Doctor Who – Doktor Who – Doktor… wer?

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Michael Reufsteck hat es nicht verstanden, wie er im „Fernsehlexikon“ selbst schreibt: Was ist dran an dem Hype um die britische Fernsehserie „Doctor Who“? Nun, könnte es einfach daran liegen, dass Geschmäcker nun mal verschieden sind und diese Serie nicht unbedingt Herrn Reufstecks Geschmack trifft? Und ein gewisses lückenhaftes Wissen um die Serie darf man ihm auch noch bescheinigen, denn Christopher Ecclestone, der in den neuen Folgen, die heute auf ProSieben anlaufen, die Hauptrolle spielt, ist nicht „ausgetauscht“ worden, er hat den Platz zur Überraschung vieler Beteiligter freiwillig nach nur einer Staffel geräumt (hier die allgemeine Beschreibung der Serie im Fernsehlexikon).

Es ist schwer zu erklären, vor allem, wenn jemand mit der Serie nichts anfangen kann: Was ist dran am „Doktor“? Es handelt sich um eine Science-Fiction-Serie, die ursprünglich mal einen Bildungsauftrag hatte, nämlich Kindern die Geschichte der Menschheit nahezubringen. Man dachte sich, das geht am Besten mit einem zeitreisenden Außerirdischen, der die jeweiligen Epochen direkt aufsuchen kann. Dass er sich in einer Notruf-Telefonzelle, wie sie in den 1960er Jahren in England an jeder Ecke standen, fortbewegt, war dem knappen Budget der Serie geschuldet, wurde aber im Lauf der Zeit Kult. Außerdem erkannten die Autoren, welche Möglichkeiten ihnen eine Serie mit einem Gerät verschafft, das sich sowohl in der Zeit als auch im Raum fortbewegen kann. Auf diesem Weg kamen die reinen Science-Fiction-Geschichten mit in die Serie.

Und hier liegt das Potential: der so genannte „Canon“ ist relativ frei. Ob es für eine Geschichte nun notwendig ist, dass die Erde explodiert oder gleich unser ganzes Sonnensystem – kein Problem, der Doktor reist eben ein paar Millionen Jahre in die Zukunft. In anderen Folgen werden Ereignisse aus der Geschichte aufgegriffen. So weilte der Doktor im Lager von Richard Löwenherz, als dieser Jerusalem belagerte und traf auch auf H. G. Wells, den Autor, der „Die Zeitmaschine“ schrieb (in der Serie wird natürlich angedeutet, dass Wells durch das Zusammentreffen mit dem Doktor zu dieser Geschichte inspiriert wurde).

Die Art der Geschichten ist dabei sehr facettenreich. Die Serie nimmt sich selbst nicht ganz Ernst, was vor allem in den neuen Folgen zu sehen ist (wie die Vorschau auf ProSieben in einem Ausschnitt so schön zeigt – Doktor: „Der Premierminister ist ein verkleideter Außerirdischer! – Das kauft mir niemand ab, oder?“ Wache: „Nein.“). Es gehören lustige Folgen dazu, ernstere, dramatische, und auch Folgen, die in ihrer Aussage beispielsweise guten Star-Trek-Episoden in nichts nachstehen. Wer sich dafür interessiert, die Geschichte der Serie habe ich schon in einem älteren Beitrag wiedergegeben: hier!

