Online-Auktion: Möchte jemand Belgien haben?

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Ich versteigere ja auch dies und das bei eBay. Manchmal bin ich überrascht, wie viel manche Dinge für andere noch wert sind. Manchmal bin ich auch überrascht, wie wenig dafür andere Sachen einbringen. Aber ich habe noch nie versucht, ein ganzes Land zu versteigern. Das mag damit zusammenhängen, dass ich keines besitze [wenngleich jemand in meinem Bekanntenkreis sich mit seiner Familie den Scherz erlaubt hat, ich würde „von“ heißen, mein Adelstitel wäre mir aber peinlich, so bin ich doch nicht der Souverän eines Landes, nicht mal eines Landstrichs; und auf den zweiten Blick gesehen ist das vermutlich auch besser so!]. Nun wurde bei dem Internet-Auktionshaus aber Belgien zur Versteigerung angeboten.

Hinter dem Ganzen steckt eine Aktion des belgischen Reporters Gerrit Six. Der ist frustriert über die Zustände in seinem Land, denn 100 Tage nach der Wahl (!) ist man dort weiterhin unfähig, eine Regierung zu bilden. Nach 100 Tagen wird bei uns schon Bilanz gezogen… Auf diesen Missstand wollte Six aufmerksam machen und entsprechend zynisch bis scharf formuliert war sein Angebot: „Sie bieten auf ein Königreich in drei Teilen“, hieß es dort. „Mit einem einzigen Nachteil: 300 Mrd. Euro Staatsschulden.“ Doch das war nicht wirklich der einzige Nachteil, denn der Reporter schob nach: „Belgien besteht aus Flandern, Brüssel und Wallonien. Es kann als Ganzes gekauft werden, das ist aber nicht ratsam.“ Denn genau das ist der Hauptgrund, warum das Land auch nach 100 Tagen noch keine Regierung hat, nicht der Streit um unterschiedliche Parteiprogramme, sondern dass sich französische und flämische Politiker um die Verteilung von Geldern streiten.

Der Startpreis für Belgien war 1,00 Euro. Innerhalb von drei Tagen boten 26 Mitglieder auf das Land und trieben den Preis bis auf 10 Millionen Euro hoch, bevor eBay das Angebot stoppte, weil man dort nichts anbieten dürfe, das „virtuell“ sei oder einem nicht gehöre.

Eine interessante Aktion, wie ich finde, die ihre Aufmerksamkeit erregt hat. Vielleicht können wir aus Deutschland auch etwas anbieten?

„Sie bieten auf ein Grundgesetz, billig abzugeben, weil nicht mehr benötigt…“

Weitere Informationen: FTDstern, sueddeutsche.de

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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