Thomas Gottschalk – ein Weichei?

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Das ZDF vermeldet in einer Nachricht von Elisa Simantke am 20. Januar 2007: „Friedrichshafen, Mitte Januar: Es ist stockdunkel, über dem Bodensee liegen Nebelschwaden. Da taucht am Ufer plötzlich Deutschlands beliebtester Moderator auf. Thomas Gottschalk in geheimer Mission: Fast nackt – und das bei acht Grad Außentemperatur.“

Was war passiert? Nun, im Grunde etwas Alltägliches bei Thomas Gottschalks Sendung „Wetten, dass…?„. Gottschalk hat in seiner letzten Sendung eine Wette verloren und musste als Wetteinsatz im Bodensee baden gehen, kostümiert als „Borat„. Borat, wir erinnern uns, ist in Wirklichkeit der Komiker Sacha Baron, der als kasachischer Reporter in dem Film „Borat“ die USA bereist und Dinge über sein angebliches Heimatland erzählt, die allerdings allesamt an den Haaren herbeigezogen und erfunden sind. In einer Szene ist Borat am Strand zu sehen, gekleidet in… tja, als was kann man dieses „Ding“ bezeichnen? Ehrlich gesagt, ich habe es bei einem Badbesuch schon live gesehen (und zwar lange, bevor es den „Borat“-Film gab), und der erste Begriff, der mir einfiel, ist „Eierschaukel“.

Tut mir leid, aber so sieht das Ding nun mal aus: es handelt sich um zwei Steifen Stoff, die von beiden Schultern über die Brust und den Bauch nach unten gehen, sich am Gemächt treffen (dieses damit verdecken), nach hinten weitergehen und sich am Po wieder in zwei Streifen aufteilen und nach oben zu den Schultern gehen.

Jedenfalls musste Gottschalk als „Borat“ im Januar in den See steigen. Und an dieser Einlösung wurde auch gleich die so genannte „Stadtwette“ für Friedrichshafen festgemacht: Friedrichshafen hatte die Aufgabe, 50 Leute im „Borat-Kostüm“ herbei zu bringen, die ein kurzes Bad im Bodensee nehmen mussten, indem sie eine Strecke von einigen Metern zwischen zwei Schiffen der Bodensee-Schiffsbetrieben durchschwammen.

So weit… so gut? Denn seit der Sendung melden sich kritische Stimmen. Und auch ich muss sagen, ich fand ein paar Merkwürdigkeiten. In der Sendung wurde gezeigt, wie Gottschalk seinen Wetteinsatz einlöst und in den See steigt. Ich sah den Ausschnitt und wunderte mich: Woher kommt der viele Nebel? Und das Gebäude im Hintergrund, das man schemenhaft sehen konnte – ist das nicht die Bodensee-Therme in Überlingen? Warum wurde das nicht erwähnt?

Des Rätsels Lösung: Man wollte es nicht, weil Gottschalk, so vermelden nun mehrere Quellen aus der Region, zu einem Trick gegriffen hat. Im Gegensatz zu den 50 „Borats“ aus Friedrichshafen war er nämlich in der Sauna gewesen, bevor er in den See gestiegen ist. Er hatte sich also vorher aufgeheizt. Der Nebel – von dem der interessierte Zuschauer im Videoclip hier feststellen wird, dass er mitnichten wie von der ZDF-Redakteurin behauptet „über dem Bodensee“ liegt, sondern aus Richtung Land kommt – diente dazu, den Hintergrund etwas zu verbergen und auch die Kameraführung war darauf aus, nicht zu viel vom Hintergrund zu zeigen. Und im Gegensatz zu der sonst üblichen Politik, Firmen und andere Beteiligte grundsätzlich zu erwähnen und sich bei ihnen zu bedanken („Wir danken der Firma XYZ, dass sie uns ihr Freigelände zur Verfügung gestellt hat.“ o.ä.), wurde die Bodensee-Therme mit keinem Wort erwähnt. Nicht nur das: so wird doch sogar (siehe oben) im offiziellen Text behauptet, Gottschalk wäre in Friedrichshafen in den See gestiegen.

Das hat zu einigen hämischen Kommentaren in der lokalen Presse (unter anderem der „Seewoche Überlingen“) geführt. Gottschalk wurde hierbei als „Weichei“ bezeichnet, denn was er getan hat, tun viele Saunagäste. Was hingegen die „Borats“ in Friedrichshafen taten, war nochmal eine Spur härter. Und offenbar sollte (ob nun von der Seite des ZDF oder von Gottschalk selbst, sei mal dahingestellt) der Eindruck erweckt werden, dass Gottschalk ein ebenso „harter Hund“ war wie die im See badenden Häfler.
Ich persönlich würde sagen, ja, es war eine Leistung. Ich weiß das, denn ich habe es bei einem Sauna-Besuch im Januar selbst einmal versucht, mich im See abzukühlen. Es ging nicht, und das, obwohl ich nach einem Sauna-Gang mich gerne mal mit Eis abreibe. 5 ° Celsius Wassertemperatur war mir zu kalt, ich schaffte es nur bis zu den Knien. Daher Hochachtung vor Thomas Gottschalk.

Allerdings finde auch ich die versuchte Zuschauer-Verarschung nicht so toll, denn dadurch bekommt das ganze einen seltsamen Beigeschmack. Warum wollte man die Vorgeschichte mit der Sauna auslassen? Und auch die Mitarbeit der Bodensee-Therme? Befürchtete man, Gottschalk könnte sich eventueller Kritik aussetzen? Tja, tut mir leid, das wird er jetzt erst recht, denn erst der Versuch der Vertuschung hat so richtig das Augenmerk auf das gelenkt, was da lief. Schlicht und ergreifend: Manipulation.
Er hätte vielleicht doch ehrlicher mit der Sache umgehen sollen. Denn bei aller Trickserei, eines ist er ganz bestimmt nicht: ein Weichei. Er hat sich der Sache gestellt und war im Januar im See baden. Und weil es bei „Wetten, dass…?“ nicht erwähnt wurde, hier nochmal der Ort der Handlung: die Bodensee-Therme in Überlingen. Natürlich hätten sich die Verantwortlichen der Therme eher darüber gefreut, ihren Namen im Fernsehen, noch dazu im ZDF zu hören.

Thomas Gottschalk in der Bodensee-Therme
Bild: Thomas Gottschalk im Bademantel der Bodensee-Therme
(c) by Bodensee-Therme, Überlingen
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Über Thorsten Reimnitz 844 Artikel

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist „Das Phantastische Projekt“ mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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