Wissen und Nichtwissen – peinlich, oder?

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In einer eMail wurde ich darauf angesprochen, dass ich offensichtlich sehr gerne mit Fußnoten arbeite und ich wurde gefragt, wie ich denn dazu komme.

Ja, es stimmt, seit ich damit angefangen habe, arbeite ich gerne mit Fußnoten. Ich lernte sie kennen als Mittel, einen Hintergrund darzustellen, ohne den Fluss der Geschichte zu sehr zu stören. Angefangen hat es eigentlich mit einer Witzidee, als ich in einer Geschichte zum ersten Mal erklären wollte, woher der Name eines Raumschiffes kam. Mir fiel die Fußnoten-Funktion des Textverarbeitungsprogramms auf, mit dem ich arbeitete und ich probierte sie aus. Es sah gut aus, also wollte ich eine Fußnote erstellen. Sie sollte irgendwie witzig sein. Also versah ich den Namen eines Raumschiffes mit einer Fußnote und wollte eigentlich so was schreiben wie „Das war irgendso ein Pharao.“ Doch dann packte es mich. Da ich einen großen Brockhaus mein Eigen nenne, schlug ich den Namen nach… und stellte fest, dass ich mich geirrt hatte. Die Person, um die es ging, war ein großer Herrscher gewesen, aber kein Pharao. Nicht mal Ägypter. Nicht mal Afrikaner. Peinlich, peinlich.

Das brachte mich ins Grübeln und auf die Idee, dass es manchmal hilfreich sein kann, einem Leser eine kleine Erläuterung mitzuliefern, die dieser nicht lesen muss. Bei einer Fußnote ist das so, man kann sie schnell überfliegen und ignorieren, falls man die in ihr enthaltene Information schon kennt. Und witzig konnte ich trotzdem sein. Seither gibt es in meinen Geschichten drei Sorten Fußnoten:

1. Echte Fußnoten: Die enthalten echte Informationen.
2. Halb-und-halb-Fußnoten: Diese fangen mit einer echten Information an, enden aber unter Umständen in einem Witz oder einer satirischen Bemerkung.
3. Fiktive Fußnoten: Diese sind von mir erfunden und können wiederum in die Kategorie A und B eingeteilt werden. A – Sie enthalten völligen Blödsinn, der nur dazu dient, den Leser zu erheitern. B – Sie enthalten Angaben über fiktive Personen, Begebenheiten, Orte oder dergleichen, die eventuell später für die Geschichte von Wichtigkeit sind.

Beim Verfassen der Fußnoten achte ich darauf, den nüchternen, sachlichen Stil eines Lexikons beizubehalten. Fußnoten der Kategorie 3A werden dadurch nochmals ein wenig witziger, weil Informationsgehalt und Stil in einem völligen Widerspruch stehen. Leider komme ich an den Großmeister des trockenen Humors dabei nicht heran: Loriot. Aber ich gebe mein Bestes.

Wie sind meine eigenen Erfahrungen mit Fußnoten? Sehr gute, da ich sie als sehr hilfreich erlebt habe, vor allem als Kind und Jugendlicher. In den Comics, die ich gern las, halfen sie mir, wirklich alles zu verstehen. Vermutlich kommt auch daher meine Prägung.

Kommen denn dann in meinem neuen Werk auch Fußnoten vor? Nein, hier versuche ich, meinen Stil zu entwickeln. Es gibt keine Fußnoten mehr, sondern Endnoten am Ende des Textes. Fußnoten haben leider den Nachteil, dass sie den Text sehr beeinflussen, vor allem, wenn sie auf einer Seite im Text ziemlich weit unten gesetzt werden. Die Fußnoten muss dann unter Umständen, weil sie nicht ganz auf die Seite passt, aufgeteilt werden das bringt die Seitenplanung etwas durcheinander.
Und aus welcher Kategorie sind diese Endnoten? Hauptsächlich 1, 2 und 3B…


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Über Thorsten Reimnitz 842 Artikel

Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist „Das Phantastische Projekt“ mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.

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