Dem Deutscher Language – Krieg der Sprachen

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Stellen wir uns mal eine Situation vor: Ein Deutscher kommt irgendwo in Deutschland mit einem Schweden ins Gespräch. Der Schwede spricht Deutsch. Beide unterhalten sich eine Zeit lang und es ist nichts außergewöhnliches an dem Gespräch. Doch dann beginnt der Schwede plötzlich, von seinem neuen „Fick-Telefon“ zu reden. Der Deutsche hakt verdutzt nach: Was für ein Telefon? „Fick-Telefon“, das müsse man in Deutschland doch auch kennen, er habe solche Telefone schon in Deutschland gesehen und das Wort „Fick“ gebe es hier ja schließlich auch. Der Deutsche überlegt, ob es wohl Telefone gibt, die nur 0190- beziehungsweise 0900-Nummern wählen können, als der Schwede ein „Fick-Telefon“ aus der Tasche zieht.

Es ist ein ganz gewöhnliches „Handy“.

Des Rätsels Lösung: „Fick“ im Schwedischen bedeutet „Tasche“, ein „Fick-Telefon“ ist also nichts weiter als ein „Taschen-Telefon“ (in einigen Regionen Schwedens werden Mobiltelefone umgangssprachlich so genannt). Dass das Wort „Fick“ im Deutschen eine völlig andere Bedeutung hat, ist dem Schweden dummerweise entgangen.

Eine ähnliche Situation ergibt sich, wenn ein Deutscher einem Engländer von seinem „Handy“ erzählt. Der Engländer kennt zwar den Begriff „handy“ (das bedeutet „handlich, praktisch, nützlich“), aber das entsprechende Telefon nennt er entweder „cell phone“ oder „mobile phone“. Und schon sind wir wieder in der Materie, denn wie ich inzwischen bei ein paar Recherchen feststellen musste, herrscht derzeit ein „Krieg der Sprachen“.

Auf der einen Seite sind da Leute wie Bastian Sick und der Verein Deutsche Sprache. Die machen sich Stark dafür, dass man sich müht, korrekt und „unverwässert“ Deutsch zu sprechen. Auf der anderen Seite sind da Leute wie Claudius Seidl, die Bastian Sick jegliche Kompetenz absprechen und den Verein Deutsche Sprache als „Ewiggestrige“ abkanzeln. Ich hatte keine Ahnung, aber der Krieg der Sprachen hat bereits begonnen.

Meine persönliche Meinung zu dem Thema habe ich ja bereits kundgetan. Ich persönlich finde, man wird langsam etwas bequem, gerade wenn es um Übersetzungen von Kinofilmen oder Fernsehserien geht. Und man muss nicht ständig englische Begriffe verwenden, wenn es auch entsprechende deutsche gibt. Die Nackenhaare stellen sich bei mir auf, wenn ein Ministerpräsident Günther Oettinger darüber schwadroniert, dass Deutsch nur noch „Freizeitsprache“ sein wird. Ausgerechnet Oettinger, der dem Bundesland vorsteht, in dem man alles kann – nur nicht Hochdeutsch! Sprache hat für mich etwas mit Kultur und Identität zu tun, die kann man nicht einfach so abklassifizieren.

Deswegen bekämpfe ich aber nicht jene bis aufs Blut, die sich dem „Denglisch“ hingeben. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, nachzufragen, wenn jemand ein Wort verwendet, das mir im jeweiligen Zusammenhang nichts sagt. Das hilft manchmal sehr; vielen Menschen scheint das aber peinlich zu sein. Gibt man damit etwa zu, ungebildet zu sein? Außerdem versuche ich, selbst das Deutsch zu sprechen, von dem ich hier die ganze Zeit schreibe. Ich betone „versuche“, denn es erfordert einen sehr hohen Grad an Aufmerksamkeit. Schließlich ist die Nachahmung eines der Talente, das den Menschen in der Entwicklung so weit gebracht hat, da kann es schon mal passieren, dass man einen Anglizismus aufschnappt und weiter verwendet.

Nun ist aber offenbar ein Grabenkrieg ausgebrochen. In der FAZ wirft Claudius Seidl Bastian Sick vor, arrogant und „von oben herab“ die „dummen Deutschen“, die ihre Sprache nicht richtig beherrschen, belehren zu wollen. Den Verein Deutsche Sprache beschimpft er als „Reinheitsfanatiker“. Na, wenn DAS nicht arrogant und von oben herab ist.

Andere führen Länder wie die BeNeLux-Staaten oder Skandinavien als Beispiel an, dort würden beispielsweise die Menschen „Zweisprachig“ leben, man würde nämlich Filme in englischer Sprache nicht synchronisieren, sondern nur mit Untertitel versehen. Das Argument geht allerdings völlig an der Sache vorbei, das macht man in diesen Ländern nicht, um die Kenntnis der Bevölkerung in englischer Sprache zu verbessern, sondern einfach nur, weil es sich finanziell nicht lohnt, einen Film beispielweise ins Holländische oder Finnische zu synchronisieren (im Gegensatz dazu ist Deutsch allein in Europa Muttersprache von ungefähr 100 Millionen Menschen).

