Dem Deutscher Language – Unterlassene Übersetzungen

Willkommen zum zweiten Teil des kleinen Gedankenspiels über Anglizismen in der deutschen Sprache. Heute möchte ich mich speziell den englischen Phrasen widmen, die einfach nur deswegen in unsere Umgangssprach eingegangen sind, weil man eine Übersetzung – warum auch immer – unterlassen hat. Dabei geht es mir hauptsächlich um Filme und Fernsehserien und ich möchte mit einem Blick auf unsere französischen Nachbarn beginnen, die ja, wie bereits festgestellt, eine Regelung gegen zu viele Anglizismen haben. Deswegen wollen wir auch mit einer Serie beginnen, die in Frankreich einen völlig anderen Titel hat als bei uns.

CSI – Den Tätern auf der Spur
Im Titel der Serie erfährt der geneigte Zuschauer die Bedeutung der Abkürzung „CSI“: Crime Scene Investigation. Ich habe im letzten Eintrag schon darauf hingewiesen, dass die Franzosen diese Serie „Les Éxperts“ nennen. Wie wäre es mit dem deutschen Titel „Die Ermittler“? Oder „Die Tatortermittler“? Oder wörtlich übersetzt „Tatortermittlung“? Wahrscheinlich geht noch mehr… man muss nur nachdenken. Aber so hätte man auch die Ableger entsprechend nennen können: „Tatotermittlung Miami“ und „Tatortermittlung New York“. Übrigens wird auch in der Serie mit Anglizismen nur so um sich geworfen, wo sie nicht nötig sind. So war in „CSI: New York“ in einer Episode vom „Secret Service“ die Rede – hätte es so viel Mühe gemacht, „Geheimdienst“ zu sagen? Es geht mir aber um etwas völlig anderes, weswegen ich die Reihe der Serien mit diesem Titel eröffne: Man kann diesen Titel nicht wörtlich übersetzen, deswegen ist Kreativität gefragt bei dessen Umsetzung. Allerdings ist die Tendenz inzwischen eher so, dass man Titel erst gar nicht übersetzt, wie wir sehen werden.

SIX FEET UNDER – GESTORBEN WIRD IMMER
„Zwei Meter tief“, „Unter der Erde“ – wo ist das Problem? Der deutsche Untertitel wäre allein auch schon ein würdiger Titel für diese leicht morbide Serie.

WITHOUT A TRACE – SPURLOS VERSCHWUNDEN
Vollkommen überflüssig. Auch hier könnte der Untertitel allein als Serientitel herhalten, er übersetzt zwar nur sinngemäß, aber richtig. Was ist daran so schwierig? Tut die deutsche Übersetzung weh?

THE CLOSER
Benannt nach der Hauptfigur, einer Frau, die ihre Kriminalfälle immer „abschließt“ (to close = abschließen). Als ich den Titel zum ersten mal hörte, fragte ich mich allerdings wirklich, was er bedeuten soll, da „the closer“ auch mit „je näher“ übersetzt werden kann (zum Beispiel in „the closer you get to this“ = „je näher du da rankommst“). Eine wörtliche Übersetzung geht nicht, „Die Abschließerin“ klingt zu gestelzt. Mal ganz davon abgesehen, dass „The Closer“ geschlechtsneutral ist und man im Deutschen in die Bredouille geraten könnte, falls die Hauptdarstellerin aus der Serie aussteigt und durch einen Mann ersetzt wird.

EMERGENCY ROOM – DIE NOTAUFNAHME
Das ist eine Lachnummer – die Serie heißt im Original nämlich einfach „E.R.“. Also wird der englische Titel eingedeutscht, indem man die Abkürzung einfach ausschreibt – und die wörtliche deutsche Übersetzung noch hintendran hängt. „Die Notaufnahme“ – fertig.

SPACECENTER BABYLON 5
Noch eine Lachnummer… vielleicht sogar die größte. Die Serie heißt im Original einfach „BABYLON 5“ – ein Titel, der sogar international tauglich ist, weil er überall eigentlich gleich ist. Nur in Deutschland war man der Meinung, den dummen Zuschauern erklären zu müssen, was Babylon 5 eigentlich sein soll. Und man tat es, indem man dem Titel einen englischen Begriff vornanstellte, der auch noch falsch verwendet wurde: ein „Space Center“ ist mitnichten eine Raumstation, sondern ein Raumfahrtzentrum auf einem Planeten, wie beispielsweise das bekannte „Kennedy Space Center“.

BATTLESTAR GALACTICA
Hallo??!? Diese Serie hatte schon mal einen deutschen Titel – was ist an „Kampfstern Galactica“ auszusetzen?

