Tim und Struppi: Der Arumbaya-Fetisch [Rezension]

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1935 wurde die Situation in Europa immer instabiler. Das änderte jedoch nichts an Hergés Interesse für die internationale außereuropäische Politik. Inspiriert von dem Krieg zwischen Bolivien und Paraguay entwirft er eine Geschichte, die vor dem Hintergrund eines solchen Krieges um ein Erdölgebiet spielt. Allerdings führt er eine weitere Neuerung in seine Reihe ein: Er erfindet fiktive Staaten.

Handlung: Aus dem Völkerkundemuseum wird eine kleine Holzstatuette, der Fetisch der Arumbayas, einem südamerikanischen Indianerstamm, auf geheimnisvolle Weise entwendet, um am nächsten Tag wieder genauso geheimnisvoll an ihren Platz zu stehen. Doch Tim ahnt, dass etwas nicht stimmt: der gestohlene Fetisch hatte ein kaputtes Ohr, die Statuette, die nun im Museum steht, ist intakt. Über den Mord an einem Bildhauer kommt er zwei Verbrechern auf die Spur, die verzweifelt nach dem echten Fetisch suchen. Seine Jagd führt ihn in das südamerikanische San Theodorus, ein von Revolutionen und Konterrevolutionen gebeuteltes Land.

Kritik: In „Der blaue Lotos“ verwandte Hergé den Trick nur an einer Stelle, als er einen Gast in einer Opiumhöhle als „Botschafter von Poldavien“ bezeichnet. In „Der Arumbaya-Fetisch“ machte er reichlich Gebrauch von fiktiven Staaten. In dem Fall sind es San Theodorus und Nuevo-Rico, und es sollten nicht die letzten bleiben. Auf diese Weise hatte er mehr künstlerische Freiheit. Die Geschichte um den Arumbaya-Fetisch ist erst einmal ein Krimi, es geht um Diebstahl, Fälschung und Mord. Die Hintergrundgeschichte, in die Tim beinahe beiläufig gerät, ist die Karikatur eines Krieges um ein Erdölvorkommen. Wie in der Realität so werden auch in Tims Welt die beiden Länder von konkurrierenden Unternehmen gegeneinander aufgehetzt, auf der einen Seite die Engländer, auf die anderen Seite die Amerikaner. Und wieder einmal treibt er es auf die Spitze, als der Krieg endet, weil sich herausstellt, dass das Erdölvorkommen, das in der Grenzregion der beiden Länder vermutet wird, nicht existiert.

Genauso auf die Spitze getrieben werden die südamerikanischen Revolutionen und Konterrevolutionen. Als Tim gefangen genommen wird und vor dem Erschießungskommando steht, finden eine Revolution und zwei Konterrevolutionen statt, und je nach Machthaber wird Tim begnadigt oder aber wieder zum Tode verurteilt. Hierbei lernt er schließlich den neuen Revolutionsführer kennen, der ihm noch ein paar Mal über den Weg laufen würde: General Alcazar. Sein ewiger Gegenspieler Tapioka wird zwar erwähnt, taucht aber in der Geschichte nicht auf. Abgerundet wird dieser Seitenhieb durch die Darstellung des Waffenhändlers Basil Bazaroff, der an beide verfeindete Länder die Austattung für ihren Krieg lieferte und damit der einzige Gewinner dabei gewesen sein dürfte. Jener hatte übrigens in einem von Hergés Manuskripten – die Tatsache fand nie Erwähnung innerhalb der Comic-Reihe – eine Tochter mit Namen Peggy, die in „Tim und Picaros“ mit Alcazar verheiratet ist.

Das Album ist nicht ganz so stark wie sein Vorgänger „Der blaue Lotos“. Vor allem die Szenen, die im südamerikanischen Urwald spielen, wirken bisweilen, als sei Hergé etwas hektisch geworden, denn man sieht nur Figuren vor einem einfarbig grünen Hintergrund. Aber die Geschichte hat Witz und Ideen, verbunden durch einen Kriminalfall. Und schon wieder muss man sagen: Kampf um ein Erdölgebiet? Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor…?

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Über Thorsten Reimnitz 844 Artikel

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist „Das Phantastische Projekt“ mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

3 Kommentare

  1. Wieder schön geschrieben. Ich muss mal wieder die alten T&S-Alben heraus kramen. Der Arumbaya-Fetisch ist und bleibt meine Nummer 1. 😉

  2. Bekommst du eigentlich geld für die „Rezensionen“ ( aka Werbung ) ?^^ Scheint ja fast so, fast jeden Tag ne neue ist ja beängstigend 😀

  3. Ha, schön wär’s. Aber die Bezahlung wäre wahrscheinlich pro Zeile, und da würde ich zu sehr in Versuchung kommen, Zeilen zu füllen.
    Tatsächlich, das kann ich schon vorweg nehmen, gibt es eigentlich nur drei Tim-und-Struppi-Alben, die ich nicht uneingeschränkt empfehlen kann: „Tim im Lande der Sowjets“, „Tim und die Alpha-Kunst“ und „Tim und der Haifischsee“.
    „Im Lande der Sowjets“ und die „Alpha-Kunst“ sind für den „Durchschnittsleser“ nicht interessant, sondern allenfalls für eingefleischte Tim-Fans (wie mich), der „Haifischsee“ funktioniert als Film sehr viel besser – und ist außerdem nicht von Hergé.

    Am Ende der Reihe soll es übrigens noch eine Übersicht mit ein paar persönlichen Einblicken geben.

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