Agent mit Eigensinn: Timothy Dalton ist James Bond

1987: In nur zwei Jahren schafft es der Geheimdienst, Bond erneut auf Vordermann zu bringen. Nicht weniger als beinahe zwanzig Jahre werden von ihm genommen. Doch er ist nachdenklich geworden, zweifelt an seiner Arbeit und wendet sich schließlich sogar gegen seinen Arbeitgeber.

DER HAUCH DES TODES


Bei einer Übung am Felsen von Gibraltar werden zwei Doppelnull-Agenten von einem unbekannten Angreifer umgebracht. Bei einem wird ein Zettel mit der Aufschrift „Smiert Spionom“ gefunden, was einen Hinweis auf die Russen gibt. Als Bond den russischen Überläufer Georgi Koskov von Bratislava aus in den Westen bringt, berichtet dieser, „Smiert Spionom“ (Deutsch: „Tod den Spionen“) sei ein altes KGB-Programm, das von General Leonid Pushkin wieder erweckt worden sei. Bevor Koskov jedoch mehr erzählen kann, wird er augenscheinlich entführt und zurückgeholt. Bond entdeckt Ungereimtheiten in der Geschichte. Seine Spur ist Kara Milovy, eine Cello-Spielerin, die bei Koskovs Flucht in Bratislava versucht hat, auf ihn zu schießen. Bond hielt sie zuerst für eine KGB-Scharfschützin, doch er findet heraus, dass sie Koskovs Freundin ist und jener offenbar mit dem Waffenhändler Brad Whitaker zusammenarbeitet. Bond reist nach Tanger, um Pushkin auf den Zahn zu fühlen…

  • Synchronisation

„Whoever she was, it must have scared the living daylights out of her.“ Wieder ein Titel, der sich nicht so einfach ins Deutsche übertragen ließ. Unglücklich war nur, dass nach „Im Angesicht des Todes“ noch eine Übersetzung gewählt wurde, die schon wieder „Tod“ enthielt. „Living daylights“ könnte man ungefähr mit „Lebenslicht“ übertragen, im Englischen kann man diese aus jemanden sowohl herausprügeln („to beat the living daylights out of somebody“), als auch – wie Bond die Phrase benutzt – heraus „erschrecken“. Immerhin hat man dieses Mal bei der Synchro darauf geachtet, den Titel in Bezug zum Film zu setzen und hat Bonds Kommentar mit „Wer auch immer sie war, sie hat bestimmt den Hauch des Todes gespürt.“ übersetzt. Der „Playboy-Pfiff“, mit dem der detonierende Schlüsselanhänger von Q aktiviert wird, ist im Original ein „wolf whistle“, ist aber ungefähr das gleiche.

Nicht ins Deutsche herüber kam der Wortwitz, den 007 nach dem Kampf mit Necros bringt. Die beiden kämpfen in einem Netz an einem Flugzeug hängend. Necros hält sich schließlich an Bonds Stiefel fest, worauf jener die Schnürsenkel durchschneidet und den Killer mitsamt seinem Schuh abstürzen lässt. Als James ins Cockpit kommt, sagt er: „He’s got the boot!“, was im übertragenen Sinn auch bedeutet „Er wurde entlassen/rausgeworfen.“ Auf Deutsch lautet der Satz: „Er hat meinen Stiefel.“, was in dem Moment zwar ganz witzig ist, aber nicht mit dem englischen Text mithalten kann.

  • Ein Blick auf die Story

Unlängst war ich auf der Hochzeit eines guten Freundes. Bei einer Gelegenheit sprache wir über die Bond-Reihe und die beiden Filme mit Timothy Dalton. Sein Kommentar dazu war, dass die Filme gut seien – nur eben nicht Bond. Tatsächlich war man bei der Produktion erneut darauf bedacht, etwas anders zu machen und dazu die Tatsache, dass ein neuer Schauspieler Bond verkörpern würde, auszunutzen. Zum einen war die AIDS-Problematik, die Mitte der 1980er Jahre immer mehr aufkam. Bond musste sich einschränken, was die Frauen betraf, sein Charakter sollte menschlicher und zugleich rauer werden. Außerdem sollte der Humor, der für den „Moore-Bond“ so typisch war, stark zurückgenommen werden. Damit wurde ein harter Schnitt gemacht, der von den Fans natürlich bemerkt wurde.

