungskräfte geworden sind.

    Schaut hier: http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=12482&seite=10

    Gern hätten wir noch weitere 110 Folgen gemacht, in denen wir den medizinischen Aspekt der Serie weiterhin Stück für Stück verbessert hätten. Es war kein zynischer Medienmacher-Pragmatismus, wegen dem wir die Fachfehler gemacht haben. Es war nur eine verdammt große, komplexe Aufgabe jeden Tag 22 Minuten mit hohem Action- und Außendrehanteil für ein Millionenpublikum bei einem kleinen Daily-Budget aufzubereiten.

    Ich wünsche allen Rettungskräften noch viele erfüllte Arbeitstage.

  12. Ja, es gibt da etwas Merkwürdiges. Nehmen wir mal eine Daily-Soap, die in irgendeiner „hippen“ Werbeagentur spielt. Vermutlich käme kein Zuschauer auf die Idee, aufgrund so einer Serie einem Werbefachmann, der in einer echten Agentur arbeitet, seine Arbeit zu erklären. Beim Rettungsdienst ist das aus unerfindlichen Gründen anders. Unheimlich viele Menschen, die mehr als eine Folge [hier Arzt- oder Rettungsdienstserie ihrer Wahl einsetzen] gesehen haben, halten sich für Mediziner, die meinen, den Profis ihre Arbeit erklären zu müssen. Dass Leute, die diesen Menschen auch noch Munition liefern, in dem Feld nicht sonderlich geachtet sind, dürfte doch wohl logisch sein.

    Und betreffend: „…hätten wir noch weitere 110 Folgen gemacht, in denen wir den medizinischen Aspekt der Serie weiterhin Stück für Stück verbessert hätten.“ Es tut mir leid, aber ich halte diesen Ansatz für grundfalsch. Wenn, dann hätte man von Anfang an „richtig“ arbeiten müssen. Was glaubt Ihr, was das für einen durchschlagenden Erfolg gegeben hätte, wenn die Stimmen von den Profis durchweg positiv gewesen wären? Ich hätte auch viel lieber sowas geschrieben wie „he, das ist mal eine empfehlenswerte Serie!“

    Ich wiederhole mich, aber was noch dazu kommt, ist die Tatsache, dass in der Serie die Hintergrundgeschichten absolut nichts „Rettungsspezifisches“ hatten (Dreiecksverhältnis, intrigante Vorgesetzte etc.). Insofern hob die Serie nicht einmal das von allen anderen doofen Daily Soaps ab, in denen man im Grunde genommen immer nur das Gleiche sieht. Das Verhalten der Figuren war unangemessen infantil, nur um irgendwelche Geschichten zu strecken. „112…“ hatte hier kein Alleinstellungsmerkmal, es war nur eine doofe Daily Soap unter anderen doofen Daily Soaps.

    Was den „Fanatismus“ betrifft: Im medizinischen Bereich zu arbeiten fordert in den meisten Fällen eine Menge Idealismus. Wer eine Ausbildung hinter sich gebracht hat, ist zurecht stolz auf seinen Beruf und seine Arbeit. Wenn das in anderen Berufszweigen nicht so ist: Tut mir leid, aber das ist Euer Problem. Kollegen in unseren Bereichen arbeiten weit über das Maß an Stunden, das andere erbringen (Beispiel eines Bekannten von mir aus dieser Woche: einschließlich Fortbildungszeiten 78 Stunden!). Und ja, die Bezahlung nicht angemessen.
    Eine Serie wie diese wirkt, das haben die Reaktionen der Profis gezeigt, einfach nur wie Hohn und Spott und respektlos vor deren Arbeit. Ganz ehrlich, wäre ich einer der medizinischen Berater gewesen und hätte dann die Serie gesehen, ich würde das niemandem erzählen. Das wäre für mich nur eins: HOCHNOTPEINLICH!
    Wozu eigentlich ein Berater, wenn man im Endresultat kaum was davon merkt?

