"Der Arschloch-Faktor" von Robert I. Sutton

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Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einer Besprechung in Ihrem Kollegenkreis wird über ein Projekt diskutiert. Im Verlauf der Diskussion reißt einer Ihrer Kollegen immer häufiger das Wort an sich, kommentiert alles und jeden und je mehr er das tut, desto unsachlicher und persönlicher werden seine Kommentare, die sich immer mehr in Attacken verwandeln. Als er Ihnen auch noch Versagen vorwirft, wird es Ihnen zu viel und sie widersprechen heftig. Das lässt er jedoch nicht gelten, egal was sie vorbringen, Ihre Arbeit wird durch Aussagen von ihm in ein schlechtes Licht gestellt, so dass jede Art einer sachlichen Diskussion endgültig unmöglich geworden ist. Verstärkt wird das ganze dadurch, dass sich nun zwei Lager bilden: diejenigen, die Ihnen beipflichten, dass alle Kritik Ihres Kollegen unsachlich seien und diejenigen, die nun ebenfalls auf Ihnen herumhacken und das teilweise in sarkastischen, verletzenden Witzen verbergen. Man beschließt also, die Besprechung zu beenden und am anderen Tag fortzusetzen, wenn sich die Gemüter etwas beruhigt haben. Sie selbst verlassen die Diskussion mit einem gemischten Gefühl, da die Attacken des Kollgen Sie ungerechtfertigt ziemlich dumm dastanden ließen, aber sie hoffen, dass Sie Ihren Standpunkt gut vortragen konnten. Am nächsten Morgen dann rufen Sie Ihre eMails ab. Siehe da, der Kollege hat Ihnen geschrieben. In einer Hass- und Schmähtirade teilt er Ihnen auf unterstem Niveau und absichtlich zutiefst verletzend mit, für wie „jämmerlich“ und „armselig“ er Sie hält. Ob dieses unerwarteten Angriffs fallen Sie in ihren Stuhl zurück und denken sich verzweifelt: „Mein Gott, was für ein Arschloch!“
Gibt es einen Menschen, dem Sie ein solches Verhalten zutrauen? Dann willkommen in der Welt der Arschlöcher, denen Robert Sutton den Kampf angesagt hat. In seinem Buch „Der Arschloch-Faktor“ beschreibt Sutton nicht nur Beispiele, sondern er zeigt auch Merkmale auf, an denen man Arschlöcher erkennt, stellt klar, welchen Schaden sie anrichten und wie man ihnen begegnen sollte.
Der Ursprung des Buches liegt in einer Anfrage einer Zeitung ob er, Sutton, Mangement-Professor aus Stanford, nicht einen Beitrag für eine Kolumne mit dem Titel „Breakthrough Ideas“ („Bahnbrechende Ideen“) hätte. Er schlug einen Text mit dem Titel „The No-Asshole-Rule“ vor, wobei er eigentlich damit rechnete, das dieser allein wegen des Titels schon abgelehnt werden würde. So deutliche Worte sind in den USA nämlich eigentlich nicht üblich, vor allen Dingen nicht, wenn sie mit einem Schimpfwort auf den Punkt gebracht werden. Sutton irrte sich, sein Text wurde gedruckt und etwas Merkwürdiges geschah: Während er auf seine üblichen Texte über erfolgreiches Management immer nur ein paar Antworten bekam, wurde er hier von einer wahren Flut vom eMails überrollt. Unzählige Menschen berichteten ihm, wie sie unter den Leuten zu leiden hatten, die Sutton zurecht mit dem einzig wahren Begriff bedachte: Arschlöcher.
Also arbeitete er weiter, suchte Statistiken und konnte somit mit Zahlen belegen, was jeder, der unter einem Arschloch zu leiden hat, schon ahnte: Arschlöcher schaden der unmittelbaren Umgebung, ihrer Arbeitsgruppe, ja, der ganzen Firma. Sie provozierten von ihrem Umfeld bestimmte Verhaltensformen, die die Effizienz eines Unternehmens beeinträchtigten und die Kreativität töteten.
Sutton verlangt in seinem Buch aber nicht, dass die Mitarbeiter einer Firma alle „Ja-Sager“ sein sollten. Diskussionen, ja Streitgespräche müsse es geben, um Ideen auszutauschen. Allerdings ging es hierbei um die Sache, und nicht um Personen. Bei Arschlöchern jedoch ist es umgekehrt: Sie halten ihre Ideen für die besten und betrachten jeden, der nicht ihrer Meinung ist, als Feind, der bekämpft werden muss.
In dem Buch wird herausgearbeitet, mit welchen Methoden die Arschlöcher arbeiten, sei es, dass sie in der Öffentlichkeit Freundlichkeit heucheln und ihre „Gegner“ im Privaten herunterputzen, eMail-Hasstiraden verfassen oder die Arbeit anderer grundsätzlich mies machen. Es wird klargestellt, welchen schlechten Einfluss sie haben und dass sie, wenn sie die entsprechende Macht haben, sich bevorzugt mit Klonen ihrer selbst umgeben, so dass eine Gruppe oder Firma sich plötzlich einer Arschloch-Invasion gegenübersieht, der nur schwer Einhalt zu gebieten ist. Sutton gibt Tipps, wie man Arschlöchern am besten beikommt und wie wichtig es ist, dass diese nicht an Macht gewinnen.
Doch Sutton ist nicht so blauäugig, die Welt nur in „Arschlöcher“ und „Nicht-Arschlöcher“ einzuteilen. Im Gegenteil, ihm ist es bewusst, dass jeder Mensch ein Arschloch sein kann, sogar er selbst. Er nennt Menschen, die unter bestimmten Situationen oder nur bei manchen Gelegenheiten Arschlöcher sind, „temporäre Arschlöcher“ und fordert dazu auf, an sich selbst zu arbeiten. Er gibt gleichzeitig zu, dass das sehr schwer ist und auch ihm nicht immer gelingt.
Er geht sogar darauf ein, dass es „amtliche Arschlöcher“ gibt, die große Erfolge verbuchen (wie der Apple-Gründer Steve Jobs, bei dem man bei Google 134.000 Treffer erhält, wenn man die Suchbegriffe „Steve Jobs“ und „asshole“ kombiniert), warnt aber gleichzeitig davor, dass ein erfolgreiches Arschloch in einer Firma so gefährlich sein kann, als würde sie ihre Energie von einem Atomreaktor des Typs „Tschernobyl“ beziehen, der auf dem Firmenparkplatz steht. Es kann sehr lange gut gehen, aber wenn ungünstige Faktoren zusammenkommen, wird sich ein Super-GAU ereignen. Zusammenfassend warnt Sutton davor, den Arschlöchern zu viel Macht zu geben und sie damit für ihr menschenverachtendes Verhalten auch noch zu belohnen.

Robert Suttons Buch ist in einem frechen Ton geschrieben und er bringt die Dinge auf den Punkt. Obwohl er primär Lektüren für Entscheidungsträger (Manager etc.) schreibt, kann dieses Buch von jedem gelesen werden, der mit Arschlöchern zu tun hat, da es zwar auch Statistiken und Bewertungen zitiert, aber nicht in einer komplizierten „Manager-Sprache“ verfasst ist. Wünschenswert wäre es, wenn es auch von einigen Arschlöchern gelesen würde, denn wie heißt es im Text so schön: „Zu erkennen, dass man ein Arschloch ist, ist der erste Schritt.“
Mehr Informationen gibt es auch auf Robert Suttons Homepage: www.bobsutton.net

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