Schlaganfall – ein Notfall

Als Mitarbeiter im Rettungsdienst fallen einem manchmal Dinge auf, die einem Laien nicht so auffallen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, natürlich kann ein Laie einen Notfall schwer einschätzen und es gibt immer noch die Mentalität, man will „keine Mühe machen“, weswegen ein Notruf verzögert wird oder gar ganz unterbleibt.

Bei einigen Notfällen kann das fatal sein, denn hier wird wertvolle Zeit verschenkt, die kein noch so qualifizierter Arzt wieder aufholen kann. Einer dieser Notfälle ist der Schlaganfall. Seit einiger Zeit wird eine Kampagne gefahren unter dem Motto „Schlaganfall – es ist ein Notfall. Handeln Sie rasch!“ Das ist im Prinzip richtig, leider ist es so, dass ein Schlaganfall sich unter Umständen sehr unspezifisch zeigt. Die Alarmzeichen, halbseitige Körperlähmung, Bewusstlosigkeit oder Verlust des Sprachvermögens, müssen nicht immer oder nicht immer voll ausgebildet sein.

Um hier Abhilfe zu schaffen und vor allem medizinischen Laien eine Entscheidungshilfe in die Hand zu geben, kursiert nun ein Text im Internet, der per eMail verbreitet wird. Als ich das mitbekam, fand ich die Idee gut. Wir alle kriegen doch tagtäglich so viel Spam und auch diese vermaledeiten Kettenbriefe („schicke diese Mail an 10 Leute, damit Du ewige Glückseligkeit erfährst“), da kann man das Netz doch auch mal für etwas Sinnvolles nutzen. Da ich nicht weiß, von wem der ursprüngliche Text stammt, möchte ich die Tipps mit eigenen Worten wiedergeben und jeden, der dies liest, auffordern, es weiterzuleiten, sei es als Link auf diesen Eintrag oder indem er den Text kopiert und als eMail weiterschickt (an möglichst viele Leute), und darum bittet, sich kurz die Zeit zu nehmen, den Text zu lesen und die Tipps im Hinterkopf zu behalten.

Unter einem Schlaganfall versteht man den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn. Dadurch wird ein Teil des Gehirns von der Blutversorgung abgeschnitten und die Gehirnzellen drohen abzusterben. Schwere Hirnschäden sind die Folge, die im Höchstfall zum Tod führen können.

Zeit ist daher der wichtigste Faktor. Innerhalb von drei Stunden muss der Betroffene in einem speziellen Zentrum, einer so genannten „Schlaganfall-Einheit“ (Stroke Unit) behandelt werden – je früher, desto besser. Wenn eine Person also von plötzlichem Unwohlsein befallen wird, zittrig ist oder sogar hinfällt, kann man mit Hilfe folgender Fragen einen Anhaltspunkt finden:

  • Die Person zum Lächeln auffordern.
  • Die Person bitten, einen einfachen Satz zu sagen (z.B. „Die Sonne scheint seit heute Morgen.“)
  • Die Person bitten, beide Arme zu heben.
  • Die Person bitten, die Zunge heraus zu strecken.

Sollte der oder die Betroffene auch nur mit einem dieser Punkte – oder gar mehreren! – Schwierigkeiten haben, ist sofort ein Notruf zu veranlassen (Telefonnummer 112 in den meisten Gegenden Deutschlands) und dem Disponent am Telefon genau beschreiben, was vorgefallen ist. Dabei ist wichtig, dass nicht untertrieben wird – es gilt: Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!

Zum Schluss noch zwei Dinge: Erstens, die drei Stunden sind die Höchstgrenze. Sie dürfen nicht zu der Ansicht verleiten „drei Stunden sind lang, wir haben ja noch Zeit…“. Denn eine „Stroke Unit“ gibt es nicht in jedem Krankenhaus und innerhalb der drei Stunden muss die Behandlung begonnen werden. Dazu sind vorher aber noch eingehende Tests erforderlich. Also nochmal: Je früher, desto besser!

Und zweitens, was sehe ich bei den oben beschriebenen Fragen bei einem Schlaganfall-Betroffenen?

  • Lächeln: Die Person verzieht das Gesicht oder es bewegt sich nur ein Mundwinkel, während der andere hängt – sie bringt einfach kein richtiges Lächeln zustande.
  • Sprechen: Die Person spricht verwaschen, lispelt plötzlich, lallt oder stockt bei einzelnen Worten und muss lange nachdenken.
  • Arme heben: Ein Arm kann nicht so hoch gehoben werden wie der andere oder gar nicht bewegt werden, oder beide Arme können nicht oder kaum bewegt werden.
  • Zunge herausstrecken: Statt die Zunge gerade heraus zu strecken, krümmt sich diese oder windet sich von einer Seite zur anderen.

Wie gesagt, trifft auch nur eines der Symptome zu, ist Hilfe zu holen. Alles weitere veranlasst dann der Rettungsdienst.

Schlaganfall – es ist ein Notfall. Handeln Sie rasch!

Über Thorsten Reimnitz 832 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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