James Bond 007: Ein Quantum Trost

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Am Ende der letzten Episode („Casino Royale„) der James-Bond-Reihe haben wir gesehen, wie Bond aufgrund eines Hinweises auf dem Handy seiner toten Freundin Vesper Lynd den Aufenthaltshort eines gewissen Mister White ausfindig machte und diesem ins Bein schoss. Und nun die Fortsetzung…

James Bond rast mit dem verletzten Mister White im Kofferraum am Comer See entlang in Richtung Siena, immer verfolgt von Leuten der geheimnisvollen Organisation, die in „Casino Royale“ hinter dem dubiosen LeChiffre standen. Bond gelingt es, diese abzuhängen und White dem MI6 auszuliefern. Doch bevor White etwas sagen kann, entpuppt sich einer der MI6-Agenten als Verräter und befreit ihn. Bond kann den Verräter nach einer wilden Jagd zur Strecke bringen. Die Hinweise führen Bond nach Port au Prince auf Haiti, wo er Dominic Greene trifft, der versucht, mit Umweltprojekten groß herauszukommen. Doch letzteres ist nur Tarnung, in Wahrheit versucht Greene, einen Putsch in Bolivien zu unterstützen. Sein Preis: Ein Gebiet in der Wüste, in dem scheinbar nichts ist. Bond folgt Greene nach Bregenz am Bodensee, wo er ein Treffen von dessen Organisation QUANTUM verfolgt und feststellen muss, dass die Fronten aufgeweicht sind: der amerikanische CIA will Greene mit seinen Ambitionen in Bolivien gewähren lassen. James Bond ist auf sich gestellt…

  • Mehr als nur ein Quäntchen: Ein QUANTUM Trost…

Der sowohl in Englisch als auch in Deutsch gewöhnungsbedürftige Titel stammt von einer James-Bond-Kurzgeschichte von dessen Erfinder Ian Fleming aus dem Jahr 1959. Bond ist auf Einsatz, aber zwischendurch gezwungen, gesellschaftlichen Pflichten nachzugehen. In dem Fall bedeutet das, bei der Party eines britischen Gouverneurs anwesend zu sein. Bond langweilt sich nach den Regeln der Kunst, bis eine unbedachte Bemerkung seinerseits darüber, dass er – wenn überhaupt – am ehesten eine Stewardess heiraten würde, den Gouverneur dazu veranlasst, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der eine Stewardess geheiratet hat. Die Ehe lief nicht sehr gut, aber sie bestätigt den Gouverneur in seiner Theorie des „Minimums an Trost“ – unterschreitet ein Mensch durch äußere Einflüsse dieses Minimum, nimmt er auch auf Menschen, die ihm eigentlich mal etwas bedeutet haben, keine Rücksicht mehr. Als Bond die Party verlässt, ist er nachdenklich geworden, da ihm diese zutiefst menschliche Geschichte vor Augen geführt hat, wie abstrakt das Leben, das er führt, eigentlich ist. Beinahe macht es den Eindruck, als wollte Ian Fleming mit der Geschichte als jene trösten, die gerne wie James Bond wären, aber viel zu „normale“ Leben führen. Denn auch wenn der Agent beinahe alles kann, er kann doch nicht so „normal“ sein wie sie.

Im Film ist von der Kurzgeschichte außer dem Titel nichts mehr übrig, was ich schade finde, da zumindest ein Anklang meiner Ansicht nach sehr gut in die Handlung gepasst hätte. Nun wird dem Publikum leider nicht erklärt, was es mit dem „Quantum Trost“ auf sich hat, außer dass die geheimnisvolle Organisation, gegen die Bond kämpft, QUANTUM heißt.