    Auch das habe ich schon geschrieben: Es gäbe genug Geschichten um und aus dem „Rettungsmillieu“, die die Leute spannend finden und auch ansehen würden. Auch in einem „Daily-Soap-Format“. Offenbar hat man aber lieber auf 08/15-Zeug zurückgegriffen. Warum? Angst vor der eigenen Courage? He, wir machen was total neues – aber nur nicht zu viel. Es reicht ja schon, dass es in der Notfallrettung spielt. Den Rest schustern wir aus Altbekanntem zusammen.

    Ich höre lieber auf, denn eigentlich wiederhole ich mich nur. Alles, was ich dazu zu sagen hatte, habe ich schon geschrieben. Ich werde allerdings meine Artikel-Reihe „112 – SO retten sie in Wirklichkeit“ fortsetzen, so als Kontrast. Denn wie heißt es so schön?
    „DAS ist der Wahrheit!“

  13. Lieber Thorsten,

    danke für deine Antwort. Eigentlich bin ich niemand, der viel in Foren diskutiert – aber ich möchte doch noch einmal Bezug nehmen.

    Du hast geschrieben, dass „112“ doch wieder nur eine doofe Daily Soap unter anderen doofen Daily Soaps ist bzw. war. Da muss ich dir jedoch widersprechen. „112“ war die erste Serie, die international verkauft wurde, bevor sie in Deutschland gesendet wurde. Es war eine tägliche Action-Serie mit einem riesengroßen produktionstechnischen Aufwand. Es gab in jeder Folge einen äußerst hohen Außendreh-Anteil – und Stunts a la Cobra 11. So etwas gab es weltweit noch nie – und wird es vermutlich so schnell auch nicht wieder geben.

    Die soapigen Private Lines, die dir nicht so gut gefallen haben, waren jedoch – trotz aller Stunts & Außendrehs – immer das, was die Zuschauer am meisten interessiert hat. Die Zuschauerinnen (es sind um die Uhrzeit vornehmlich Frauen) wollen Liebesgeschichten, süße Darsteller und Kussszenen. Dies haben Zuschauerforschungen ergeben. Der medizinische Aspekt ist für die meisten Zuschauer zweitranging gewesen. An so etwas kann man nicht vorbei plotten. Darf man auch nicht, wenn man als Autor für diesen Programmplatz arbeitet. Dann wird man nämlich vom Sender ausgestauscht. 😉

    Leider lief „112“ jedoch auf einem äußerst schwierigen Programmplatz. RTL hat um 17:00 Uhr schon jede Menge ausprobiert. Doch die Vormachtstelltung von „Niedrig & Kuhnt“ konnte bislang von keinem Format gebrochen werden. Und ich bin mir heute noch 100%ig sicher, dass „112“ in jeder gesendeten Sekunde dramturgisch besser und fachlich realitätsnaher war als „Niedrig & Kuhnt“. Aber die Gewohnheit der Nachmittagszuschauer war leider stärker als der Umschalt-Impuls. Zwar lief „112“ lief weitaus besser als die Vorgänger-Formate (deswegen wird es jetzt auch noch einmal wiederholt), aber es kam leider nur viel zu selten an den hohen RTL-Senderschnitt heran.

    Übrigens: Die Rettungsfälle von „112“ waren allesamt von der Realität abgeschaut. Wir haben wochenlang wie verrückt Zeitungen gewälzt – und die unter Entertainment-Gesichtspunkten interessantesten Fälle in die Serie integriert. Die Art und Weise der Rettung mussten wir jedoch leider immer an die knappe Sendezeit anpassen. Aber da haben wir nicht anders gearbeitet als das Team von Dr. House – oder das von „CSI“. Sprich mal mit einem Pathologen, wie langwierig die pathologischen Untersuchungen normalerweise sind – du wirst erstaunt sein… 🙂

    Oder denk mal über „Piraten der Karibik“ nach. Ein Seemann würde wahrscheinlich auch sagen: so kann man kein Schiff segeln. Oder ein Historiker würde schreiben, dass Piraten ganz anders waren… Trotzdem war es ein super Movie.

