STAR WARS – The Clone Wars [Rezension]

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„Begonnen die Klon-Kriege haben…“
(Yoda in „STAR WARS Episode 2: Der Angriff der Klon-Krieger“, wörtliche Übersetzung des Originals)

Was die Loyalisten unbedingt hatten verhindern wollen, ist nun eingetreten: Mit der Aufstellung der großen Armee der Republik bricht ein Bürgerkrieg in der Galaxis aus, in dem die Fronten zwar klar zu sein scheinen, es aber eigentlich gar nicht sind. Auf der einen Seite ist da die Republik, die um ihren Erhalt kämpft. Auf der anderen Seite die Separatisten, die inzwischen nicht nur ihre Systeme von der Republik lösen, sondern eigene Gebiete haben wollen. Zu diesem Zweck beginnen sie, unbeteiligte Welten zu erobern, die sie relativ schwach in ihrer Verteidigung glauben. Mitten drin in den Gefechten sind die Jedi, die nicht so recht wissen, was sie von der Situation halten sollen, da mit Count Dooku ein Abtrünniger der eigenen Reihen auf der Seite der Separatisten kämpft. Letztere lassen nichts unversucht, die Republik und die Jedi in der Galaxis in Misskredit zu bringen…

  • Rezension – Variations on a Theme

Die erste Variante der „Clone Wars“ gab es als kurze Zeichentrick-Episoden, die in ihrem ganzen eine Brücke spannen sollten zwischen der Episode 2 und 3. Drei Jahre sind dazwischen vergangen, drei Jahre, in denen viel passiert ist. Anakins Haare sind gewachsen, weil er in den Stand eines Jedi-Ritters erhoben wurde, er hat eine Narbe am rechten Auge davon getragen und er und Obi-Wan sind Generäle der Armee der Republik. Besonders raffiniert war es auch deswegen, weil die Serie am Ende aufgrund des Anfangs von Episode 3 nur mit einem Cliffhanger enden konnte, was nochmal besonders Lust auf diesen neuen Film machen sollte. Leider merkt man der Geschichte ihre Episodenhaftigkeit an, manchmal wirkt es so, als sei leider einfach nicht mehr Zeit gewesen, um sich mit den Aspekten eines Handlungsstrangs auseinander zu setzen. Als Appetitanreger auf Episode 3 funktionierte es recht gut, als Doppel-DVD-Edition jedoch wirkt es etwas unvollständig. Dann kam man bei LucasFilm auf die Idee, die Lücken gänzlich zu füllen.

„Clone Wars“ sollte zu „The Clone Wars“ werden, eine Serie mit angeblich 100 Folgen (ich schreibe „angeblich“, weil ich nur eine Quelle zu dieser Angabe habe, und die ist nicht mal offiziell). Ich persönlich war gespannt, was das wohl werden würde und fragte mich, ob damit die „Clone-Wars“-Zeichentrickfolgen obsolet wären – nein, sind sie nicht.

„STAR WARS – The Clone Wars“ ist eine computeranimierte Serie, die sich tatsächlich in die bestehenden Folgen einfügt. So ist Anakin zu Anfang der Pilotepisode, die am 14. August als Film in die deutschen Kinos kam, bereits ein Jedi-Ritter, er hat bereits seine Narbe, die Jedi kennen Dookus Schülerin Asajj Ventress und auch von General Grievous haben sie schon gehört, auch wenn sie ihn noch „den geheimnisvollen Droiden-General“ nennen. Nach dem, was ich gelesen habe, will man sich sogar bemühen, die Serie in die bestehenden Erzählungen über die Klon-Kriege in Comics und Romanen einzupassen, was mich persönlich neugierig auf das Ende macht, und in wie weit es sich mit James Lucenos „Labyrinth des Bösen“ deckt.

Die Rezension über „The Clone Wars“ fällt allerdings nicht so ausführlich aus, wie die Rezensionen über Episode 1 und Episode 2. Das hat vor allem den Grund, dass der Film nicht so sehr die Motive der Personen berührte, wie die anderen. Eine Ursache mag darin liegen, dass man nun viel mehr Zeit hat, etwas zu zeigen und beispielsweise eine Charakterentwicklung über mehrere Folgen der Serie hinzuziehen (immerhin handelt es sich hier um den PILOTfilm). Gleichzeitig brachte der Film die Serie selbst nicht sonderlich voran, und ja, am Anfang hatte auch ich dieses unangenehme Gefühl in der Magengegend, denn eigentlich war mir das Schicksal der beteiligten Personen klar – Anakin wird Darth Vader werden, Obi-Wan und Yoda müssen ins Exil, der Rest der Jedi wird sterben und die Republik wird untergehen und dem Galaktischen Imperium Platz machen. Es hat etwas gedauert, aber dann konnte ich in die Geschichte einsteigen und hatte einen amüsanten Abend.

Sind Sie jetzt geschockt? Falls Sie ein Stechen in der Brust spüren, das in den linken Arm ausstrahlt, Ihnen der kalte Schweiß auf die Stirn tritt und Sie das Gefühl haben, Ihr Brustkorb sei von einem Schraubstock eingezwängt, versuchen Sie es mit Nitrolingual Spray (oder gleichwertiger Generica). Sollte es daraufhin nicht besser werden, gehen Sie ans Telefon, wählen Sie die 112 und verlangen Sie einen Rettungswagen mit Notarzt. Aber glauben Sie mir, eigentlich ist es diese alberne Diskussion nicht wert, deswegen einen Herzinfarkt zu bekommen.

