Burma – eine Blogger-Aktion (3) und der Tag der deutschen Einheit

Nun steht also fest, was aus der Blogger-Aktion wird: Am morgigen Tag wird mit nur einem einzigen Beitrag auf die Situation in Burma hingewiesen. Die Aktion ist inzwischen richtig groß geworden, was natürlich auch Kritiker auf den Plan ruft. Nun darf man kritisch sein, das ist das Vorrecht in unserer Gesellschaft – zumindest hier. Aber die Kritik nimmt teilweise schon groteske Züge an und wird unsachlich. Allem voran wird natürlich das „Totschlagargument“ gebraucht, die Leute, die sich an der Aktion beteiligen, wollen vorrangig Traffic, Links, Trackbacks. In der Wissenswerkstatt gibt es dazu einen sehr schönen Artikel, der die Argumente der Gegner einer solchen Aktion beleuchtet und interessante Gegenfragen stellt. Noch dazu ist dieser Artikel völlig unaufgeregt und sachlich, was man von einigen Kritiken nicht behaupten kann (der Artikel ist hier). Was nämlich einigen Bloggern entgegenschlägt, sind perfide Drohungen. Wehe, man beteilige sich an der (Zitat) „schwachsinnigen SEO-Aktion“, dann würde man die Konsequenzen tragen müssen. Darüber berichtet Blogging Tom hier. Und einer derjenigen, die die Aktion mit ins Leben gerufen haben, nämlich Robert Basic, schreibt hier über die Kritik daran und die Verantwortung hinter „Free Burma“.

Ich habe mir indessen meine eigenen Gedanken gemacht und jeder mag sich dazu seine eigene Meinung bilden. Ich habe mir Gedanken gemacht, warum uns ausgerechnet diese Ereignisse zu so einer Aktion bewegen. In einem haben die Kritiker zweifellos recht: Auf unserer Erde gibt es genügend Krisenherde. Warum ausgerechnet Burma? Was uns Deutsche betrifft, so habe ich den Eindruck, dass wir stark an unsere eigene Vergangenheit erinnert werden. Nur um das mal auszudrücken: Heute ist der „Tag der deutschen Einheit“. Und dass Deutschland wiedervereinigt ist, dass hat auch mal genau so angefangen wie in Burma: mit friedlichen Protesten. Ich selbst war damals gerade in der weiterführenden Schule nach der Mittleren Reife. Für die Prüfung der Mittleren Reife (1987) habe ich noch gelernt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass es eine Wiedervereinigung in irgendeiner Form in nächster Zukunft geben werde und die beiden deutschen Staaten noch lange weiter existieren würden. Gerade mal drei Jahre später ist dieses Wissen Makulatur. Dass die Geschichte – oder das Schicksal, wie auch immer man das sehen will – es dabei mit den Deutschen recht gut gemeint hat, wird uns durch die Bilder von Burma wieder einmal drastisch vor Augen geführt. Es war nämlich keineswegs sicher, dass die Demonstrationen in der DDR von 1989 so glimpflich ablaufen, wie sie letztlich abgelaufen sind. Vor allem Erich Honecker, damals noch Staatsratvorsitzender, befürwortete eine „chinesische Lösung“ (bezogen auf das Massaker am Tian’anmen, bei dem im gleichen Jahr ein paar Monate zuvor die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen wurde). Seine Untergebenen waren es, die teilweise Befehle abmilderten, von dem Einsatz von Panzern abrieten und schließlich, als er weiter auf die harte Linie drängte und sich Reformen verweigerte, ihn absetzten. Hätte es unter diesen Leuten nur ein paar gegeben, die auf Honeckers Linie gewesen wären, hätte es auch anders ausgehen können.

Möglicherweise ist es das, was gerade wir Deutschen in Burma sehen: die „dunkle Variante“ unserer eigenen Geschichte, friedliche Proteste für eine Verbesserung der Lebensqualität, die von einem uneinsichtigen Regime mit aller Gewalt niedergeschlagen werden. Zum Glück kam es bei uns nicht dazu.

Deswegen werden wir von diesem Blog bei der Aktion dabei sein. Mehr Informationen gibt es hier: Free Burma!

Über Thorsten Reimnitz 839 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. STAR COMMAND » Burma, Birma, Myanmar (4) - der Tag danach
  2. STAR COMMAND » Mondpreise bei Medikamenten, Untätige bei Gewerkschaften, Missbrauch bei Studiengebühren, übereifrige Staatsanwälte, Autobahnen und Nobelpreise

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*