    Wie gesagt: It´s only Entertainment. Dafür gemacht, um für ein paar Minuten am Tag aus dem Alltag auszusteigen und sich ne schöne Zeit zu machen. „112“ war für viele Leute so eine schöne Zeit. Wären es jeden Tag 200.000 mehr gewesen, gäbe es die Serie noch heute. Aber die haben halt lieber „Niedrig & Kuhnt“ geschaut. 😉

  14. Also, „CSI“ habe ich absichtlich außen vor gelassen, damit man mir nicht vorwerfen kann, dass ich Äpfel mit Birnen vergleiche. Wie lange eine Obduktion geht, weiß ich aus eigener Erfahrung, da ich dem bereits beigewohnt habe, und ich weiß, dass selbst bei CSI nicht alles „super-realistisch“ ist. Aber bei CSI kann man davon ausgehen, dass ein möglichst genaues Bild der Realität im Rahmen einer Fernsehserie wiedergegeben wurde.
    Im Bezug auf „112…“ muss ich vor Kollegen nur den Spruch „Kammerflimmern! Ich brauch die Salzlösung!“ bringen, und das Gelächter ist groß. Vergleichbare Schnitzer passieren bei CSI nicht (außer bei der deutschen Übersetzung, wo schon mal Bezeichnungen verwechselt werden).
    Und zum Thema „Äpfel und Birnen“: „Piraten der Karibik“ ist Fantasy. Es gibt auch keinen dunklen Herrscher Sauron, der einen Meisterring geschmiedet hat, kein galaktisches Imperium und keine Zylonen. Meine Erfahrung ist es jedoch, dass Menschen merkwürdigerweise bereit sind, eine Serie für bare Münze zu nehmen, je näher sie der Realität scheint. Bei der Fantasy und der Science Fiction springt einem ins Auge, dass das nicht real ist. Aber bei anderen…
    Ich habe gelesen, dass Fernsehsender Beileidskarten kriegen, wenn in einer Serie ein Charakter stirbt. Ich glaube, wir haben da ein ziemlich dickes gesellschaftliches Problem. Aus dem Alltag aussteigen schön und gut, aber meinem Eindruck nach gibt es zu viele Menschen, die den Rückweg nicht mehr finden.

    Zitat: „Der medizinische Aspekt ist für die meisten Zuschauer zweitranging gewesen.“ Welchen Sinn hat dann eine Serie, die in genau diesem Metier spielt? Oder um es mit den Worten von „Wortvogel“ Torsten Dewi, der selbst Erfahrung mit Daily Soaps hat, zu sagen: „Aber auch inhaltlich und formell macht “112″ so ziemlich alles falsch, und das mit erschütternder Konsequenz. Soaps und Telenovelas sind Frauenformate, das beweist JEDE Marktforschung. Männer haben in der Regel kein Interesse an solchen Programmen. Im Hause actionconcept sieht man das augenscheinlich anders, und versucht mit einer kruden Mischung aus “Alarm für Cobra 11″ und “GZSZ” möglichst alle Zielgruppen gleichzeitig anzusprechen. So landet man zwischen sämtlichen Stühlen: Die Frauen fühlen sich von der Action belästigt, die Männer wollen den Herzschmerz-Kram nicht sehen.“ (Der ganze Bericht von ihm ist oben im Beitrag verlinkt.)