Stellt sich die Frage: Was tun eigentlich die Englisch sprechenden Völker? Die sind bei der Sache doch fein raus, oder? Offenbar nicht. Im Zusammenhang mit meiner neuen Romanreihe habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die internationale Gemeinschaft, um die es hier geht, sich untereinander verständigt. Ich kam dann auf die Idee, sie Esperanto sprechen zu lassen, damit keiner aufgrund seiner Muttersprache einen Vor- oder Nachteil haben würde. In dem Zusammenhang begann ich dann, über Esperanto nachzuforschen, auch über eventuelle Kritikpunkte. Ein Hauptkritikpunkt, so fand ich heraus, war das Argument, es lohne sich nicht, Esperanto zu lernen, da es kaum Leute gäbe, die diese Sprache sprechen (gleichzeitig wurde interessanterweise zugegeben, dass es viel einfacher wäre, Esperanto zu lernen, als eine andere Fremdsprache). Und auf einigen sehr verbittert klingenden Seiten fand ich die Kritik, Esperanto würde das Aussterben von „kleinen“ natürlichen Sprachen fördern.

Das war der Punkt, an dem ich nicht mehr mitkam. Auf der einen Seite heißt es, es würde sich ja sowieso nicht lohnen, Esperanto zu lernen, weil es ja kaum jemand spricht – auf der anderen Seite heißt es, Esperanto verdrängt kleine Sprachen? Und sinnigerweise fand ich diesen Vorwurf nur auf englischen Webseiten.

Und damit sind wir wieder am Anfang: Englisch sprechende Menschen werfen Esperanto vor, kleine Sprachen zu verdrängen, während ihre eigene Muttersprache auf dem Globus schon so verbreitet ist, dass es sogar Politiker gibt, die ihre Sprache in Zukunft nur noch als „Privat- und Freizeitsprache“ sehen, während im Berufsleben nur noch Englisch gesprochen wird?

Bin ich der einzige, dem das in irgendeiner Weise merkwürdig vorkommt?

Was sollen wir daraus lernen? Nun, in einer Fernsehsendung war eine amerikanische Schauspielerin zu Gast (leider weiß ich weder, welche Schauspielerin das war, noch welche Sendung). Gefragt nach dem Unterschied zwischen Amerika und Europa meinte sie, Amerika gleiche einem Eintopf, man könne zwar die verschiedenen Zutaten noch irgendwie erkennen, aber es sei doch alles zusammengekocht zu einer einheitlichen Masse, während Europa mehr einer Schüssel gemischten Salates gleiche. Es ist zwar alles in der gleichen Schüssel, aber dennoch blieben die einzelnen Zutaten erhalten.

Das ist eine interessante Sichtweise und die bislang beste, die ich gehört habe. Ich muss dabei immer an eine Kollegin aus der Firma denken, in der ich vor langer Zeit mal gearbeitet habe. Die Kollegin arbeitete in der so genannten „Auslandsabteilung“. Sie beherrschte mehrere Fremdsprachen, und das so gut, dass sie einfach hin- und her“schalten“ konnte. Sie führte ein Telefonat in Niederländisch, legte auf, das Telefon klingelte – Klick! Das nächste Telefonat wurde in Spanisch geführt. Das hat auch einen kaufmännischen Nutzen, denn fühlt man sich als Kunde bei einer Firma nicht gleich viel besser, wenn man in der eigenen Sprache angesprochen wird und weiß, jetzt kann ich eigentlich nichts missverstehen?

Es geht also im großen Zusammenhang nicht so sehr nur um die deutsche Sprache – es geht um Sprachen im Allgemeinen. Sie sind Bestandteil der Kultur eines jeden Landes und man sollte sie respektieren. Englisch ist quasi nur „aus reinem Zufall“ zur „Weltsprache“ geworden und wenn es der internationalen Verständigung dient, ist das gut. Aber deswegen sollte man andere Sprachen nicht als „Privat- und Freizeitsprachen“ abqualifizieren. Jede dieser Sprachen hat ihre Berechtigung. Englisch sollte es nur „dazu“ geben – nicht „stattdessen“! (Ausgenommen natürlich in jenen Ländern, deren Muttersprache Englisch ist.)

Leider denken Menschen manchmal in Schubladen. Wer die deutsche Sprache vor Sätzen wie „da mussten wir die headlines zu sublines ummorphen“ bewahren will, ist ganz schnell mal ein „Reinheitsfanatiker“. Andere werden vielleicht als „Anglizismenfetischisten“ bezeichnet. Die Wahrheit, die ja bekanntlich ein dreischneidiges Schwert ist, liegt – wie immer – irgendwo dazwischen.

Genießen wir doch unsere schöne Sprache, die Sprache der Dichter und Denker.

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Über Thorsten Reimnitz 841 Artikel
Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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