Die chinesische Mauer

Zuerst einmal sei angemerkt, dass die Behauptung, die so genannte „Große chinesische Mauer“ sei das einzige Bauwerk, das man aus dem Weltall mit bloßem Auge sehen könnte, ein Mythos ist. Aber um diese soll es hier gar nicht gehen. Es geht um eine andere Mauer, eine „Brandmauer“, neudeutsch „Firewall“. So bezeichnet man normalerweise die Schutzeinrichtung eines Computers, die verhindern soll, dass dieser Angriffen von außen ausgesetzt ist oder dass Spionageprogramme unerlaubt Daten an das Internet senden. Eigentlich eine sehr nützliche Sache.

Doch natürlich gibt es auch Menschen, die solche nützlichen Ideen zweckentfremden. So entstand die „chinesische Brandmauer“, die verhindern soll, dass Internetnutzer in China bestimmte Seiten abrufen können. Da man nicht abschätzen kann, wie weitreichend diese Zensur ist, gibt es nun eine Seite, mit der man das überprüfen kann. Ihr Name: www.greatfirewallofchina.org. Hier kann man die URL von Webseiten eingeben, ein Programm testet daraufhin, ob der Zugriff von einem chinesischen Server aus möglich ist. Die Resultate sind recht interessant. Natürlich sind solche Seiten blockiert wie etwa „Free Tibet“ oder der Wikipedia-Eintrag über das Massaker am „Platz des himmlischen Friedens“ (Tian’anmen-Massaker). Aber bei manchen erlebt man doch eine Überraschung.

Denn auch www.astrocohors.de gehört zu den Blockierten. Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in China eines meiner Bücher gelesen hat – geschweige denn, dass irgendein Zensurbeamter Kenntnis darüber hat, worum es in meinen Büchern geht. Und falls es doch so sein sollte, würde mich das sogar stolz machen. Ich schätze, die Seite wurde blockiert, weil es darin um Bücher geht, Science Fiction auch noch, wo man Ideen und Gedanken transportieren kann, ohne dass das einem sofort ins Auge fällt. Man kann Menschen zum Nachdenken anregen. Mehr als diese Stichwortsuche steckt in diesem Fall vermutlich nicht dahinter.

Trotzdem zeigt es die erschreckenden Dimensionen der chinesischen Zensur. Es geht nicht mehr nur darum, große Seiten wie Google oder Wikipedia zu zensieren, sicherheitshalber lässt man auch viele kleine nicht durch – es könnte ja sein, da erfährt jemand etwas, was der Ideologie des Regimes entgegen läuft. Verfahren wird nach dem Prinzip, „lieber einmal zu viel zensiert, als einmal zu wenig“. Insofern ist „The Great Firewall of China“ ein wichtiger Beitrag zur Zensur-Diskussion. Denn in der Öffentlichkeit wurde eben nur über „die Großen“, namentlich über Google berichtet. Die sind es nicht nur. Es ist die Masse, die es macht.

Über Thorsten Reimnitz 832 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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