    Was die Rettungsfälle selbst betrifft: Wie ich auch schon geschrieben habe, hat mich an denen stets dieses „Mehrfachnotfallgetue“ gestört. Ein Verkehrsunfall ist dramatisch genug, aber das reicht ja nicht. Ein Herzinfarkt eines im Fahrstuhl stecken gebliebenen Menschen ist dramatisch genug, aber das reicht ja nicht. Nein es muss immer noch was dazu kommen, beim Fahrstuhl der Motorbrand und das reißende Kabel, beim Motorradunfall das Organ, das unter einem anderen Fahrzeug eingeklemmt wurde. Man hätte sich da lieber auf eine Situation konzentrieren sollen, statt den Notfall zu „überfluten“, da die Zeit für eine Folge ja ohnehin knapp bemessen war.

    Da kommt noch etwas dazu, aber das ist das Thema eines Beitrags, der bei mir so langsam im Kopf entsteht, nämlich über das Geschichtenerzählen selbst (auch zum Thema „aus dem Alltag aussteigen und den Rückweg nicht mehr finden“). Dem möchte ich nicht vorgreifen, den Artikel gibt es demnächst hier.

  15. „Piraten der Karibik“ & „112“ zu vergleichen ist gar nicht sooo abwegig. Klar: PdK ist eine Hollywood-Produktion mit Star-Besetzung im Fantasy-Genre – 112 ne deutsche Daily und vom Genre „Drama“ und „Thriller“. Trotzdem: beides ist Fiction. „112“ war noch nie als Reality angelegt. Genau wie CSI noch nie als Reality angelegt war. Oder Dr. House. Was auch immer.

    Zu dem Thorsten Dewi-Gerede: Ich mache jetzt schon länger Fernsehen. Bin es gewohnt, dass nicht jeder meiner Meinung ist. Bei einem Millionenpublikum gibt es immer Freunde & „Feinde“. Ist ganz normal. Ich halte dem entgegen, dass „112“ viele Fans hat. Mehr Fans als Kritiker. Mehr Zuschauer als es hierzulande Rettungskräfte gibt. Nahezu Jeden Tag über eine Millionen. Es war das erfolgreichste Format auf dem 17:00 Programmplatz seit langem.

    In der Branche haben alle „112“ sehr gespannt beobachtet. Weil es mal ein neuer Versuch war. Und weil es verdammt viel Value geboten hat fürs Geld. Produktionstechnisch war es eine Meisterleistung.

    Ich hab mich aber nicht hier zu Wort gemeldet, um einzelne „Schlaumeier“ wie Dewi zu kommentieren. Ich wollte mich eher an die Rettungskräfte wenden.

    Glaube, du solltest auch einmal versuchen, ein ganzheitlicheres Bild vom TV-Geschäft zu bekommen. TV ist wie Zirkus. Es geht um Unterhaltung. Nehmen wir zum Beispiel deine Anmerkung zu dem, dass immer noch was passiert: Dies ist Dramaturgie. Der Tiefpunkt am Ende des zweiten Akts. Würde an dieser Stelle nichts passieren, ginge die Spannung verloren. So funktioniert Unterhaltung.

    Als TV-Kritiker (wenn auch nicht als professioneller) solltest du versuchen einen 360 Grad-Einblick ins Geschäft zu bekommen. Sonst lesen sich deine Kritiken für einen Profi genauso seltsam wie für dich der „Salzlösugs-Incident“. Meine ich nicht böse. Nur als Ratschlag. Ich lade dich gern dazu ein, dir alles einmal aus der Nähe anzuschauen.

    Bei den medizinischen Sachen gestehen wir gern Fehler ein. Doch der Rest hat funktioniert: „112“ ist bei RTL gut angekommen, war erfolgreicher als die anderen Formate auf dem 17:00 Uhr-Programmplatz. Kurzum: Die anvisierten Ziele wurden zu 2/3 erreicht. Das letzte Dritte wäre ein Endlos-Auftrag gewesen. Dazu hat es leider nicht gerreicht. Aber dies lag nicht an den medizinischen Fehlern, sondern an den schwierigen Rahmenbedingungen des Programmplatzes.