Timothy Dalton wurde die Rolle angeboten, weil Albert R. Broccoli ihn für einen guten Bond hielt, doch zunächst war er wegen eines Filmdrehs nicht verfügbar. Daraufhin suchte man nach anderen Darstellern (unter anderem sprach Sam Neill, der später „Jurassic Park“ und „Merlin“ drehte, vor) und entschloss sich letztlich für Pierce Brosnan, der gerade die letzten Episoden seiner Serie „Remington Steele“ drehte. Doch plötzlich wurden neue Drehbücher nachgereicht, Brosnan war damit nicht mehr verfügbar. Durch die Verzögerung rückte der Drehstart so weit nach hinten, dass nun Timothy Dalten wieder Zeit hatte – und die Rolle diesmal bekam.

Kritisch ist – aus heutiger Sicht – die Darstellung der Situation in Afghanistan zu sehen, die einem simplen „Gut-Böse-Schema“ folgt, in dem die Mudschaheddin als die „edlen Rebellen“ dargestellt werden. Das war die damals übliche Sicht des Westens, und keiner konnte sich vorstellen, in welche Richtung sich die Situation in Afghanistan entwickeln würde (vereinfacht gesagt: nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen 1989 begann ein Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschaheddin-Gruppierungen, aus dem 1994 die Taliban hervorgingen, die das Land übernahmen – der Rest ist Geschichte).

James Bond wurde wieder mehr seiner Roman-Vorlage angepasst, er ist streckenweise brutaler und emotionaler, allerdings mehr in einer aufbrausenden Art, nicht so sehr wie in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. Blickt man an diesem Punkt auf die Filmreihe zurück, so macht 007 weniger eine Entwicklung durch, sondern er springt vom Charakter hin und her. Von daher kann man natürlich sagen, „Der Hauch des Todes“ ist kein Bond, weil der Bruch zwischen Roger Moore und Timothy Dalton sehr stark ist und nicht erklärt wird. Aber es ist gute Unterhaltung – und so lange die Leute, die es schreiben und produzieren, sagen, dass es Bond ist, so lange ist es Bond. Auch in diesem Film wurde kein Titel für die Fortsetzung genannt, sondern es hieß einfach nur: „James Bond will return“.

LIZENZ ZUM TÖTEN


Der südamerikanische Drogenbaron Franz Sanchez will seine Freundin abholen und muss sich dazu in die USA wagen. Darauf hat die Drogenbehörde gerade gewartet. Auf dem Weg zu seiner Hochzeit wird Felix Leiter abgefangen, die Festnahme durchzuführen. James Bond, der als Trauzeuge fungiert, kommt mit. Gemeinsam gelingt es ihnen, Sanchez festzusetzen. Doch ein korrupter Polizist sorgt kurz darauf dafür, dass er wieder freikommt. Er rächt sich an Leiter, indem er dessen Frau tötet und ihn von Haien schwer verwunden lässt. Als die CIA keine Anstalten macht, ernsthaft nach Sanchez zu suchen, übernimmt Bond das auf eigene Faust. Er spürt den korrupten Polizisten auf und entdeckt eine Spur, die zu dem Meeresforscher Milton Krest führt. Da schreitet M ein. Er verbietet Bond weitere Untersuchungen, worauf der Agent den Dienst quittiert und sich in Sanchez‘ Organisation einschleicht…