Einige Leute haben sich schon lang und breit darüber aufgeregt, was George Lucas „ihrem“ Universum antut. Das tun sie seit dem Erscheinen von Episode 1, aber wie ich schon im Vorwort zu der STAR-WARS-Rezensionsreihe in diesem Blog anmerkte, man möge bedenken, dass es auch Leute gibt, denen es genau anders geht. Für die ist STAR WARS das, was sie in Episode 1 bis 3 gesehen haben und die unter Umständen Schwierigkeiten haben, sich mit Episode 4 bis 6 anzufreunden. Und dann gibt es die (scheinbar stumme und nicht näher definierbare Anzahl von) Menschen, die sich sagt „Was denn? Also, mir haben alle Teile gefallen.“

Leider geraten vor allem letztere immer mehr in Rechtfertigungszwang, obwohl ich wirklich nicht weiß, warum. In einem STAR-WARS-Fanblog schreibt ein Mensch unter dem Pseudonym „jkelly“ sogar, dass er sich stellenweise schuldig fühlte, weil ihm „The Clone Wars“ gefallen hat und er Spaß hatte. Mir ging es ähnlich. Verdammt nochmal, mir hat sogar die Musik gefallen! Gerade die Musik trug sehr dazu bei, eine dünne Linie zu ziehen, die dem Zuschauer quasi akustisch klarmachte, dass wir hier einen Nebenschauplatz des Hauptplots betreten. Natürlich kann die Serie die Haupthandlung nicht sehr weit vorwärts bringen, denn das muss Episode 3 machen. Aber mit dem Anspruch ist der Film auch nicht angetreten. Es ist ein PILOTfilm, der muss ganz nebenbei auch noch was für die Serie übriglassen, und die Serie darf Episode 3 nicht vorgreifen.

Ein wenig Handlung wird natürlich schon gemacht: Der Sohn von Jabba the Hutt wurde entführt und der notorische Gangsterboss wendet sich an die Jedi, ihm zu helfen. Die Jedi wittern eine Chance, freies Geleit durch die Routen des Outer Rim zu bekommen, die von den Hutts kontrolliert werden. Allerdings tragen die Sith ihren Teil dazu bei, damit die Jedi kolossal scheitern und bei Jabba in Misskredit stehen. Gleichzeitig wird Anakin eine Padawan-Schülerin mit Namen Ahsoka Tano zugewiesen, die sich als sehr geschickt erweist – und das auch sehr genau weiß. Durch ihre teilweise naive Unschuld ergänzt sie sich recht gut mit Anakins forschem Einzelgängertum.

Man könnte daraus sogar einen fortschreitenden Handlungsfaden isolieren: Die Jedi sind gezwungen, gegen ihre eigenen Prinzipien zu verstoßen, um sich was den Krieg betrifft in eine bessere Position zu bringen. Wenn sie mit den Hutts paktieren, verbünden sie sich quasi mit den Mächten, die im Outer Rim Kapital aus der Gesetzlosigkeit schlagen und unter anderem die Sklaverei fördern. Und mit Anakins Schülerin unternimmt der Rat der Jedi den Versuch, jenem etwas Verantwortung beizubringen. Sie hoffen, dass er seine Handlungsweisen überdenkt, wenn er nicht nur für sich, sondern auch noch für jemand anderen verantwortlich ist. Ich persönlich habe jedoch das ungute Gefühl, dass Ahsoka eines der Opfer der Klon-Kriege werden wird, ja muss, was Anakin in dem Wunsch, das Sterben der Menschen zu beenden, eigentlich nur bestärken kann.

Aber genug des Tiefgangs! Handwerklich ist die Episode recht solide gemacht, lediglich das Design ist auch für meine Augen gewöhnungsbedürftig. Man hat bei der Animation der Figuren weitestgehend auf Realismus verzichtet und sie im Cartoonstil dargestellt. Andererseits hat mich ein ähnliches Aussehen bei Gerry Andersons „Thunderbirds“ auch nicht gestört. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Serie entwickelt und ob man dem Anspruch treu bleibt, diese in bestehende Geschichten einzubetten.

Und was nun? Ist es notwendig, uns jene geheimnisvolle Ära der Klon-Kriege mit einer Serie zu zeigen? Kann man den Film empfehlen oder nicht? Dazu kann ich nur sagen: Keine Ahnung! Wie gesagt, ich hatte einen netten Abend. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn ich jedoch die Kritiken all jener lese, die den Untergang des Abendlandes herbeireden und schon dabei sind, mit Fackeln und Mistgabeln zur Skywalker-Ranch zu ziehen, verstehe ich, warum der von mir oben zitierte Blogverfasser „jkelly“ sich schuldig fühlt. Angesichts der Absolutheitsansprüche mancher Kritik und dem vielfach damit einhergehenden beleidigenden Unterton ist es besser, sowas nicht zu laut auszusprechen, wenn man nicht zur Zielscheibe von Hohn und Spott werden will. Und wer will das schon?

Machen wir stattdessen weiter im Text. Denn: Fortsetzung folgt…

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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