  16. Wie lustig doch, ich sehe die Serie zum ersten mal, komme selbst aus dem Rettungsdienst und muß sagen, sowas grottenschlechtes ist mir noch nicht unter gekommen. Echt lustig, zu sehen, dass die „Düsseldorfer“ Feuerwehr zu einem Einsatz nach Mettmann ausrückt (kann sich Mettmann keine leisten???). Und seit wann stehen in der „Düsseldorfer“ Wache Feuerwehrfahrzeuge aus Wuppertal ? Diese sieht man nämlich beim Ausrücken, auf denen eindeutig „Feuerwehr Wuppertal“ steht. A propos Ausrücken : Die Wache, an der Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr gleichzeitig unter gebracht sind, muß mir erst mal gezeigt werden. Mal vom Realismus, was die Rettung betrifft, ganz zu schweigen. Da wird ohne Schutzanzüge in Hallen gegeangen, wo gerade Säure ausgelaufen ist, um nur ein Beispiel zu nennen. Echt ein Witz, der nur zur Unterhaltung eines reinen Laiens dient.
    Mein Urteil : GROTTENSCHLECHT !! Note 6.

  17. Ich komme hier her, lese den ersten Beitrag, vergleiche das ganze mit meiner TV Zeitschrift und komme ins grübeln. Die Serie wurde also nicht ganz abgesetzt, sondern sie haben nur aufgehört zu drehen.
    Selber gesehen habe ich die Serie noch nicht ganz. Immer nur mal beim durchzappen ein paar Szenen, deshalb kann ich selber nicht beurteilen, wie realistisch das ganze ist.
    Weshalb ich überhaupt schreibe? Ich finde die Diskussion interessant, die hier stattfindet. Vor allen Dingen welche Kritikpunkte es gibt und wie sie verteidigt werden. (@dirkolix: Falsche Kennzeichen find ich persönlich nicht so schlimm, die würde ich als „übersehbarer Filmfehler“ verbuchen, da solche Details den meisten Zuschauern sowieso nicht auffallen)
    @Mit-Leser: Ich denke das Problem ist, dass die Leute diese Soap für Reality HALTEN. Das passiert bei Filmen, wo dick „Fantasy“ drüber steht eher selten.

  18. Servus……
    bei der serie hätt ich mich fast selber defibrilliert…… das, was wir das gesehen haben tut einfach nur weh……. der größte Müll!!!!!!!

    Wie kann ein Fernsehsender wie RTL (Was für eine Frage eigentlich???) so einen geistigen Dünnschiss verzapfen und so die Allgemeinheit verarschen? Das muss doch schon Strafbar sein…..

    Stattdessen könnte man ja einfach mal so eine Doku wie kabel 1 über die Ordnugsämter, Polizei, etc. machen….. Bringt das ganze eindeutig besser und realitätsnaher rüber……

    Also, in der hoffnung, das so ein Bullshit nie wieder gesendet wird……

    Ein BF`ler 😉

  19. Hallo,

    ich hab mir deine Artikel mal durchgelesn und auch ich muss sagen: HUT AB. Sehr gut geschrieben und LEIDER wahr.

    Ich selber schaue schon lange keine „Rettungsserien mehr“ da dort echt nurnoch müll läuft und ich meine Zeit besser zu nutzen weiß.

    Ich find es nur traurig das es echt leute gibt die sich meinen bei solchen Diskusionen wie die Axt im Walde mit Ihren Sinnbefreiten kommentaren verhalten müssen…

    Und an die Jüngere Generation die meint das es ja so abgeht bei den Hilfsorganisationen Fast jede Stadt/Landkreis etc. hat Jugendgruppen im Tettungsdienst und bei den Freiwilligen Feuerwehren sucht euch eine und dann bekommt ihr einen KLEINEN einblick wie es dort so zugeht.

    Lg Jens

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. “112 – Sie retten Dein Leben” – und ich hatte doch Recht, ätsch! | STAR COMMAND Communiqué
  2. Skandal am Badesee? Skandal bei der Berichterstattung! | STAR COMMAND Communiqué

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*