Der Film macht konsequent weiter mit der Linie, die in „Casino Royale“ begonnen wurde. Soll heißen: Nichts ist mehr so, wie es mal war. Bond ist endgültig im 21. Jahrhundert angekommen, in dem ein Land in ein anderes Land einmarschiert, das tausende Kilometer von der eigenen Grenze weg liegt, von dessen Diktator man sich aber bedroht fühlte und man dringend die Demokratie einführen wollte, aber bei Problemen quasi vor der eigenen Haustür die Augen verschließt, wenn es den eigenen obskuren Zwecken dient. Nicht einmal die Engländer kommen gut weg, denn die reihen sich schließlich mit ein in die Länder, die Dominic Greenes Unterstützung beim Putsch in Bolivien zulassen wollen. Qs technische Spielereien fehlen ebenso wie Miss Moneypenny, und wiederum beginnt der Film nicht mit der „gun barrel sequence“. Diese sehen wir erst am Ende, vor dem Abspann. Und Daniel Craig als Bond scheint zwar unsterblich, aber nicht unverwüstlich zu sein: Während beispielsweise bei Roger Moore der Anzug immer korrekt saß, egal was er durchmachte, ist der neue Bond dreckig, blutbefleckt und verletzt sich. Alles das ist aber nichts Negatives, im Gegenteil, es sind diese Details, die die Geschichte im Boden verankern, so dass andere Teile nicht zu abgehoben wirken – denn natürlich muss der Held Dinge überleben, die vermutlich kein Normalsterblicher überlebt hätte. Es geht sogar so weit, dass bei der Hatz, als Bond den MI6-Verräter durch die Menschenmassen von Siena jagt, Unbeteiligte angeschossen werden.

Schon in der Eingangssequenz fragte ich mich, ob die frappante Ähnlichkeit Zufall war, doch dann stellte ich fest – offenbar nicht. Denn in den Film wurden ein paar kleine Reminiszenzen an die „klassische“ Bond-Serie eingebaut. In der Eingangssequenz stürzt ein Auto der Quantum-Leute an einer Baustelle von der Straße herunter in einen Abhang (wie bei „Dr. No“, nur dass das Auto diesmal – ganz realistisch – nicht explodiert), in Bregenz stellt Bond einen Quantum-Agenten am Rand eines Flachdachs, der sich an Bonds Krawatte festhält, um nicht abzustürzen (wie in „Der Spion, der mich liebte“, der Agent stürzt genauso ab – allerdings ohne eine Information preiszugeben), eine Gefährtin Bonds wird ganz mit Erdöl bedeckt und erstickt auf seinem Bett drapiert (wie in „Goldfinger“, nur da war’s Gold) und M entzieht Bond offiziell seine Lizenz und fordert ihn auf, seine Waffen abzugeben (wie in „Lizenz zum Töten“, auch in „Ein Quantum Trost“ schlägt Bond seine Wächter kurz darauf nieder und flüchtet).

Mit diesem Film ist bewiesen, dass die Leichtigkeit von früher endgültig über Bord geworfen wurde. Die Grenzen zwischen „gut“ und „böse“ sind nicht mehr so eindeutig, ganz nach dem Motto „böse ist, wer böses tut“. Es ist ein anderer Bond, ein Bond unserer Zeit, und er gefällt mir. Nach dem, was ich von Fleming gelesen habe, wage ich die Behauptung, dass dieser 007 dem Autor sicher auch gefallen hätte. Was ist aber nun mit der Geschichte – ist sie fertig oder nicht? Dazu kann ich nur sagen: Ja. Und nein. Das mit „Casino Royale“ begonnene Kapitel wurde abgeschlossen und Bond macht in den zwei Stunden, die der Film dauert, eine wichtige Entwicklung durch. Trotzdem ist QUANTUM aber nicht besiegt. In meiner Rezension zu „Casino Royale“ schrieb ich von der Meldung, dass die ersten drei Filme zusammen eine Trilogie bilden sollen als Einstieg für die neue Serie. Nachdem ich „Ein Quantum Trost“ gesehen habe, habe ich eher den Eindruck, dass es ein wenig wie ein TV-Format behandelt wurde: die Pilotepisode ist eine Doppelfolge, in der natürlich nicht alles geklärt wird, aber dazu gibt es dann ja die späteren Folgen der Serie. Anders als bei „Batman Beginns“ und „Dark Knight“ wurde auf die Stilmittel der klassischen Trilogie gänzlich verzichtet, nach der die zweite Episode der Niedergang ist, aus dem die Hauptfigur im dritten Kapitel als Held wieder aufsteigen darf.

