CSI: Ein Blick auf die vergangenen Wochen

Nachdem ich in letzter Zeit nicht so ganz bereit war, meine Rezensionen über die „CSI“-Serien fortzusetzen, folgt heute mal ein längerer Überblick. Habe ich eigentlich schon erwähnt, warum ich mit der Serie „Crossing Jordan“ nie so richtig warm geworden bin? Weil „Crossing Jordan“ ein Konzept ist, das „auch eine Krimi-Serie“ ist. Die Betonung liegt dabei auf dem „auch“, denn der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig bei den Figuren, ihrem Privatleben, ihren Problemen. Die Krimihandlung ist dabei eben „auch“ mit dabei. Natürlich ist es nicht so, dass „CSI“ (ganz besonders „CSI: Miami“) gar keinen Wert auf den Hintergrund der Charaktere und ihr Leben legt. Aber die Mischung war für meinen Geschmack besser getroffen. Es ist eben eine moderne Krimiserie, und der „Krimi“ steht eigentlich im Vordergrund.

Haben Sie’s gemerkt? Ich habe in dem letzten Satz eine Einschränkung gemacht, indem ich das Wort „eigentlich“ benutzte. Denn damit möchte ich schon auf das zu sprechen kommen, was mir bei allen drei „CSI“-Serien in den letzten Wochen aufgefallen ist, das Gleichgewicht scheint sich mehr hin zum „persönlichen Drama“ á la „Crossing Jordan“ zu verschieben.

Beginnen wir mit „CSI“: Die Beziehung zwischen Grissom und Sarah Sidle läuft eigentlich genau so ab, wie man sie sich bei einem Mann von Gils Kaliber vorstellen würde. Doch anderswo geht es Schlag auf Schlag, und das in des Wortes wahrster Bedeutung: Nachdem in der vorigen Staffel Jim Brass angeschossen wurde, gerät Greg Sanders in eine Gruppe, die gerade einen Mann zusammenschlägt. Er greift ein und überfährt einen der Schläger mit seinem Dienstwagen, wird selbst krankenhausreif geprügelt, kommt vor Gericht und wird schließlich von der Familie des Schlägers, den er überfahren, verklagt. Gil Grissom nimmt eine Auszeit, für ihn kommt ein zeitweiser Ersatz: Michael Keppler. Doch der scheint ein schwerwiegendes Problem zu haben, da er ab und zu Stimmen hört… Nicht zu vergessen der Fall des „Miniaturenmörders“, der sich über mehrere der bisher ausgestrahlten Folgen hinzog und – da die Staffel im deutschen Fernsehen noch nicht vollständig gelaufen ist – noch eine Überraschung parat hält.

In „CSI: Miami“ geht es noch etwas mehr zur Sache mit dem Persönlichen: Nachdem Horatios Caines Frau in der letzten Folge der vorigen Staffel ermordet wurde, fliegen er und Eric Delko nach Brasilien, wo Caines Bruder stirbt. Natalia Boavista, die „Neue“, erleidet gleich mehrere Schicksalsschläge: Ihr Mann, von dem sie sich trennte, da er sie geschlagen hat, kommt nach Miami und verdingt sich als „Tatort-Reiniger“, was bedeutet, dass sie beruflich mit ihm häufiger zu tun hat; als sie einmal kurz ausflippt und ihn von sich wegstößt, erwirkt er eine Verfügung gegen sie, wonach sie sich ihm nicht mehr nähern darf (und sich damit von jedem Tatort, an den er auch kommt, entfernen muss), dann wird ihre Schwester entführt und letztlich wird sie fälschlicherweise des Mordes an ihrem Ex-Mann beschuldigt. Eric Delko ist auch nicht besser dran: Er fällt auf den Trick eines Betrügerpärchens rein, im Glauben, eine Frau vor ihrem prügelnden Mann zu beschützen, schlägt er jenen nieder und wird angezeigt. Da er keine Möglichkeit sieht, gegen die Sache vorzugehen, gibt er klein bei und zahlt eine gewaltige Strafe. Und als wäre das und der Verlust seiner Schwester (Caines Frau) nicht genug, wird er auch noch angeschossen, überlebt schwer verletzt, aber mit einer Amnesie: er weiß nicht mehr, dass seine Schwester tot ist.

