Dinge, die gehen dürfen – Abschiede

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Es ist der 31. Oktober und Halloween feiert Hochkonjunktur, interessanterweise ein Brauch, der von Europa nach Amerika exportiert wurde, um nun wieder nach Europa importiert zu werden. Seine Wurzeln hat dieses Fest in dem alten Feiertag „Samhain“. Die Kelten begingen an diesem Tag das Jahresende und gedachten der Toten, denn die Pforten zur „Anderswelt“ standen weit offen. Und es wurde dem Tod des Lichtes gedacht, denn von nun an würde die Welt in Dunkelheit ruhen, es würde kälter werden, und erst die Wiedergeburt des Lichtes würde das beenden.

So ein Tag ist wiederum ein guter Zeitpunkt, kurz anzuhalten und sich einen Blick zurück zu erlauben. Der Tod zeigt seine Allgegenwärtigkeit ganz besonders und wer im letzten Jahr, oder auch davor, einen geliebten Menschen verloren hat, kann diesem gedenken. Aber der Tod ist auch anders allgegenwärtig, nämlich durch die Endlichkeit der Dinge. Daher kann man nun auch zurückblicken auf Ereignisse und Erlebtes, das Vergangenheit ist. Und man kann die Gelegenheit ergreifen, Vergangenes in der Vergangenheit zu lassen. So wie ich es tun will, ich habe einiges aus der Vergangenheit abzugeben (DVDs, Bilder, Uniformen, Abzeichen, Requisiten…). Denn Dinge dürfen enden, damit Neues entstehen kann.

Doch die Symbolik mit dem Tod mag vielleicht nicht ganz da hineinpassen, auch wenn sie die beste Allegorie ist. Denn den Tod eines Lebewesens bekommt man sehr deutlich mit. Mit anderen Dingen ist das manchmal nicht so, etwa bei Freundschaften, bei denen man den Tod hin und wieder nicht sofort mitbekommt, sondern erst später, wenn man aufmerksam zurückblickt. Darüber habe ich mir Gedanken gemacht, und als ich neulich einkaufen war, kam ich an einem Ständer vorbei, an dem Kalender für das Jahr 2007 verkauft wurden. Einer davon sprach mich spontan an, denn er trug den Titel „Neue Wege“. Ein sehr schöner Kalender mit verschiedenen Motiven und dazu passenden Sinnsprüchen. Und wie ich mir den Kalender so betrachtete, fiel mir etwas ein, das ich erlebt hatte.

Als ich in die Stadt gezogen bin, in der ich heute wohne, wollte ich die Umgebung etwas besser kennen lernen. Ich betrachtete mir also eine Karte und stieß auf ein Waldstück, in dem es eine Quelle geben sollte, die mit dem Namen „Wolfsbrunnen“ markiert war. Ich nahm mir vor, an meinem nächsten freien Tag in diesem Wald spazieren zu gehen und diese Quelle zu suchen. Nun, der Vorsatz war einfacher als die Durchführung, denn die Karte zeigte jeden Weg im Wald gleich an, aber in Wirklichkeit waren diese sehr unterschiedlich. Manchmal konnte man nicht mal erkennen, wann ein Weg endete und der nächste begann, auch wenn das auf der Karte so eingezeichnet war. Und so, denke ich, ist es mit dem Leben auch. Wir gehen unseren Weg durch den Wald und haben eine Karte mit unseren Vorstellungen dabei, die uns allerdings nur einen Anhaltspunkt geben kann. Alles Weitere müssen wir sehen, wenn wir vor Ort sind. So kann es sein, dass wir irgendwann anhalten und feststellen, dass wir schon auf einem ganz neuen Weg sind, während andere, die uns bis dahin begleitet haben, woanders hingegangen sind. Und wenn wir sie durch das Dickicht des Waldes noch erspähen können, können wir sie grüßen und ihnen alles Gute wünschen.

An jenem Tag im Wald musste auch ich „neue Wege“ beschreiten, denn irgendwann stellte ich fest, dass ich den letzte Weg, der mich direkt zum „Wolfsbrunnen“ führen sollte, deswegen nicht fand, weil er völlig überwuchert war. Erst durch genaues Hinsehen konnte ich ihn erkennen. So arbeitete ich mich durchs Gebüsch und wurde damit belohnt, dass ich letztlich an der Quelle ankam. Und dann? Ich blieb dort eine Weile, betrachtete die Natur – und dann ging ich wieder. Eben wie im Leben, es gibt Situationen und Orte, die wir loslassen dürfen, egal wie ungern wir das tun.