Die zwei Stunden vergingen wie im Flug, der Film hat keine Längen und bietet die Grundelemente, die eine Bond-Geschichte haben muss: einen starken Gegner, exotische Schauplätze und… Bond-Gespielinnen. Ganz besonders hat mir der Einsatz der Zwischentitel gefallen, die dem Zuschauer erklären, an welchem Ort man sich gerade befindet, die Titel wurden nämlich individuell für jeden Ort in der Schriftart gestaltet. Und der Film macht Lust auf mehr. Wir dürfen also gespannt sein, wie das Duell zwischen QUANTUM und 007 weitergeht, und wie das nächste Kapitel heißt. Von Fleming gibt es nämlich nur noch zwei Titel, „Risico“ und „007 in New York“.

James Bond wird zurückkehren!

Update: Auch der Wortvogel äußert sich hier zu Bonds zweitem Abenteuer, und zwar positiv.

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

3 Kommentare

  1. Okay, Quantum gesehen, aber meiner Meinung nach waren sie diesmal nicht ganz bei Trost *freiweillig nen Euro in die Wortspielkasse werf*

    Ach so, Spoiler ahoi!

    Ich fand den Film über weite Teile eher dämlich. Es gab immer wieder Momente, wo ich dachte: „Ja, warum nicht gleich so?“ Zum Beispiel Bonds Abgang, wenn M ihn persönlich stellt und die Waffen abnimmt, inkl. eleganter Detour über das Geländer. Oder wenn Bond die Quantum-Köpfe fotografiert, nachdem er sie per Funk brüskiert hat. Geht doch! Aber sonst…

    Da wäre die Action. Okay, ich bin nun wirklich ein erklärter Feind des Bourne-Stils, ich will wenigstens einen Hauch von Überblick haben. In vielen Szenen war mir nicht ganz klar, was eigentlich genau passiert ist. In Kämpfen wusste ich oft nicht, wer wem die Fresse poliert hat. Realistischer? Bestimmt. Filmgenuss? Nope. Außerdem lieferte der Film eine Szene ab, bei der zu Recht gelacht wurde: Bond flieht im (überraschend schnellen) Fischerboot, Schergen ballern mit Maschinengewehren aus allen Rohren. Umschnitt, und man sieht, dass sie keine 30 Zentimeter entfernt sind. Die schlechtesten Schützen des Universums!

    Dann: Dass Bond nie so richtig subtil war, ist mir ja klar. Und die Ansage mit „Blunt Instrument“ war auch offensichtlich für die neuen Filme. Aber: Gegen den ist Jack Bauer ja geradezu ein Schöngeist und deduktives Genie. Bond haut JEDEM aufs Maul, stellt nie ordentliche Fragen und liefert keinen, aber auch wirklich keinen Zeugen ab. Mr. White – aber auch nur knapp. Dessen Mörder? Peng! Die Tusse? Gibt er dem Bauarbeiter. Den Bodyguard? Wirft er vom Dach. Den Oberbösewicht? Hat er ja kurz im Auto befragt, dann weiß er ja sicher alles. Oh Mann…
    Und uns diesen Mordrausch dann als charakterliche Entwicklung zu verkaufen, so dass wir am Ende denken dürfen „oh, er ist über Vesper hinweg, vielleicht tötet er jetzt nicht mehr jeden zwielichtigen Typen“.

    Emotional fand ich den Film zwiespältig. Zum Beispiel fand ich Felix Leiter sehr cool, seinen Konflikt nachvollziehbar und interessant. Mathis war der perfekte Sidekick, symphatisch und schlitzohrig, sein Abgang war aber irgendwie falsch. „Halt mich“ wirkte unfreiwillig komisch, und ihn in den Müll zu werfen und auszurauben, war seltsam. Ja, ja, Bond ist ein harter Knochen, wir haben verstanden! Und hat irgendjemand den Tod von Gemma Arterton beweint? Die war ein völlig unnötiger Schnellschuss. „Wir brauchen noch jemand, mit dem Bond schläft (so schlimm kann Vespers Tod ja dann nicht sein)“. Zack-bumm-abgehakt.