War es da bei „CSI: NY“ ruhiger? Nein. Mac Taylors Beziehung mit Peyton Driscoll wird auf eine harte Probe gestellt, da Mac diese lieber geheimhalten möchte und der Sohn seiner toten Frau, den sie zur Adoption freigegeben hatte, taucht unerwartet auf. Sheldon Hawkes muss sich mit seiner Vergangenheit konfrontieren und wir erfahren, dass er ein begabter Chirurg war, der durch den Tod von zwei Patienten in die Pathologie wechselte; außerdem wird er fälschlich eines Mordes bezichtigt, weil der wahre Anstifter den Tatort entsprechend manipuliert hat. Don Flack muss – nach einer Episode in einer früheren Staffel – bereits zum zweiten Mal einen Kollegen aus dem Revier eines Verbrechens überführen. Zarte Gefühle zeichnen sich auch zwischen Danny Messer und Lindsay Monroe ab, doch letztere schreckt zurück. Der Grund wird klar, als sie einen Anruf erhält, dass sie zurück nach Montana kommen soll: Sie muss dort vor Gericht gegen einen Mann aussagen, der vor Jahren ein Massaker angerichtet hat, bei dem sie die einzige Überlebende war. Stella Bonsera schneidet sich an einem Tatort mit einer Scherbe, die mit dem Blut eines an Aids erkrankten Mordopfers bedeckt war. Die Furcht davor, sich angesteckt zu haben, beherrscht sie fortan.

Bilde ich mir das ein, oder waren die dramatischen Momente in früheren Staffel etwas dezenter gesetzt? Ich meine, nichts gegen gut geschriebene Charaktere, ihre Hintergrundgeschichte und ihre Entwicklung – aber das wird ja langsam schon ein wenig viel. Und das, was ich beschrieben habe, betrifft „nur“ die Charaktere selber und hat eigentlich mit den Krimi-Handlungen nur am Rande zu tun. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass von allen drei Serien die Staffeln noch nicht vollständig ausgestrahlt wurden, es fehlen also noch einige Episoden (etwas weniger als die Hälfte der Staffel). Was mir vor allen Dingen negativ auffällt, ist die nicht gerade neue und fast schon inflationär benutzte Idee, Hauptfiguren in eine Situation zu bringen, in denen sie fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt werden. Bei „CSI“ musste das in ähnlicher Weise schon Nick Stokes über sich ergehen lassen, nun haben beide anderen Serien nachgezogen. Und stets war die Konstellation die, das sich ein übereifriger Ermittler fand, dem es eine persönliche Freude zu sein schien, den Beschuldigten in die Pfanne zu hauen, während nur die Kollegen an dessen Unschuld glauben und letztlich die Wahrheit herausfinden.

Aber ich möchte nicht nur negative Kritik loswerden – alle drei Serien haben trotzdem ihre Stärken behalten und spannende Episoden. Mein persönlicher Höhepunkt aller drei Serien der derzeitigen Staffel ist allerdings bisher immer noch die Folge „Wachet auf“, die ich hier beschrieben habe. Allerdings bin ich bei „CSI: Miami“ gespannt, wie es jetzt weitergehen soll, denn die Episode, in der Eric Delko angeschossen wurde, wirkte schon so ein wenig wie ein Staffel-Finale.

Übrigens sind natürlich auch die „CSI“-Serien von dem Autorenstreik, der zurzeit in den USA herrscht, betroffen. Es kann also sein, dass die jeweils nächsten Staffeln, die in Deutschland Ende 2008 / Anfang 2009 ausgestrahlt werden sollen um einige Episoden gekürzt sind.

Über Thorsten Reimnitz 835 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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