AMARANON

LARP!

LARP?

Ist es nicht interessant? Um eine Leserschaft zu teilen, braucht man nur einen kleinen, harmlosen Begriff in die Menge zu werfen und schon – zack! Da ist es passiert. Da gibt es die, die sagen: „Hey, ein Artikel über LARP!“ und die, die sagen: „LARP? Was ist denn das?“ (vielleicht auch kürzer: „LARP? Hä?“). Deswegen zur kleinen Einführung: LARP ist die Abkürzung für das englische Live Action Role Playing Game, auf gut Deutsch „Live-Rollenspiel“. Na schön, so gut Deutsch ist die Übersetzung nicht. Aber sie trifft den Kern der Sache. Ein Rollenspiel ist, wie der Name schon sagt, ein Spiel, bei dem die Spieler in eine „Rolle“ schlüpfen, also, sie stellen jemand anderen dar. Rollenspiele werden auch zu therapeutischen Zwecken gebraucht, aber wir wollen uns heute der Freizeitbeschäftigung widmen.

Die ersten Rollenspiele waren Spiele, die man an einem Tisch sitzend spielte. Jeder Spieler hat ein Datenblatt der Figur vor sich, die er im Spiel verkörpert. Auf dem Blatt sind verschiedene Werte festgehalten, also wie klug, stark oder geschickt die Figur ist. Geleitet wird das Spiel von einem Spielleiter, der eine Handlung vorgibt, auf die die Spieler reagieren müssen. Es handelt sich sozusagen um einen interaktiven Roman. Diese Art der Spiele bekamen dann, als es nötig wurde, Unterscheidungen zu machen, die Namen „Tabletop Role Playing Game“ (also „Tisch-Rollenspiele“, weil man sie an einem Tisch spielt) oder auch „Pen and Paper“ (also „Stift und Papier“). Die Aktionen der Spieler werden über einen Würfel ermittelt, wenn also ein Spieler – was im Bereich der Fantasy häufiger vorkommen kann – mit dem Schwert gegen einen Bösewicht kämpfen muss, entscheidet der Würfel, ob der jeweilige Schwertstreich trifft oder nicht. Die ersten Spiele, die man in diesem Bereich kaufen konnte, trugen den Titel „Dungeons & Dragons“, in Deutschland waren es „Midgard“ und „Das Schwarze Auge“.

Doch manchen Spielern war das nicht genug. Sicher, über die Fantasie ließen sich die tollsten Abenteuer erleben, aber manche wollten es eben direkter… lebendig… live! Die früheste Form von Live-Rollenspielen sind jene Gruppen, die man heute „Reenactment“ nennt, sprich: „wieder aufgeführt“. Das sind Gruppen, die sich eine ganz bestimmte Epoche der Menschheitsgeschichte herausnehmen und diese nachbilden und nachspielen. In Deutschland gibt es beispielsweise einige Gruppen, die das Leben der Römer bis ins Detail nachstellen. In Amerika werden gerne historische Schlachten, meistens aus dem Bürgerkrieg, nachgestellt.

Schließlich aber entwickelte sich eine Gattung, die die Fantasy-Welten lebendig werden ließ. Dazu mussten natürlich ganz neue Regeln geschaffen werden, genauso wie ganz neue Arten von Waffen hermussten. Denn anders als die Fantasy-Helden waren die Spieler nicht ganz so geübt im Umgang mit dem Schwert, außerdem durften echte Treffer keine echten Wunden erzeugen. Die gepolsterten LARP-Waffen entstanden, die inzwischen auch wirklich was hermachen.

LARP stellt die Spielleiter vor eine ganz neue Herausforderung: Während sie am Tisch eigentlich alles zur Verfügung hatten, was die Fantasie hergab, musste man „live“ auch immer bedenken, was sich umsetzen ließ. Am Tisch war es kein Problem, eine Szene zu beschreiben, in der zwei Armeen von je zehntausend Kämpfern aufeinander trafen, doch im wahren Leben? Auch ganz andere Probleme mussten bewältigt werden: Wie stellt man einen flammenkugelschleudernden Magier dar? Wenn Orks grundsätzlich halbnackt sind, wie stellt man die im Winter dar, ohne sich Erfrierungen zu holen? Und auch einfache praktische Sachen müssen bedacht werden: Wo soll die Veranstaltung stattfinden? Wie bringt man die Spieler unter? Und wie werden sie verpflegt?

Doch alles entwickelte sich, bis heute, da verschiedene Gruppen verschiedene Szenarien betreuen. Es gibt Läden – natürlich auch im Internet -, die sich mit LARP-Zubehör befassen. Und die Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ hat sicherlich zu einer weiteren LARP-Begeisterung beigetragen (es sollte nur niemand auf die Idee kommen, zu einem LARP zu gehen und dort einen Hobbit namens Frodo spielen zu wollen). Was fehlt also noch in der „LARP-Szene“?

Eine Zeitschrift!

Und die gibt es jetzt. Sie trägt den Titel AMARANON, die erste Ausgabe wird derzeit ausgeliefert, man kann sie allerdings auch im Internet bestellen. Sie wendet sich eigentlich an jeden, der entweder schon Live-Rollenspieler ist, es werden will oder sich schon „Veteran“ nennen darf. So wird in Ausgabe 1 eine Einführung gegeben mit dem Text „LARP – Das ulitmative Hobby“ und dem „LARP ABC“, in dem dem Nichteingeweihten die gängisten Begriff und Abkürzungen wie „NSC“, „SC“ oder „Con“ nahebringt. Das große Thema dieser Nummer sind die Elfen, die sowohl von ihrer mythologischen Herkunft als auch in ihrer spielerischen Ausgestaltung beschrieben werden. Man wird eingeführt in das „Bogenschießen im Live-Rollenspiel“, bekommt ein Branchen-Verzeichnis, Berichte über verschiedene „Cons“, dazwischen auch Geschichten, Comics, ein Fotoroman, ein Interview mit Christoph Hardebusch (Autor von „Die Trolle“), Buchvorstellungen (dem Thema dieser Ausgabe angepasst natürlich hauptsächlich über Elfen/Elben-Bücher), sowie einem kleinen Test „Welcher LARP-Typ bist Du?“. Und der Ausblick verrät uns, dass in Ausgabe 2 die Orks den Schwerpunkt bilden.

Die Mischung ist sehr ansprechend und die Zeitschrift ist sehr gut gemacht. Wie sich auf der offiziellen Seite erfahren lässt, gab es leider ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber wir hoffen, dass sich dafür nun, da die erste Ausgabe endlich erschienen ist, der Erfolg einstellt und sie die entsprechende Resonanz findet in der „Rollenspiel-Szene“. Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass sich die Zeitschrift nur an Fantasy-Live-Rollenspieler wendet, da diese Richtung offenbar die Masse der „LARPer“ ausmacht.

Wir empfehlen die Lektüre von AMARANON jedem, der sich über Live-Rollenspiele informieren will, sei es der „Profi“, der neue Ideen erhalten will, oder der Anfänger, der sich in dieser Welt erst einmal zurechtfinden will. Und hier gibt es mehr Informationen, sowie die Möglichkeit, die Zeitschrift zu abonnieren:

www.amaranon.com

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