    Die Bond-Hommage mit dem Öl fand ich entsprechend unmotiviert. Hat mich auch früher schon gestört, wenn Bondgirls einfach so irgendwie starben, weil die Sexszene erledigt ist.

    Bonds Auto braucht schusssichere Scheiben. Keine Gadgets ist eine Sache, aber ein Aston Martin, der nicht die kleinste Kugel verträgt? Albern. Und Bonds Abstieg in dem Film ist vollkommen konsequenzenlos. Lizenz entzogen? Schwamm drüber. CIA, MI6 verprügelt? Macht nix. Seine kompletten Karten gesperrt? Er ist trotzdem einen Schnitt später in Italien. Das hätte man mit nur einer kleinen Taschenspielerei erklären können. Zeit wäre gewesen, denn so lang ist der Film nicht. Inkonsequent. Entweder er hat Geld oder er braucht es. Aber einerseits kommt er überall hin und hat stets den richtigen Anzug. Andererseits muss er dem toten Mathis die paar Euro nehmen. Häh?

    Der Filmbösewicht Amalric war ja auch mal so richtig schlecht. Der hatte die ganze Zeit über so ein debiles Halblächeln drauf, das ich einfach unpassend fand. Völlig überzogen aber sein Gestarre im Theater in Bregenz. Hallo? Das hätte Ming in Flash Gordon so spielen können…

    Und ein Bilderbuchfall von comic-mäßiger Action war ja wohl das Hotel. „Lauter explosive Tanks? Ist das nicht ein wenig unsicher?“ Oh bitteeeeeeee. Wieder Action, die nur schwer nachvollziehbar war (und dazu vermutlich teuer), überall explodiert was – wer baut denn solche Hotels? Und selbst wenn ich das schlucke: Bond springt und rennt und findet keinen Ausgang. Doch der verletzte Bösewicht ist humpelnd „irgendwie rausgekommen“. Das liebe ich!

    Im Fazit bin ich glaube ich vor allem enttäuscht, weil man das Gefühl nicht abschütteln kann, dass Bond versucht, Bourne zu sein, obwohl es rechtmäßig andersrum sein müsste. Und ich frage mich, womit sie 230 Millionen Dollar verpulvert haben, wenn die Action so undurchsichtig und die Schauspieler so schlecht sind. Ich verzeihe die eher dünne Story, ich begrüße die Entscheidung, weiterhin keinen Q oder sonstige unpassenden Traditionen wieder aufleben zu lassen. Und ebenso wie der G.I. habe ich die neue Grauzone von Gut und Böse als sehr erfrischend empfunden. Doch was nützt ein opulentes Actionpaket, wenn die Action zum Wegsehen ist?

  2. Sehr gelungene Rezension, die in den meisten Teilen meine Meinung über den Film widerspiegelt. Auch die Parallelen zu den älteren Bond-Streifen sind mir nicht entgangen. Danial Craig ist meiner Meinung nach auch sehr gut für die Rolle besetzt, hat mir doch Pierce Brosnan nie wirklich das Bond-Feeling vermittelt. Alles in allem fand ich den Film unterhaltend, jedoch gefällt mir die Bourne-Reihe besser, denn die von Carsten angesprochene, subjektive Kameraführung ist deutlich besser umgesetzt. In diesem Film fand ich sie verwirrend und teilweise deplatziert.
    Auch wenn der Film mich nicht vom Hocker gerissen hat, bleib ich dran. Nicht zuletzt, weil die Transporter-Reihe mit Jason Statham nach dem 3. Teil wohl ein Ende finden muss. Das war seit langem der schlechteste Film, den ich gesehen habe.

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