Monty Python’s “Die Blogger der Kokosnuss”

Im Blog von endl.de ist eine sehr schöne Idee ausgearbeitet, nämlich bekannte Stellen aus Monty-Python-Filmen (oder TV-Shows) in „Blogger-Situationen“ umzuschreiben. Dort hat man das mit einer Szene aus „Das Leben des Brian“ gemacht und dazu aufgerufen, selbst etwas zu schreiben. Als Fan von Monty Python kann ich mir eine solche Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen, nehme allerdings einen anderen Film:

7. Szene: Eine Wiese. Im Hintergrund ist eine Burg zu sehen, das „Castle of V.i.S.d.P.“, das allerdings verlassen zu sein scheint. Artus, der Chefredakteur, kommt des Wegs, hinter ihm sein Gefolgsmann Patsy, der zwei Kokosnüsse im Takt zusammenschlägt, um die Hufe eines Pferdes zu imitieren. Im Vordergrund schuftet sich ein Blogger auf seinen Knien ab und versucht mit bloßen Händen und einem Zweig, den Boden umzugraben. Etwas weiter ist eine Bloggerin zu sehen. Artus und Patsy reiten heran und kommen vor dem Blogger zum Stehen.

  • He! Alte Frau!
  • [dreht sich um] Ich bin ’n Mann!
  • Tut mir leid. Alter Mann, welcher Redakteur lebt dort in der Burg?
  • Ich bin siebenunddreißig.
  • Wie bitte?
  • Ich bin erst siebenunddreißig… Ich bin nicht alt.
  • Das tut mir leid, ich wusste nicht, wie ich dich anreden soll.
  • So sagt Dennis zu mir.
  • Das wusste ich nicht, dass du Dennis heißt.
  • Gefällt euch „Winkelried“ besser?
  • Nein, ich mag Namen, die auf „-is“ enden, Dennis, Willis, Isis…
  • Deswegen müsst ihr doch nicht gleich anfangen, Ostfriesenwitze zu erzählen. Was macht ihr denn so den Tag über?
  • Nun, ich bin Chefredakteur.
  • Ach, Chefredakteur sein ist auch nicht abendfüllend. Wie seid ihr das geworden, Chefredakteur? Ich wette, ihr habt den ersten Platz beim „Wolken-um-die-Ecke-schieben“ gemacht! Oder seid ihr der beste beim Sprücheklopfen, etwa mit „My Home is in Kassel“? Ihr klammert euch an ein überholtes imperialistisches Dogma, das die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit in dieser Gesellschaft aufrechterhält. Wenn es jemals irgendeinen Fortschritt geben soll …
  • [sie kommt dazu] Hier drüben gibt es richtig schönen Dung … Oh! Guten Tag.
  • Guten Tag, gute Frau … Ich bin Artus, der Chefredakteur… Kannst du mir sagen, wer dort in der Burg wohnt?
  • Chefredakteur der was?
  • Der Journalisten.
  • Wer sind denn die Journalisten?
  • Wir alle… Wir sind alle Journalisten, die wir für die Öffentlichkeit schreiben und berichten… Und ich bin euer Chefredakteur.
  • Ich wusste gar nicht, dass wir einen Chefredakteur haben. Ich dachte, wir seien ein autonomes Kollektiv.
  • Du machst dir was vor. Wir leben in einer Diktatur, in einer sich selbst erhaltenden Autokratie, die der Arbeiterklasse…
  • Fängst du schon wieder an mit deiner „klassenlosen Gesellschaft“?
  • Aber nur darum geht es doch. Wenn bloß…
  • [unterbricht ihn] Ihr guten Leute, ich bitt‘ euch, ich habe es eilig. Welcher Redakteur wohnt dort in der Burg?
  • Da wohnt niemand.
  • Aber wer ist dann euer Herr?
  • Wir haben keinen Herrn.
  • Was?
  • Ich hab’s euch doch gesagt, wir sind Blogger! Eine anarcho-syndikalistische Kommune, und jeder von uns darf schreiben und berichten. Außerdem darf jeder mal abwechselnd für eine Woche „Vierte Gewalt“ spielen.
  • Ja…
  • Wir schreiben gern über aktuelle Politik, aber eigentlich zur Hauptsache nur selbstreferenzielles Zeug…
