Monty Python’s “Das Leben des Blogger”

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Um noch einmal auf die Aktion von endl.de zurück zu kommen, das Blogger-Leben in Monty-Python-Szenen umzuschreiben (siehe hier), die ich mit „Die Blogger der Kokosnuss“ hier schon bedacht habe (was dann zu dem netten Untertitel dieses Blogs führte), so haben mich verschiedene Ereignisse der letzten Tage dazu inspiriert, eine weitere Szene zu bearbeiten. Die Inspiration kam durch neue Abmahnereien von Blogs, wie sie Stefan Niggemeier zum Beispiel hier beschreibt (noch mehr steht hier, hier, hier, hier und hier, außerdem gibt es eine Diskussion auf dem RA-Blog). Es geht mir dabei nicht so sehr um die aktuelle Sache an sich, jeder soll sein Recht bekommen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Allerdings scheint es langsam in Mode zu kommen, mit den Leuten vorher nicht mehr zu reden, sondern – wie in den USA – gleich mit dem Rechtsanwalt und einer kostenpflichtigen Abmahnung zu kommen. Manchmal hätte einfach eine freundliche eMail gereicht, um die Sache – eine Bezeichnung oder, wie auch schon geschehen, ein Foto – aus der Welt (beziehungsweise von der Homepage / dem Blog) zu schaffen. Keiner hätte Stress gehabt.

Die bearbeitete Szene stammt aus dem Film „Das Leben des Brian„. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, deren Haustieren, Bekleidungsstücken etc. etc. ist weder irgendwie so gemeint oder auch anders in jedem Fall ein ehrlich nicht bös gemeinter Zufall, echt ehrlich!

Szene 8: Eine Steinigungsstätte. Ein Rechtsanwalt mit ein paar Gehilfen stellt den zu steinigenden MC zur Rede. Eine große Menschenmenge hat einen Halbkreis um die Situation gebildet. 90% davon sind Frauen mit [falschen] Bärten, da Frauen zur Steinigung eigentlich nicht zugelassen sind. Im Umkreis stehen einige Medienjournalisten und betrachten das ganze argwöhnisch.

Anwalt: MC, Sohn des Neunzehn von ap…

MC: (zu einem Gehilfen des Anwalts, der ihn an einer Kette festhält) Was muss ich jetzt sagen? Ja?

Gehilfe des Anwalts: Ja.

MC: Ja.

Anwalt: Du bist von den Abmahnern für schuldig befunden worden, den Namen des Herrn genannt zu haben, und so sollst Du als Gotteslästerer zu Tode gesteinigt werden.

MC: Hören Sie, ich hatte gerade ganz wunderbar zu Abend gegessen, und da hab ich bloß in meinem Blog geschrieben: „Dieses Stück Heilbutt war ein Mahl für Jehova.“

Anwalt: Blasphemie! Er wiederholt seine Lästerung!

Frauen: (kreischend) Ja, hat er.

Anwalt: Habt ihr das gehört?

Frauen: (kreischend) Ja, haben wir. Wirklich.

Anwalt: (irritiert) Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?

Die Frauen schütteln alle die Köpfe und verneinen mit absichtlich tief gestellter Stimme. Der Anwalt wendet sich wieder MC zu.

Anwalt: Nun denn, kraft der Amtsgewalt, die mir verliehen…

Eine der Frauen wirft einen Stein, der MC trifft.

MC: Aua! Wir haben doch noch gar nicht angefangen!

Anwalt: (dreht sich um) Raus damit, wer war das? Wer hat den geschmissen?

Schweigen.

Anwalt: Wird’s bald? Wer hat ihn geschmissen?

Einige der Frauen zeigen auf die Übeltäterin.

Frauen: (kreischend) Sie war’s. (plötzlich, mit absichtlich tief gestellter Stimme) Er war’s. Er. Der da.

Übeltäterin: (mit sehr tiefer Stimme) Tut mir leid, ich dachte, wir hätten schon angefangen.

Anwalt: Abmarsch nach hinten.

Übeltäterin: (enttäuscht) Oje.

Sie geht nach hinten.

Anwalt: Es ist doch immer das gleiche, einer tanzt immer aus der Reihe. Also, wo waren wir?

MC: Hören Sie, ich weiß nicht, was daran Blasphemie sein sollte, wenn man einfach nur „Jehova“ sagt!

Die Frauen schnappen hörbar nach Luft.

Frauen: (mit hoher Stimme) Er hat es wieder gesagt! (mit tiefer Stimme) Er hat es wieder gesagt.

Anwalt: (zu MC) Du machst es nur noch schlimmer für Dich!

MC: Noch schlimmer? Wie könnte es denn noch schlimmer werden? (laut) Jehova, Jehova, Jehova…

Anwalt: Ich warne Dich! Wenn Du noch einmal „Jehova“ sagst…

Prompt kommt ein Stein aus der Menge geflogen und trifft ihn am Hinterkopf.

Anwalt: So! Wer hat den geworfen?

Frauen: (mit hoher Stimme) Sie war’s. Er war’s. (mit tiefer Stimme) Er war’s.

Sie deuten auf Frau P. Der Anwalt baut sich vor ihr auf.

Anwalt: Warst Du das?

Frau P: Ja.

Anwalt: Und…?

Frau P: Sie haben „Jehova“ gesagt.

Die Frauen kreischen alle auf und beschmeißen sie aus nächster Nähe mit Steinen. Sie fällt zu Boden. Schneller Schnitt auf die Reaktion der Medienjournalisten. Sie schütteln die Köpfe und raunen einander zu.

Anwalt: (laut) Aufhören! Hört auf, wollt Ihr wohl aufhören! Jetzt hört mal her, niemand steinigt irgendjemand, bevor ich nicht auf dieser Pfeife geblasen habe! Selbst wenn… und ich möchte, dass das absolut klar ist… selbst wenn jemand „Jehova“ sagt.

Eine kurze Pause. Dann schmeißen alle Frauen Steine auf den Anwalt, und er sackt zusammen. Fünf Frauen schleppen im Eilschritt einen riesigen Felsbrocken herbei und lassen ihn auf den Anwalt fallen.

Frau: Guter Wurf!

Alles applaudiert. Die Medienjournalisten schütteln traurig die Köpfe.

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

5 Kommentare

  1. hm. ich hatte begonnen, genau das zu tippern. nur mit Trigamie anstatt Jehova. Die Abmahnerei geht mir genauso auf die Nerven, von daher: top!

  2. Ups, tut mir leid… aber bei dem Fall war das erste, das mir beim Lesen der ganzen Beiträge einfiel: „Er hat Jehova gesagt!“ Da konnte ich nicht widerstehen.

    Die Szene gibt vielleicht trotzdem noch eine Variation her?

1 Trackback / Pingback

  1. geburtstagsprinzessin des tages : Leere Signifikanten

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