10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 7)

Wie ich schon einmal schrieb, gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Obwohl ich bei Comics auf schöne detailreiche Zeichnungen Wert lege, kann ich mich durchaus auch an „klassischen“ schlicht gezeichneten Comics erfreuen. Vor allem natürlich, wenn die Geschichte stimmt. Und daher ist es mir eine ausgesprochene Freude, diese Reihe vorzustellen, die vor allem auch meine sonst eher comicscheue bessere Hälfte überzeugt hat.

Jeff Smith: Bone

– Vorbemerkungen:

Jeff Smith ist ein Pionier, sein Werdegang heute ein Vorbild für viele junge Independant-Künstler, die auf dem Comic-Markt gerne Fuß fassen möchten. Ich sage nur: „Nicht lustig!“ Die Bone-Comics erschienen Anfang der 90er Jahre in Schwarz-Weiß. Jeff Smith war dabei einer der ersten Zeichner, der das Internet als Plattform nutzte, um sein Comic einer möglichst breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Nach und nach avancierte die Geschichte zum Kultcomic und beliebten Insider-Tipp in Fachgeschäften. Und als Ende 2004 die stolze 1300 Seiten umfassende Bone-Gesamtausgabe erschien (in Amerika liebevoll The Brick – der Ziegelstein – genannt), wurde Jeff Smith endgültig Teil der langen Reihe von Comic-Legenden und Zeichnern, welche die Industrie nachhaltig prägten (und noch prägen). Bone erschien auch als Point-and-Click-Adventure für den PC. Ein Kinofilm ist in Planung.

– Handlung

Die Geschichte folgt dem liebenswerten Fone Bone und seinen beiden Cousins Phoney Bone und Smiley Bone, skurillen Figuren, deren Körperform einem Knochen ähnelt. Sie werden aus ihrer Stadt Boneville vertrieben, nachdem der gerissene Phoney die Bewohner mehrfach um ihr Geld gebracht hatte. Nachdem sie sich in der Wüste hoffnungslos verirrt haben, erreichen sie ein mysteriöses Tal – und werden getrennt. Auf seiner wundersamen Reise wird Fone Bone in eine epische Geschichte voller Wunder, Gefahren und Magie verstrickt und trifft auf allerlei Gestalten wie Ted die Wanze, den roten kettenrauchenden Drachen und Grandma Ben, vielfache Gewinnerin des jährlichen Kuhrennens und dumme, dumme Rattenmonster. Und natürlich auf die wunderschöne Thorn…

– Kritik

Jeff Smith begann die Reihe als Hommage an sein Vorbild Carl Barks, und das merkt man auch. Phoney Bone könnte der böse Bruder von Dagobert Duck sein, und Smiley Bone ist wie Goofy, nur mit Zigarre. Doch die Geschichte ist epischer und ernster, so dass sich der anfängliche Eindruck, man hätte ein Kinderbuch vor sich, rasch verflüchtigt. Die Geschichte sprüht nur so vor Witz, Charme und frischen Ideen. Und verliert dabei dennoch nie den roten Faden. Präzise Tuschezeichnungen zeichnen den Stil von Bone aus, der bei allem Minimalismus dennoch zu überzeugen weiß. Die Bilder wirken wie das Storyboard zu einer Zeichentrickserie, sind aber sehr stimmungsvoll. Ich finde schwarz-weiße Zeichnungen auf Dauer etwas anstrengend, doch glücklicherweise gibt es ja in der Hinsicht gute Nachrichten für mich. Mehr dazu später.

Die Figuren in Bone sind herrlich kauzig, selbst kleinste Nebenfiguren wie etwa Ted die Wanze und sein großer Bruder sind zum Niederknien putzig. Kein Wunder, dass Bone nach Sandman die erfolgreichste Comic-Serie bei Frauen ist. Nicht, dass Männer einen Bogen darum machen müssten – Bone ist einfach gute Unterhaltung für die ganze Familie.

Seit 2006 erscheint Bone in einer neuen, aufwändig colorierten Fassung. Die ersten 6 Bände sind mittlerweile auf deutsch erschienen, der Rest folgt in kurzen Abständen. Ich kann es kaum erwarten!

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