ASTERIX – ein Phänomen

„Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern erobert… Ganz Gallien?“

Nein, natürlich nicht. Und wenn der Spruch „Perlen vor die Säue werfen“ [oder wahlweise „Eulen nach Athen tragen“] auf etwas zutrifft, dann darauf, dass man noch erklären müsse, woher dieser Spruch stammt. Ob man ihn mag oder nicht, die Abenteuer von Asterix, dem Gallier, sind inzwischen schon so etwas wie ein Teil der europäischen Kultur geworden. Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht zumindest schon mal von ihm gehört hat.

Die Geschichte von Asterix begann 1959, als der erste Teil von „Asterix der Gallier“ in der französischen Jugendzeitschrift „Pilote“ veröffentlicht wurde. Erfunden hatten den gallischen Krieger der Texter René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo (in den Alben kurz „Goscinny & Uderzo“ genannt). Die ersten Abenteuer wurden zuerst in „Pilote“ als Fortsetzungsgeschichte geschrieben, und dann als Album komplett nochmals veröffentlicht. Und im Verlauf der Zeit wurde Asterix ein großer Erfolg, auch international. Bereits 1965/66 erschienen die Abenteuer in Deutsch, allerdings noch als Bestandteil des vom Kauka-Verlag (von Verleger Rolf Kauka, dem Erfinder von Fix und Foxi) herausgebrachten Heftes „Lupo Modern“. Kauka jedoch drückte jedem vom Ausland gekauften Comic seinen persönlichen Stempel auf. So wurde Franquins Serie „Gaston“ zu „Jo-Jo“ [in der „Jo-Jo“-Gaston furchtbar stotterte] oder „Spirou und Fantasio“ zu „Pit und Pikkolo“ [und das ebenfalls in der Reihe auftauchende Marsupilami zu Kokomiko]. Die Gallier Asterix und Obelix wurden in der Bearbeitung zu den Germanen „Siggi und Babarras“, die sich in dem Dorf „Bonnhalla“ rechts des Rheins amerikanischen Besatzern entgegenstellen. Da die Handlung der Geschichten ähnliche Wandlungen erfuhren, so dass aus dem Kampf der Gallier gegen die Römer ein Abbild von „Stammtischmeinungen“ der konservativen Szene über die aktuelle Politik der 1960er Jahre wurde, und die Autoren ihr Werk so verfremdet sahen, entzogen sie dem Kauka-Verlag das Recht zum Abdruck.

Ab 1967 übernahm der Ehapa Verlag die Rechte, die er bis heute immer noch hat. Allerdings kam es bei der Veröffentlichung der bisher erschienenen Abenteuer zu einem Bruch in der Reihenfolge. Als 1968 die beiden ersten Alben erschienen, kam gerade der Zeichentrickfilm „Asterix und Kleopatra“ ins Kino. Und obwohl der dazugehörige Band eigentlich Nummer 6 der Reihe ist, wurde er als Nummer 2 veröffentlicht, als „Comic zum Film“. Damit nahm dummerweise auch die Handlung ein paar Logikbrüche hin, zum Beispiel, dass Idefix, Obelix‘ Hund bereits dabei ist, obwohl der erst in „Tour der France“ (Nr. 5, also genau ein Album vor „Kleopatra“) zum ersten Mal auftaucht, oder die Piraten, die beim Anblick der Gallier ihr Schiff aus Angst selbst versenken, obwohl die erste Begegnung mit ihnen in „Asterix als Gladiator“ (Nr. 4) stattfindet und sich mit „Tour de France“ erst zum Running Gang entwickelt.

In 32 Alben und einer Sonderausgabe erlebten die Gallier seither ihre Abenteuer. Seit dem Tod von Goscinny 1977 entwickelt Uderzo allein die Geschichten, die zwar zur Zeit des römischen Imperiums spielen und diese Epoche auch sehr getreu wiedergeben, aber immer auch Bezüge zur Gegenwart haben, etwa bei den Eigenarten der verschiedenen Völkern, die Asterix auf seinen Reisen kennenlernt. Manche Zitate aus der Serie [„Wir schreiben das Jahr 50 vor…“, „Die spinnen, die Römer!“, „Passierschein A 38“] haben sogar Eingang in den modernen Sprachgebrauch gefunden.

Um die Reihe entsprechend zu würdigen, wurde vom Ehapa Verlag im Jahr 2000 die „Gesamtausgabe“ herausgebracht. In einem großformatigen Buch mit Hardcover in blauer Lederoptik sind immer drei Alben abgedruckt. Vor den einzelnen Alben gibt es Seiten mit Informationen, wie das jeweilige Album entstand. Außerdem sind auch Kurzgeschichten rund um Asterix, die Goscinny und Uderzo erfunden haben, abgedruckt, etwa „Obelisc’h“, in der die beiden einen leibhaftigen Nachfahren von Obelix treffen und mit nach Paris in die Redaktion ihres Magazins nehmen.

Wohin die Reihe noch gehen wird, bleibt abzuwarten. Der bisher letzte Band, „Gallien in Gefahr“, der 2005 erschien, wurde etwas kontrovers betrachtet, zum einen, weil dort mit dem Auftauchen zweier außerirdischer Kulturen Science-Fiction-Elemente in die Serie eingebracht wurden, zum anderen, weil die in dem Abenteuer verarbeitete Allegorie einer Warnung vor der schleichenden Ersetzung Comics klassischer Machart durch japanische Mangas so nicht von jedem geteilt wurde. Weiters wurde bemängelt, dass die Handlung durch die Verwendung von einzelnen Bildern, die teilweise eine halbe bis eine ganze Seite einnahmen, gestreckt wurde. Auch dass sich Uderzo im Nachwort ausgerechnet vor Walt Disney, den er als „berühmten, wundervollen Druiden“ bezeichnet, der es ihm (Uderzo) ermöglichte, „in einen Kessel voll Zaubertrank“ zu fallen, verbeugt, wurde mit Befremden aufgenommen. Disney hatte das Zeichnen selbst bereits 1926 aufgegeben, überließ die Konzeption der Figuren anderen Künstlern und fungierte nur noch als Produzent und „Ideengeber“.

Uderzo selbst meinte, auf die Zukunft von Asterix angesprochen, dass er noch nicht am Ende sei und trotz seines Alters (er wurde am 25. April 2007 80 Jahre) gern noch ein Abenteuer zeichnen würde. Wir werden also sehen müssen, was die Zukunft dem Gallier aus der Vergangenheit bringen wird.

Die Wartezeit bis dahin kann die ASTERIX Gesamtausgabe verkürzen. Die ersten sechs Bände der Reihe (umfassend die Alben 1 bis 18) gibt es in einer Auktion, die noch bis zum 28. Oktober 2007 läuft:


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Über Thorsten Reimnitz 839 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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