Tim und Struppi: Tim und die Alpha-Kunst [Rezension]

Wiederum acht Jahre nach „Tim und die Picaros“ machte sich Hergé daran, ein neues Abenteuer von Tim zu zeichnen, das den Eindruck macht, als sei es als krönender Abschluss einer langen Reihe geplant gewesen. Ob es so ist, werden wir nie erfahren; Hergé starb am 3. März 1983, bevor er es vollenden konnte.

Inhalt: Auf der Flucht vor der Castafiore gelangt Haddock zufällig in eine Kunstgalerie. Dort wird er von einem Kunstexperten angesprochen, der etwas mit Tim bereden möchte und einen Termin vereinbart. Zu dem Termin erscheint er jedoch nicht, er ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nachdem er bereits der zweite Experte ist, der einen plötzlichen und merkwürdigen Tod gestorben ist, stellt Tim Nachforschungen an und kommt so dem Magier Endaddin Akass auf die Spur, der ihn frappant an irgendjemand erinnert. Die Spur führt ihn und Haddock nach Ischia, wo der Künstler Ramo Nash seine „Alpha-Kunst“ entworfen hat.

Kritik: Eine Kritik dieses Albums ist nicht möglich. Von der gesamten Geschichte sind etwa 40 Seiten vorhanden, davon sind vier mit Bleistift in eine Form gebracht, dass man nach ihnen hätte die fertigen Albumseiten zeichnen können. Der Rest liegt lediglich im Form von (teilweise sehr groben) Skizzen vor, die nur Aufbau, Bildkomposition und die Handlung der Geschichte aufzeigen. Zudem bricht die Geschichte genau an einer der spannendsten Stellen ab. Nach den Notizen war Hergé sich selbst noch nicht mal sicher, wie er die Situation dort wieder lösen sollte; falls er doch schon eine Idee hatte, so hat er sie mit ins Grab genommen.

Nachdem Hergé verfügt hatte, dass niemand nach seinem Tod die Geschichte um Tim fortsetzen sollte (entgegen vieler anderer Serien aus dem franko-belgischen Raum, wie etwa „Spirou und Fantasio“ oder „Percy Pickwick“), beschloss man, diesen Wunsch zu respektieren. Obwohl Bob de Moor, Hergés Assistent, das Album sicherlich gern fertiggestellt hätte, ließ man es, wie es war und veröffentlichte es so, zusammen mit ein paar Seiten Notizen mit Ideen. Aus diesen Notizen geht hervor, dass „Tim und die Alpha-Kunst“ ein wahres Panoptikum an Tim-Figuren geworden wäre, neben der Castafiore, Luise und Igor Wagner, Herrn Kiesewetter, der Metzgerei Schnitzel, den Schul(t)zes und Emir Ben Kalisch Ezab waren noch Auftritte vorgesehen für Gibbons (aus „Der blaue Lotos“), Dawson (ebenfalls „Der blaue Lotos“ und „Kohle an Bord“), Chicklet (aus „Der Arumbaya-Fetisch“), Madame Yamilah und ihr Mann (aus „Die sieben Kristallkugeln“), Iwan Sakharin und die Gebrüder Vogel-Faull (aus „Das Geheimnis der Einhorn“) sowie Carreidas und Mik Esdanitoff (aus „Flug 714 nach Sydney“). In einer anderen Notiz wird sogar Doktor Krollspell („Flug 714 nach Sydney“) erwähnt, sowie die Länder Syldavien, Bordurien und Sondonesien in Spiel gebracht.

Tim trifft zudem zum ersten Mal auf eine Frau, die unter den sonstigen weiblichen Figuren hervorsticht. Aber ob Hergé es gewagt hätte, tatsächlich sowas wie Romantik einzubringen oder gar ein definitives „Happy-End“ für seinen ewigen Junggesellen geplant hatte, lässt sich aus den Aufzeichnungen nicht schließen. Auch hier hat der Zeichner das Geheimnis mit ins Grab genommen.

„Tim und die Alpha-Kunst“ ist definitiv nur etwas für absolute Tim-Fans oder für Comicfreunde, die sich für die Arbeitsweise von Hergé interessieren, die man an den Skizzen natürlich sehr schön nachvollziehen kann, von fast fertigen Szenen am Anfang bis zu groben Strichzeichnungen und angehäuften Ideen am Schluss.

Auf der einen Seite ist es schade, dass Hergé verfügte, niemand solle nach seinem Tod sein Werk weiterführen. Auf der anderen Seite aber auch wieder nicht, denn Tim von einem anderen Zeichner, das wäre nicht Tim gewesen. Der Popularität der Figur hat das keinen Abbruch getan.

Mit dieser Folge endet die Reihe um die Abenteuer von Tim und Struppi. Ein Beitrag steht jedoch noch aus, ein Über- und Ausblick. Dieser erscheint morgen.

Über Thorsten Reimnitz 840 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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