Die Wandlung des Sumpfs

Nachdem ich die Geschichte „Meine Begegnungen am Sumpf“ in diesem Blog veröffentlicht hatte, habe ich einige sehr positive Rückmeldungen erhalten. Und manche fragten mich, ob denn der Sumpf keine Möglichkeit hat, sich zu wandeln. Doch, natürlich hat er die. Und gerade heute habe ich durch Zufall eine Geschichte gefunden, die ich sehr passend finde. Da sie nicht von mir ist, gebe ich sie hier nicht wieder, sondern verweise auf eine andere Webseite, wo sie unter dem Titel „Der Felsen und der Sumpf“ zu lesen ist (es sind zwei Geschichten auf dieser Seite, die vom Felsen und vom Sumpf ist weiter unten).
Bevor Sie hier weiterlesen, gehen Sie bitte zuerst auf diese Seite und lesen sich die Geschichte durch. Sie ist kurz und prägnant. Anschließend können Sie hierher zurückkehren, denn im Folgenden will ich etwas auf diese Geschichte eingehen.

Der Sumpf, den ich in meiner Erzählung beschrieben habe, ist etwas anders als der in dieser Geschichte, er lässt sich nämlich nicht auf andere ein. Insofern ähnelt er eher dem Fels. Möglicherweise erleben wir hier zwei Formen der Wandlung. Der Sumpf aus meiner Geschichte wird sich zum Felsen wandeln, da er immer härter wird. Er lässt sich nicht auf andere ein. Auch nicht auf die Bäche aus der anderen Geschichte. Also kommt kein frisches Wassser in den Sumpf, keine frischen Gedanken und Ideen. Der Sumpf erstarrt und erhebt sich als Felsen über die Landschaft.
Anders ist der Sumpf aus der anderen Geschichte, er ist offen und begrüßt die zwei Bäche, die zu ihm fließen. Und im Zuge seiner Offenheit wandelt er sich zu einem See, und immer mehr Lebewesen suchen seine Nähe. Durch die Offenheit wandelt sich sowohl der Sumpf als auch der Bach. An dem Fels jedoch würde der Bach abprallen. Der Bach wäre gezwungen, sich zu wandeln, während der Fels sich gar nicht wandelt. Diese Beziehung ist gänzlich anders, es herrscht kein Austausch, zumindest nicht auf der gleichen Ebene, denn während die Wandlung des Sumpfes zum See in einem relativ kurzen Zeitraum abläuft, bräuchte der Bach Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, um merkliche Spuren an dem Fels zu hinterlassen. Und diese wären im Vergleich zur Wandlung des Sumpfes minimal.

Jeder hat es in der Hand, am stetigen Wandel in der Welt teilzunehmen oder sich diesem zu verweigern. Bei letzterem darf man sich dann aber nicht wundern, wenn jemand – so wie der Bach zum Fels – sagt: „Ich will nicht Dein Freund sein.“ Wandel heißt aber nicht, dass man sich selbst völlig aufgeben muss. Ein See ist immer noch ein Gewässer, genauso wie ein Sumpf. Und es heißt auch nicht, dass man mit Jedermann befreundet sein muss. Das geht nicht. Man muss das rechte Maß finden, das ist die Schwierigkeit. Der Fels aus der zweiten Geschichte verlangt nur von den anderen die Wandlung, damit sie zu ihm passen. Er denkt, umgekehrt muss es nicht sein. Entweder die anderen passen oder nicht. Deswegen ist er am Schluss einsam.

Auf der Seite mit der Geschichte vom Fels und vom Sumpf findet sich noch eine andere, „Die Schwertlilie“. Diese hat ein interessantes Schlusswort, das auch auf diese Geschichte passt, denn es geht im Grunde um die Unkenntnis über andere, deswegen möchte ich dieses zum Abschluss hier zititeren:

„Die Hochmütigkeit und das Gefühl der Minderwertigkeit sind Geschwister. Sie entstehen aus Unkenntnis seiner selbst und der Umwelt.“

Über Thorsten Reimnitz 835 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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