10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 9)

Wie ich zu Beginn meiner kleinen Reihe schon bemerkte, sind meine Eindrücke rein subjektiv. Am häufigsten musste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, ich würde Neil Gaiman mit seiner „Sandman“-Reihe Unrecht tun, wenn ich sie nicht als Comics, die man gelesen haben sollte, anpreise. Ich kann das leider nicht tun. Gründe dafür habe ich bereits genannt. Jedoch gibt es ein anderes Comic, basierend auf einer Geschichte von Neil Gaiman, das ich von ganzem Herzen unterstützen kann.

9. Coraline

– Vorbemerkungen: Neil Gaiman ist bekannt für seine (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastischen Romane für Erwachsene. Hier wendet er sich dem Kinder- bzw. Jugendbuch zu und schuf eine kontroverse Variation des Alice im Wunderland-Themas. Was ich mit kontrovers meine? Einfach mal ein wenig googeln, die Rezensionen bei Amazon.de lesen oder in einschlägigen Foren nachlesen, dann dürfte schnell klar werden, was ich meine. Man kann Gaiman jedoch nicht eine gewisse Faszination absprechen, die sich nicht so richtig greifen lässt. Auch die von P. Craig Russell illustrierte Comic-Version verliert nichts von diesem Zauber.

– Handlung: Coraline zieht um. In dem neuen Haus wohnen außer Coraline und ihren Eltern noch einige merkwürdige Gestalten: zwei schrullige alte Theaterschauspielerinnen und ein Mann, der ein Mäuseorchester aufbauen will. Doch diese Mitbewohner sind nichts gegen das, was sich hinter der geheimnisvollen verschlossenenTür in Coralines Wohnung verbirgt. Dort entdeckt Coraline eine andere Welt — die fast genauso aussieht wie ihre eigene. Zunächst gefällt es Coraline dort auch ganz gut. Ihre „andere Mutter“ kocht viel besser als ihr Vater und kümmert sich aufmerksam um sie. Doch Coraline merkt schnell, dass sich hinter ihrer Freundlichkeit etwas Grässliches verbirgt. Diese Frau ist eine Kinderfängerin, und sie hat es auf Coraline abgesehen!

– Kritik: Es geht doch! Gaimans intelligenter Erzählstil gepaart mit schnörkellosen leicht entsättigt wirkenden Bildern, die nicht den Leser erblinden lassen. Der sparsame Einsatz von Farbverläufen und der fast konservative Zeichenstil geben dem Comic etwas Nostalgisches. Die Geschichte fesselt einen und lockt immer tiefer in ihre lockenden Arme. Dabei verfällt man schnell Gaimans verrückten Ideen und dem etwas spröden Genremix und verzeiht dem Buch nur zu gerne einige Schwächen. Schwächen? Ja, gibt es. Das Buch bedient sich einer sehr einfachen Sprache und die Handlung ist schnell erzählt. Das deutet auf ein Buch für Kinder hin. Doch dafür ist die Geschichte wiederum zu gruselig, und das Buch liefert eher Fragen als Antworten. Wenn es also zu schwer für Kinder und zu leicht für Erwachsene ist, für wen ist dieses Buch dann geschrieben? Volljährige Menschen, die nie ganz erwachsen geworden sind? Kann sein. All diese Punkte können jedenfalls nichts an der Tatsache ändern, dass die Geschichte für mehrere Stunden zu fesseln weiß. Es ist nicht für jeden. Aber man sollte auf jeden Fall mal reinschnuppern. Und vielleicht bleiben. Nur noch eine Weile…

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