LAW & ORDER
„Gesetz und Ordnung“, oder deutsch angepasst „Recht und Ordnung“. Nächster Fall, bitte!

FARSCAPE: THE PEACEKEEPER WARS
„Die Kriege der Friedenshüter“ – die deutsche Übersetzung bringt das Paradoxon erst so richtig zum Ausdruck.

CRIMINAL INTENT
Bedeutet wörtlich „Kriminelle Absicht“. Die Serie ist – was im Deutschen gar nicht so herauskommt – ein Ableger von „Law & Order“ und heißt im Original enstprechend: „Law & Order: Criminal Intent“. „Criminal Intent“ könnte im Juristendeutsch auch „strafbarer Vorsatz“ heißen. Also… „Recht und Ordnung: Strafbarer Vorsatz“. Und wieder ist Kreativität gefragt.

CRIMINAL MINDS
Das könnte man mit „Verbrechergedanken“ oder „Verbrechergehirne“ übersetzen, wobei letzteres nicht ganz korrekt ist, da das Gehirn ja die anatomische Struktur ist, „mind“ aber das umschreibt, was sich darin abspielt – und „Gedanken“ ist zu rational, weil „mind“ auch die emotionale Ebene meint.

COLD CASE – KEIN OPFER IST JE VERGESSEN
Sooooo… noch eine Ebene schwieriger: „Cold case“ heißt wörtlich „kalter Fall“ und umschreibt einen Kriminalfall, der ungelöst zu den Akten gelegt wird, um Jahre später nochmal aufgerollt zu werden. Das betrifft allerdings nur Mordfälle, da Mord nicht verjährt. Alle anderen Fälle werden nach Ablauf der Verjährung endgültig abgelegt, ob gelöst oder ungelöst. Hier ist der deutsche Untertitel wichtig zu erklären, um was es ungefähr geht. Irgendwelche Vorschläge?

CROSSING JORDAN – PATHOLOGIN MIT PROFIL
Das ist die härteste Nuss von allen, der Titel „Crossing Jordan“ enthält nämlich ein makaberes Wortspiel. Die Hauptfigur der Serie heißt „Jordan“ mit Vornamen, „crossing Jordan“ kann man in dem Fall übersetzen mit „Jordan über den Weg laufen“. Aber es ist genauso eine Redewendung, die auf Deutsch bedeutet „über den Jordan gehen“ (falls jemand diese Redewendung nicht kennt, es bedeutet so viel wie „sterben“, nur anders ausgedrückt). Das heißt, der Titel ist nicht übersetzbar, so dass das Wortspiel erhalten bleibt. Irgendwelche Meldungen aus dem Publikum?

Ich habe die letzten Serien absichtlich mit hier rein genommen, damit niemand sagen kann, ich würde es mir zu einfach machen und nur Titel nehmen, wo die deutsche Übersetzung auf der Hand liegt. Ich behaupte auch nicht, dass es einfach ist, aber ich habe den Eindruck, manchmal macht man es sich zu einfach. Englisch klingt toll und es sprechen ja heutzutage so viele Leute Englisch, da kann man so einen Titel einfach mal unübersetzt lassen. Ja, es sprechen mehr Leute Englisch als früher – aber wie gut? Eine Untersuchung hat nämlich ergeben, dass nicht wenige Menschen denken, der Begriff „fast food“ würde so viel bedeuten wie „Fast-Essen“, also „Beinahe-Essen“, weil es eben kein richtiges Essen ist, sondern nur „beinahe“. Die Frage ist also, versteht das Publikum unter einem englischen Begriff immer das, was es darunter verstehen soll? Oder funktioniert das vielfach nur über die Erklärung in der Werbung: „Die Serie heißt XYZ – darin geht es um Verbrecherjagd!“?

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote, die ich mal im Fernsehen aufgeschnappt habe, und die hierzu gut passt. Es war die Geschichte von einem Bayern, er kam aus München, glaube ich, der mit einem Freund zusammen die USA bereiste. Jener Bayer war der Meinung, das englische Wort „afraid“ würde, da es, wenn man es bayerisch las, vom Klang her sehr an das deutsche „erfreut“ erinnert, auch wirklich „erfreut“ bedeuten. So begrüßte er Freunde, die er in den USA gemacht hatte mit den Worten „I’m afraid to see you.“ Er dachte, er würde sagen: „Ich bin erfreut, Dich zu sehen.“ Er sagte aber: „Ich habe Angst, Dich zu sehen.“

Der Downloadshop von Duden

Über Thorsten Reimnitz 831 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*