„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

Auch wenn Björn-Hergen schimpfen wird, man muss doch mal Ross und Reiter nennen dürfen! Und das möglichst, bevor das „F.B.I.“, die „Freunde Bata Ilics“, eingreifen. Stellt sich nur die Frage, was ruft ein Beo, der in einem Käfig mit lauter Kanarienvögeln eingesperrt ist? „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

Auf ähnlichem Niveau bewegten sich gestern die Kalauer, die Dirk Bach und Sonja Zietlow in ihre Moderationstexte geschrieben wurden, für den Auftakt einer neuen Staffel „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Stefan Niggemeier hat live mitgebloggt und User haben live Kommentare abgegeben (im Blog vom Fernsehlexikon hier). Das Resümee, das er zieht, ist so interessant wie einleuchtend: Was kann man als Kritiker eigentlich groß sagen, wenn das Konzept der Schadenfreude ganz unverhohlen von vornherein Bestandteil der Sendung ist? Und wenn die Teilnehmer an diesem Dschungelcamp das alles freiwillig über sich ergehen lassen, weil sie sich davon „den großen PR-Effekt“ erhoffen? Nein, das ist kein Fernsehen mit hohem Anspruch auf Kultur oder ähnlichem, das ist „Boshaft TV“. Es spricht eine Seite in uns an, über die wir alle nicht gern reden, die aber vorhanden ist. Und da fordert die Sendung vom Zuschauer das Maximum an Eigenverantwortung ab: Wenn es mir nicht gefällt, weil mir die Leute doch leid tun, dann darf ich die Sendung einfach nicht anschauen. Punkt. Fertig ist der Lack! Sich darüber echauffieren, was die Bewohner des Dschungels alles erleiden müssen, bringt doch nichts – sie tun es zum einen freiwillig, und zum anderen gab es schon zwei Staffeln der Sendung. Niemand kann also sagen, er habe nicht gewusst, auf was er sich da einließe. Und wenn es mir gefällt, dann schaue ich es weiter an, weil ich unbedingt wissen will, wer denn am Schluss gewinnt – und ich kann dazu stehen (wie Stefan Niggemeier) oder nicht. Der Effekt ist im Grunde der gleiche, wie bei den Teilnehmern: Auch wir, die Zuschauer, wissen doch im Voraus, worauf diese Sendung abzielt. Es braucht also niemand, der sie sich anschaut, überrascht zu tun.

Zum Schluss eine Notiz am Rande: Als die erste Staffel „Big Brother“ anfing, wurde sich auch von im Vorfeld echauffiert. Unter anderem sagte jemand, die Sendung könne nicht einmal als „Sozialexperiment“ durchgehen, denn die Leute dort wüssten ja, dass sie 24 Stunden am Tag von Kameras beobachtet würden und würden sich nicht natürlich verhalten. Nun, mal ganz davon abgesehen, dass es rechtlich nicht möglich ist, ein solches „Sozialexperiment“ unter realen Bedingungen durchzuführen, denn dazu müssten ja irgendwelche Leute ohne ihr Einverständnis heimlich beobachtet werden, kann man auch sagen, dass „Big Brohter“ – und später auch „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ – diese Aussage widerlegt haben. Offenbar scheinen die Leute nach einiger Zeit zu vergessen, dass sie beobachtet werden, denn das Ränkeschmieden und Lästern lief schließlich – man denke nur an Caroline Beil, die schließlich von Sonja Zietlow in ihren Moderationen nur noch als „Hacke-Beilchen“ bezeichnet wurde – wie im echten Leben auch. Wer also möchte, kann in „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ ein Sozialexperiment sehen und dem ganzen beiwohnen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Oder wollten wir nicht schon immer mal wissen, wie das Seelenleben von Julia Biedermann, Bata Ilic, Michaela Schaffrath, Ross Antony (wer ist das?) und all den anderen aussieht?

Nein? Sowas… dann ist es wohl doch der andere Grund, warum diese Sendung gesehen wird… 😀

Über Thorsten Reimnitz 833 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

2 Kommentare

  1. Wenn Du es hier nicht erwähnt hättest… Es wär‘ doch glatt an mir vorbeigegangen, dass schon wieder C- und D-Promis ausgewandert sind.

    Aber bald kommt „echtes Reality-TV“:
    Ich bin ein Gang-Mitglied – holt mich hier raus!
    Eine Roland Koch Produktion, 24/7 aus dem Erzeihungslager!

  2. Dann hätten wir es ja nicht nur geschafft, Orwells „1984“ Realität werden zu lassen, sondern „Running Man“ gleich mit dazu.

    Glückwunsch an die deutsche Politik.

    Ich versuche gerade, mir diese Sendug vorzustellen, mit „Big Brother“ Jürgen als Co-Moderator, der nervige Fragen stellt („Du ziehst ja jetzt ins Lager ein, wie fühlst Du Dich?“)…

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