Stattdessen möchte ich an dieser Stelle meine Lieblingsepisode der klassischen Serie besprechen. Vielleicht kann der eine oder andere dann nachvollziehen, was zumindest ich an dieser Serie finde. Meine Lieblingsepisode ist „The Happiness Patrol“ (Deutsch: „Die Fröhlichkeits-Patrouille“). Erlebt haben sie Doktor Nummer 7 (Sylvester McCoy) und seine Begleiterin Ace (Sophie Aldred) im Jahr 1988. Der Doktor landet seine TARDIS auf der irdischen Kolonie Terra Alpha. Angeblich sind dort Leute spurlos verschwunden. Dort angekommen müssen die beiden feststellen, dass Terra Alpha von einer Diktatorin namens Helen A regiert wird. Diese hat in der Kolonie das Diktat der Fröhlichkeit ausgerufen. Es ist bei Strafe verboten traurig zu sein, weil Helen A das nicht mag. Jeder hat immer fröhlich zu sein, wer das nicht ist, wird von der „Happiness Patrol“ festgesetzt und dem „Kandy Man“ (einem aus Süßigkeiten bestehenden Lebewesen – ein wunderbarer Moment der Selbstironie der Serie) vorgeführt. Der Kandy Man behandelt die Gefangenen mit einer „Fondant Surprise“ – einem tödlichen Zuckergussüberzug.
In der Kolonie hat sich jedoch eine Untergrundbewegung gebildet. Die Menschen wollen nicht ständig fröhlich sein, es gibt Momente, da ist man eben traurig und man will es auch nicht unterdrücken. Der Doktor und Ace schließen sich der Untergrundbewegung an und machen die Rebellion mit. Die „Happiness Patrol“ wird außer Gefecht gesetzt und die Rebellen dringen über die Abwasserkanäle in Helen As Festung ein. Nachdem auch der Kandy Man ausgeschaltet wurde, lässt Helen A Fifi, ihr absolut tödliches Schoßtier, in die Kanäle, um die Rebellen zu zerfleischen. Doch diesen gelingt es, Fifi in eine Falle zu locken. Schließlich stellen sie die Diktatorin, die sich uneinsichtig zeigt: Es ist doch furchtbar, wenn Menschen traurig sind, es wäre viel besser, wenn alle immer fröhlich wären. Trauer braucht man nicht. Der Doktor beharrt darauf, dass die Fröhlichkeit, die auf Terra Alpha herrsche, nur Fassade sei. Wahre Fröhlichkeit, erklärt er, braucht Trauer als Ausgleich. Doch Helen A weigert sich, ihn anzuhören. In diesem Moment kriecht Fifi aus dem Abwasserkanal. Er ist tödlich verletzt und stirbt. Und überwältigt vom Tod ihres Schoßtiers fängt Helen A an zu weinen…

Diese Episode zeigt auch sehr schön, dass man ein wenig Fantasie mitbringen muss und sich beispielsweise nicht an dem Kandy Man oder – wie in der ersten Folge der neuen Serie – an lebendigen Schaufensterpuppen stören darf. Die Serie erhebt keinerlei Anspruch auf Realismus – und kommen Sie dem Doktor nicht mit „Zeitparadoxon“. „Das alles wird passieren“, sagte der Doktor in der Folge „Battlefield“ zu Ace, „in meiner persönlichen Zukunft – die wiederum Ihre persönliche Vergangenheit sein könnte!“ Würde man, analog zu dem Werk „Die Physik von Star Trek“, ein Buch mit dem Titel „Die Physik von Doctor Who“ schreiben, kämen viele interessante Dinge drin vor – nur leider nichts, das mit unserer tatsächlichen Physik in Einklang zu bringen wäre. Darauf muss man sich einlassen, wenn man diese Serie anschaut.

Wenn man sich aber darauf einlässt, dann kann man sehr viel Spaß haben. Und ein Wunschtraum von mir ist es, dass die alten Folgen, die noch nicht synchronisiert wurden, dies noch werden und auf dem deutschen Markt verkauft werden. Vielleicht als Sammelwerk… Oder dass zumindest die bereits synchronisierten Folgen mit Colin Baker (Doktor Nr. 6), Sylvester McCoy (Nr. 7) und der Fernsehfilm mit Paul McGann, sowie das Special „The Five Doctors“ mal wieder gezeigt werden. Oder vielleicht auf DVD… na ja, man ist ja bescheiden.

Doctor Who: Ab heute als Doppelfolge Samstags auf ProSieben.

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Über Thorsten Reimnitz 842 Artikel

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist „Das Phantastische Projekt“ mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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