seaQuest DSV – Jetzt taucht sie wieder!

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„Das 21. Jahrhundert… der Mensch hat die letzte unerforschte Region unserer Erde kolonisiert, den Ozean. Als Besatzung der SEAQUEST sind wir für den Schutz der Meere verantwortlich. Denn unter der Wasseroberfläche liegt die Zukunft!“
(das Vorwort der ersten Staffel von „seaQuest DSV“)

Manche Dinge dauern lange. Zum Beispiel, bis gewisse Serien auf DVD erscheinen – zumal in Deutschland. „seaQuest DSV“ ist ein Beispiel dafür. Die Serie wurde zwischen 1993 und 1996 produziert, ihre Einstellung nach 59 Episoden ist demnach über 10 Jahre her. Nun ist es aber soweit, vergangene Woche erschien der erste Teil der ersten Staffel als DVD-Box.

Die Geschichte der Serie spielt ein kleines Stück in der Zukunft (nach heutigen Maßstäben etwa 10 Jahre, im Jahr 2018). Die Menschheit hat den Ozean kolonisiert, da jedoch die Nationalstaaten und einige Konzerne mehr Gebiete – hauptsächlich zur Ausbeutung von Bodenschätzen – für sich beanspruchen, kommt es zu immer neuen Konflikten. Ein neuer Vertrag zwischen den Staaten muss her, und so wird die „United Earth Ocean Organisation“, kurz „UEO“ gegründet. Zum Schutz des Vertrags wird das größte U-Boot, die SEAQUEST DSV (= Deep Submergence Vehicle), in den Dienst der Organisation gestellt. Kapitän des Schiffes ist Nathan Bridger (Roy Scheider), der dazu allerdings erst einmal überredet werden muss.

In der ersten Staffel erforscht das Boot die Tiefsee („Tiefseeflimmern“, „Das versunkene Wissen“), leitet Rettungseinsätze („Die vergessenen Kinder“, „SOS im Sargassomeer“) oder wird in merkwürdige Ereignisse verstrickt („Das Geisterschiff“, „Die Meerjungfrau“). Jede Episode schließt mit einem Nachwort eines Mitarbeiters eines ozeanographischen Instituts, der auf Einzelheiten aus der jeweiligen Episode eingeht, zum Beispiel über die Besonderheiten von Unterwasser-Archäologie („Das versunkene Wissen“) oder von bioluminiszierenden Lebensformen („Tiefseeflimmern“). Der Vergleich „STAR TREK unter Wasser“ wurde mehr als einmal herangezogen und hinkt nicht – vor allem, da schon im Pilotfilm eine Notsituation entsteht, bei der die SEAQUEST das einzige Schiff in Reichweite ist. Man versuchte, bei den Handlungen sich am aktuellen Stand der Wissenschaft über die Ozeane zu orientieren. Auch die SEAQUEST selbst wurde mit der Hilfe von Experten entworfen. Das Ergebnis waren einige Episoden, bei denen das Zusammenspiel der Figuren einen großen Teil einnahm und sich die Handlung um moralische Fragen drehte, die sehr gegenwartsbezogen waren.

Mit der zweiten Staffel änderte sich das. In der letzten Folge der ersten Staffel war die SEAQUEST zerstört worden, die erste Folge von Staffel zwei setzt zwei Jahre später ein, mit der Fertigstellung des neuen Bootes. Bei den Episoden wurde von da an mehr Wert auf Action gelegt, gleichzeitig wurde der Schwerpunkt dieser Science-Fiction-Serie von „Science“ nach „Fiction“ verlagert. Außerirdische traten in Erscheinung, Monster und Dämonen. Am Ende dieser Staffel wurde sogar das ganze Boot auf einen fremden Planeten entführt.