  • Synchronisation

Einmal mehr wurden bei der Synchronisation die Akzente verschiedener Personen, zum Beispiel der von Sanchez, nicht mit übernommen. Jener wird übrigens von Uwe Friedrichsen gesprochen. Unübersetzbar blieb leider 007s Bemerkung, als M ihn im Hemingway-Haus die Lizenz zum Töten entzieht und ihn auffordert, seine Dienstwaffe abzugeben. Bond sagt: „I guess, it’s a farewell to arms.“ „A Farewell to Arms“ ist der deutsche Titel des Romans „In einem andern Land“ von Ernest Hemingway. Von der literarischen Anspielung konnte ins Deutsche leider nur die wörtliche Übersetzung übertragen werden: „Jetzt heißt es wohl, Abschied nehmen von den Waffen.“ Darios Antwort auf Leiters Frage nach seiner Frau, als dieser von Sanchez gefangen genommen wurde, lautet: „She’s got a nice honeymoooon.“ Die deutsche Übersetzung ist deutlicher: „Sie verbringt ihre Hochzeitsnacht mit dem Tod!“

Zwei Dinge hakten etwas bei der Synchro: Zum einen wird der Begriff „Q Branch“ nicht übersetzt und in der deutschen Fassung so verwendet, als sei es ein Eigenname (Moneypenny verlangt „Q Branch“ am Telefon und Q selbst sagt „…gäbe es keinen Q Branch…“). „Branch“ bedeutet hier aber soviel wie „Abteilung“. Zum anderen siezen sich Bond und Pam Bouvier bis zum Schluss, während er Lupe – Sanchez‘ Freundin – duzt.

Das hat zwar weniger mit der Synchronisation zu tun, aber mit der deutschen Version, diese wurde nämlich gekürzt. Es fehlt ein Teil der Szene, in der Sanchez seinen Handlanger Krest in der Druckkammer tötet, sowie am Ende, als Sanchez in Flammen aufgeht. Nichtsdestotrotz wurde der Film wegen seiner Brutalität mit „Freigegeben ab 16 Jahren eingestuft“.

  • Ein Blick auf die Story

Wieder einmal wollte man etwas ändern und den Film-Bond dem Roman-Bond noch mehr anpassen. Dazu stützte man sich auf Ian Flemings Beschreibung der Figur in „Casino Royale“. In der Tat wurde Bond brutaler und nicht nur in Deutschland deswegen in der Freigabe höher eingestuft. Doch der Film spaltete die Fans in jene, die die Änderungen Fleming angemessen fanden, und jene, die diesen Bond nicht wiedererkannten. Das spiegelte sich auch im Einspielergebnis wieder – der Film konnte mit seinen Vorgängern nicht mithalten.

„Lizenz zum Töten“ ist der erste Film, der völlig unabhängig von Flemings Romanen entstand. Es wurde lediglich eine Szene aus „Leben und sterben lassen“, die man in dem damaligen Film nicht verwendet hat, übernommen (die Szene, in der Leiter von einem Hai angegriffen wird und Bond nach Beweisen in einer Lagerhalle mit Fischködern sucht), außerdem wurde der Name der Figur Milton Krest und seines Schiffes „Wavekrest“ aus der Kurzgeschichte „The Hildebrand Rarity“ entnommen (allerdings nur die Namen). Der Film ist tatsächlich ungewöhnlich brutal. Daltons James Bond ist jedoch eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was man in „Der Hauch des Todes“ bereits angefangen hatte.

Die gespaltenen Kritiken, die sich lediglich darin einig waren, dass dieser Film tatsächlich näher an Flemings Bond sei, die gespaltene Fanmeinung und die nicht gerade überragenden Einspielergebnisse taten ihr übriges dazu, dem „Bond-Franchise“ eine Pause zu verpassen. Noch dazu begann 1989, als „Lizenz zum Töten“ herauskam, eine Entwicklung, die zum Fall der Berliner Mauer, zum Zusammenbruch der Sowjetunion und zum Ende des kalten Krieges führen sollte. Damit stand die Frage im Raum, welche Rolle 007 in Zukunft spielen sollte. Gab es überhaupt noch einen Platz für ihn? Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage dauerte nicht weniger als sechs Jahre.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

AGENT MIT IDENTITÄTSKRISE: Pierce Brosnan ist James Bond

Über Thorsten Reimnitz 840 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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