STAR TREK: Woher – wohin?

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Gleich zu Beginn: Es war dieser Blogeintrag, der mich über STAR TREK resümieren ließ. In dem Blogeintrag werden Ausschnitte aus einer amerikanischen Talkshow wiedergegeben, die – zumindest was STAR TREK betrifft – beinahe schon historischen Wert hat. Sie entstand nämlich in einer Zwischenphase, zwischen TV-Serie und erstem Kinofilm. In dieser Show sind die STAR-TREK-Darsteller Walter Koenig, DeForest Kelley und James Doohan zu Gast, sowie Al Shuster (der damals die ersten Conventions organisierte) und der Autor Harlan Ellison.

Sie sprechen unter anderem über das, was man damals schon das „Phänomen Star Trek“ nannte. Die Serie war nach drei Jahren abgesetzt worden, wurde aber durch Wiederholungen und Verkauf ins Ausland immer bekannter und beliebter. Shuster berichtet davon, wie er zu seiner ersten Convention 300 Leute erwartete – und 3.000 kamen. Dabei wird aber auch nicht an kritischen Worten gespart, die vor allem von Harlan Ellison kommen. STAR TREK, so stellt er fest, hat ein paar interessante Aspekte aufgebracht, aber leider aus verschiedensten Gründen dort nicht weiter gemacht. Koenig beschreibt die Serie als „ein Sprungbrett“, von dem aus man starten könne, den sie habe verschiedenes möglich gemacht.

Was ist aus diesem Sprungbrett geworden? Wenn man es genau betrachtet, war die Serie irgendwann in eigenen Konventionen gefangen. Als THE NEXT GENERATION dem Ende zuging, ging es um die Frage, wie kann man das fortsetzen. Man wollte etwas anderes machen und entschied sich für die Raumstation DEEP SPACE NINE. Um den Übergang fließend zu gestalten, liefen die letzten Staffeln von TNG und die ersten Staffeln von DS9 parallel. Als die Produzenten sahen, dass zwei parallel laufende STAR-TREK-Serien auch ihre Zuschauer haben, wollten sie das wiederholen. Doch da wurde eine Konvention aufgebaut: Es sei nicht möglich, so hieß es, zwei Serien parallel laufen zu lassen, die „in der gleichen Gegend“ spielen. Es würde zu Handlungskonflikten kommen. Also war man gezwungen, sich auszuhelfen und hob VOYAGER aus der Taufe. Das Schiff wurde im Pilotfilm 75.000 Lichtjahre weit weg entführt und konnte so schnell nicht mehr zurück. Der große Handlungsrahmen der Serie war also die Reise nach Hause. Allerdings wurde es da schon merkwürdig, denn anstatt den direktesten und kürzesten Weg nach Hause zu nehmen, bog die VOYAGER des öfteren mal ab, hielt sich mal hier auf, mal dort… Nach dem Ende der Serie fing es dann an, noch merkwürdiger zu werden.

Offenbar hatte STAR TREK klammheimlich seine Vorreiterstellung abgegeben. Während der Beginn von DS9 noch „klassisch“ war, indem im Pilotfilm ein paar Rätsel aufgeworfen wurden, die vielleicht irgendwann mal gelöst werden würden (vorausgesetzt, es findet sich ein Schreiber dafür), macht sich im Verlauf der Serie der Einfluss des Konkurrenzprodukts BABYLON 5 bemerkbar. Diese Serie bewies, dass auch eine Science-Fiction-Serie mit großem Handlungsbogen erfolgreich sein kann, entsprechend wurden die Geschichten von DS9 immer zusammenhängender, bis auch dort schließlich Ereignisse eintraten, die dem alten „nach der Show ist vor der Show“-Schema (im Sinne davon, dass am Ende einer Episode der gleiche Zustand herrschen musste wie davor) völlig abschworen. VOYAGER hatte dann von vorneherein, wie bereits erwähnt, einen großen Handlungsbogen.