Die Entwicklung der Serie gefiel dem Hauptdarsteller Roy Scheider nicht, so dass er seinen Ausstieg verkündete. Um wenigstens Teilweise zu den Ursprüngen der Serie zurückzukehren, wurde für die dritte Staffel erneut ein neues Konzept aufgesetzt. Die Handlung beginnt 10 Jahre nach der Entführung der SEAQUEST auf den fremden Planeten, die Serie erhielt einen neuen Titel – „seaQuest 2032“ – und wurde wieder etwas bodenständiger, wenn auch die Betonung auf das Element „Action“ blieb. Neuer Captain wurde Michael Ironside als Oliver Hudson, und die Situation ist auch eine neue: In den vergangenen 10 Jahren konnte die UEO ohne die SEAQUEST den Vertrag nicht schützen. Eine neue Diktatur erreichte ihren Höhepunkt, als das Bündnis „Macronesien“ versuchte, sein Gebiet zu vergrößern. Die Episoden dieser Staffel handelten dann auch hauptsächlich davon, diesen Expansionsgelüsten Einhalt zu gebieten. Das Ende der Serie, obwohl die Staffel mit einer „offenen Episode“ endet, konnte allerdings auch mit diesem Konzept nicht verhindert werden. Nach 59 Folgen wurde beschlossen, die Erzählung nicht fortzusetzen.

Parallel zu „Babylon 5“ wurden auch bei dieser Serie die Spezialeffekte vollständig im Computer, einem Commodore Amiga, erzeugt. Natürlich haben diese bedingt durch die Entwicklung auf dem Computer-Sektor inzwischen auch, wie man so schön sagt, „Patina“ angesetzt, aber man darf nicht vergessen, dass das damals neu und der Stand der Technik war.

„seaQuest“ hatte seine Momente und fand daher auch seine Fans, unabhängig davon, dass die ständige Änderung des Grundkonzepts auch viele vergraulte (einschließlich Schauspieler). Die Anspruch, eine weitgehend realistische Serie zu produzieren, legte die Messlatte hoch und die Episoden werden dem nicht immer gerecht. Vermutlich geht es aber jeder Serie so, dass Anspruch und Ergebnis nicht immer ganz übereinstimmen. Die Serie hätte durchaus ein, zwei Staffeln mehr verdient gehabt, allein, um das Konzept zu vervollständigen. So ist sie aber nun leider Bestandteil des „Universums der Unvollständigen“, in dem auch „Space – Above and Beyond“ und „Firefly“ zu finden sind.

Bleibt nur noch eine Frage, mit der man einen alten Witz aus den „Werner-Comics“ wieder einmal hervorholen kann: Taucht das DVD-Set was?
Falls Sie den Witz im letzten Satz nicht verstanden haben, lesen Sie einfach noch mal – so lange, bis Sie ihn verstanden haben. Ich warte gern.
Alles klar? Okay, hier nun die Antwort: Nun ja. Leider hat sich bei der deutschen Version der DVD-Box dieses „lasst uns mehr Geld machen, indem wir eine Staffel in zwei Teile teilen“-Virus festgesetzt. Während man im englischen Original die Staffel als ganzes kriegt, ist hier nur die erste Hälfte mit 12 Episoden erschienen. Auch das Bonus-Material hält sich etwas in Grenzen, es handelt sich hierbei um entfallene Szenen aus den ersten drei Episoden, die bei genauerer Betrachtung teilweise keine wirklich entfallenen Szenen sind, sondern alternative Fassungen. Entfallene Szenen gibt es hauptsächlich bei „Das versunkene Wissen“, wo große Teile der Handlung über die jugendlichen Phantasien des Computergenies Lucas Wolenczak (Jonathan Brandis) um Lieutenant Commander Hitchcock (Stacy Haiduk) der Schere zum Opfer fielen.
Von diesen negativen Punkten abgesehen ist die Box aber recht ordentlich. Die Einführung der DVDs wurde mit dem deutschen Sprechertext gestaltet und natürlich ist es ein Gefühl von Nostalgie, Gerd Günther Hoffmann als Roy Scheiders Stimme zu hören.
Teil 2 der ersten Staffel wird voraussichtlich Ende Januar 2008 erscheinen.
Fazit: diese DVD-Sammlung ist für die Fans… und solche, die es noch werden wollen. „seaQuest DSV“ ist eine Serie mit großem Potential, das sie leider nicht ausschöpfen durfte, aber das Potential ist in der Serie deutlich zu erkennen.

seaQuest DSV - Staffel 1.1

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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