Auch ich musste dieses Jahr einiges hinter mir lassen. Und ein Tag wie der heutige gemahnt daran, nicht im Zorn zurück zu blicken und nicht an Vergangenem zu hängen. Man kann sich Dinge aufheben, die einem eine kleine Erinnerung geben an das, was vorbei ist, und dass es eine gute Zeit mit guten Menschen war. Aber man darf diese auch loslassen, niemand ist verpflichtet, alle Stücke als Mahnung zu behalten.

Eine Sache, die ich hinter mir lassen möchte, ist das Projekt vom „Raumschiff HIGHLANDER“. Und aus dieser Zeit habe ich noch einige Dinge, von denen ich festgestellt habe, dass sie bei mir verstauben. Eigentlich ist das schade, denn es gibt bestimmt Menschen, die daran Freude hätten. Und hier kommt eine interessante Theorie des Unternehmensberaters Hans-Peter Zimmermann aus der Schweiz zum Tragen. Es gibt Menschen, die das Geld verteufeln und ihm die Schuld geben, dass die Menschheit schlecht ist. Zimmermann jedoch sieht im Geld nichts weiter als eine Form der Energie. Immerhin wurde Geld nur deswegen erfunden, damit sich die Menschen nicht immer fragen müssen, wie viel Hühner ist eine Kuh wert – und wenn ich mit zwei Ziegen zahle, wie viel Schafe bekomme ich dann als Restgeld heraus? Es wurde geschaffen, damit man eine konkrete Vergleichsmöglichkeit hat. Dass Hans-Peter Zimmermann in Geld Energie sieht, hat noch eine praktische Konsequenz: Energie muss fließen. Wir kennen das von Batterien, wenn wir diese nicht benutzen, verlieren sie langsam die Energie, die sie in sich gespeichert haben. Nur wenn die Energie fließt, kann sie Nutzen bringen.

Und hier kommen wir zurück zum Ausgangspunkt dieser Gedanken: Ich möchte die Vergangenheit hinter mir lassen, nicht im Zorn, sondern damit ich wieder auf das Stück des Weges achten kann, das vor mir liegt. Wenn ich ständig nach hinten schaue, laufe ich Gefahr, über einen Stein oder eine Wurzel zu stolpern. Doch habe ich einige Sachen, die ich deswegen abgeben sollte, weil sie nur verstauben. Das Alte muss beendet werden, damit Neues beginnen kann, damit ich mich neuen Wegen zuwenden kann. So gebe ich also die Stücke der Vergangenheit ab, transformiere sie in Energie (Geld) und verwende die Energie für etwas Neues.

Ich habe mich in den letzten Tagen schon von vielen Dingen der Vergangenheit getrennt, auch über die Altkleidersammlung, denn auch dies ist eine Form des Energietransfers. Andere würden vielleicht von „Simplify your Life“ sprechen, aber es läuft im Endeffekt auf das Gleiche hinaus. Nun möchte ich mich von weiteren Sachen trennen, von denen ich hoffe, dass sie ihrem neuen Besitzer Freude bereiten. Es handelt sich um einige Sachen vom und um das „Raumschiff HIGHLANDER“.

Ich schaue auf den neuen Weg vor mir, und wenn ich hin und wieder mal umdrehe, um den Wald zu betrachten, den ich bereits durchquert habe, stelle ich fest: es war eine schöne Zeit. Was jetzt kommt, ist die Zeit des Sammelns, von neuen Ideen, neuen Energien und was man daraus machen kann. Ruhen in der Dunkelheit.

Wer interessiert ist an den Dingen, die ich hinter mir zu lassen habe, der kann sich ja mal meine eBay-Seite anschauen, wo sich diese befinden. Der November hat 30 Tage, und 30 Artikel habe ich eingestellt, eines für jeden Tag. Weitere 25 Artikel (eine schöne Zahl) habe ich auf meiner Seite bei hitflip.de zum Tausch anzubieten.

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Über Thorsten Reimnitz 844 Artikel

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist „Das Phantastische Projekt“ mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

1 Kommentar

  1. Hi.

    Die Geschichte mit dem Wald ist wirklich passend.

    Finde es schade, daß du dich von den Highlander-Sachen trennen willst. Du hast aber sicher deine Gründe. Die Preise bei eBay werden jawohl noch hoch gehen, wäre ja sonst ein Zeichen, daß sich niemand mehr für die Highlander interessiert.

    Alles gute für die Zukunft.

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