Auch nach dem Ende von VOYAGER begann man nun verstärkt, nach der Konkurrenz zu schauen. Es macht den Eindruck, als ob man nicht mehr den Mut hatte, selbst etwas zu wagen. Nachdem George Lucas mit Erfolg anfing, die Vorgeschichte seiner klassischen STAR-WARS-Filme zu produzierten, befand man offenbar, dass das mit STAR TREK auch gehen müsse. Man hatte nur eines übersehen: Seit den ersten drei Filmen waren die Fans in einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber STAR WARS. Sie wollten endlich erfahren, wie sie denn nun beginnt, die große Geschichte. Mit der Ankündigung, diese Vorgeschichte zu verfilmen, trat George Lucas offene Türen ein.
Bei STAR TREK war das eigentlich nicht so. Die Fans waren eigentlich damit zufrieden, dass die Geschichte mit der Mission der ersten ENTERPRISE unter James T. Kirk begann. Doch die Produzenten hatten offenbar das Gefühl, das „CLASSIC“-Gefühl wieder herstellen zu müssen. Und das ging nur, indem man die Serie aus der modernen Zeit von DS9 oder VOYAGER in eine Zeit zurückführte, als es noch ein großes Abenteuer war, Raumfahrt zu betreiben, als die Männer noch Männer waren, die Frauen noch Frauen und kleine, wuschlige Wesen von Alpha Centauri noch kleine, wuschlige Wesen von Alpha Centauri. Die Lösung: ein STAR-TREK-Prequel mit Namen ENTERPRISE. Dass man damit die gewachsene Struktur der bisherigen Serien durchbrach, schien niemand zu stören. Genauso gab es einen Bruch in der Entwicklung, die bisher jeder neuen Serie allein schon durch die neuen, tricktechnischen Möglichkeiten anzusehen waren. ENTERPRISE wirkt wesentlich moderner als das klassische STAR TREK, das ja nun eigentlich später spielt.
Das Resultat: Ende der Serie nach 4 Jahren.

Und damit stand man vor einem Dilemma. Was tun? Was für ein Glück, dass mittlerweile die Serie BATTLESTAR GALACTICA recht erfolgreich wurde. Hier hatte man sich etwas getraut: statt eine Fortsetzung der Serie aus den 1970er- und 80er-Jahren zu produzieren, beschloss man, einfach noch mal von vorn anzufangen. Man scheute sich sogar nicht davor, das Geschlecht mancher Figuren zu vertauschen, ganz zu schweigen von charakterlichen Änderungen und Hintergrund. Die Rechnung ging auf, die Serie hatte Erfolg.
Bei den Produzenten von STAR TREK hat man das offenbar auch bemerkt, denn auf einmal hieß es, man müsse „das Franchise STAR TREK neu starten“. Geschehen sollte das mit dem nächsten Kinofilm, der (bis jetzt) einfach nur den Titel STAR TREK tragen sollte und zu einer Zeit spielen soll, in der sich die Hauptcharaktere der klassischen Serie, Kirk und Spock, erst kennenlernen. Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Aber wiederum wurde offenbar ein großer Unterschied nicht wahrgenommen: der Neustart von BATTLESTAR GALACTICA hat deswegen so gut funktioniert, weil die Handlung der Serie damals nicht abgeschlossen war und weil sich nie ein so großes Fandom gebildet hatte, wie STAR TREK es – trotz allem – immer noch hat. Man konnte also etwas mehr wagen. Wenn man aber das „STAR TREK Franchise“ neu starten will und mit einem allzu radikalen Schnitt die Fans verärgert, ist das für das Projekt gefährlicher als hätte man einfach „noch irgendso einen ST-Film“ produziert.

In den Filmausschnitten, die in dem oben erwähnten Blogbeitrag gezeigt werden, wird auf das Problem bereits eingegangen – und das schon in den 1970er Jahren. Das Sprungbrett, wie Koenig es skizziert, wird nicht genutzt, nicht einmal von den Produzenten von STAR TREK selbst.

Also – wo geht es hin? Die Frage wird wohl erst Weihnachten 2008 geklärt werden. Der neue Film soll am 25.12. des Jahres in die Kinos kommen. Aktuelle Informationen darüber gibt es hier.

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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