  • Ja, verstehe …
  • … und lesen auch mal in anderen Blogs nach, um Artikel über deren Artikel zu schreiben…
  • Schweig.
  • … oder aber wir schreiben über das, was wir gerade tun, Wasser trinken, auf der Toilette sitzen, schlafen…
  • Schweig! Ich befehle dir, den Mund zu halten!
  • Befehlen, wie? Was glaubt er eigentlich, wer er ist?
  • Ich bin euer Chefredakteur.
  • Also, ich hab Euch nicht gewählt.
  • Chefredakteure werden nicht gewählt.
  • Und wie seid Ihr dann Chefredakteur geworden, mh?
  • Die Dame des Presserechts, deren Arm in feinste Seide schimmernd gekleidet war, hob sich aus den Tiefen des Wassers empor und reichte mir das Zepter, um also kundzutun, dass ich, Artus, durch göttliche Vorsehung bestimmt sei … Darum bin ich euer Chefredakteur .
  • Hört mal, komische Frauen, die rücklings in Teichen liegen und Zepter austeilen – das ist doch keine Basis für die unabhängige Kontrolle von einem Regierungssystem. Die „Vierte Gewalt“ muss einem Mandat der Massen entspringen und nicht irgendeiner verlogenen Wasserzeremonie.
  • Schweig still!
  • Glaubt ihr etwa, ihr habt die Macht, nur weil eine dahergelaufene Wasserschlampe euch mit’m Zepter zugewinkt hat?
  • Halt den Mund!
  • Ich mein, wenn ich durch die Gegend laufen und behaupten würde, ich sei der große Herrscher, weil mir irgend so eine angefeuchtete Schnepfe ein Zepter hinterhergeschmissen hätte – die Leute würden doch mit der Zwangsjacke kommen.
  • [packt ihn am Kragen] Wirst du jetzt endlich dein Maul halten? Halt dein Maul!
  • [laut] Aha! Da sehen wir die Gewalt, auf die sich das System der traditionellen Medien stützt!
  • Halt’s Maul!
  • [weitere Blogger werden von dem Geschrei angelockt und beobachten das Geschehen] Kommt und seht euch die Gewalt an, auf die sich das System stützt. Hilfe, Hilfe, ich werde unterdrückt!
  • Blöder Blogger! [er stößt Dennis in den Dreck und schickt sich an weiterzureiten]
  • Ohooo! Habt ihr das gehört? Habt ihr gesehen, wie er mich unterdrückt hat?
  • Los jetzt, Patsy [Sie reiten davon. Die Kamera zieht auf.]
  • [im Hintergrund verschwindend] Habt ihr alle gesehen, wie er mich unterdrückt hat? Ich hab’s euch doch die ganze Zeit gesagt …

Soweit mein Beitrag zum Thema, inspiriert durch einige Diskussionen und Äußerungen von Journalisten in letzter Zeit. Aber es ist alles reine Fiktion, Ähnlichkeiten mit realen Personen wäre zufällig. Vielleicht auch unvermeidlich.

Noch weitere Wortmeldungen?

Über Thorsten Reimnitz 840 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

4 Kommentare

  1. Du hast den entscheidenden Schlußspruch vergessen:

    – [im Hintergrund verschwindend] Habt ihr alle gesehen, wie er mich unterdrückt hat? Ich hab’s euch doch die ganze Zeit gesagt …

    – Blöder Blogger…

  2. ich bin dafür fürderhin sämtlichen nervigen dikussionen auf die obige atr zu verhandeln.

    größt möglicher vorteil in der B* note.

    *blog

  3. Hey Thorsten,

    wir sind mit Radio ENERGY in Nürnberg auf der Suche nach einem Monty Python Fan. In den unendlichen Weiten von Google bin ich auf dich gestoßen.
    Hättest du Zeit und Lust mit uns ein Interview zum Thema „Monty Python“ zu führen bzw kennst jemanden, der riesiger Monty-Python-Fan ist? Das wäre super.

    Grüße,
    Bianca

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